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Wochenbett; die erste Zeit nach der Geburt

Die Zeit der Schwangerschaft ist vorbei, das Familienglück hoffentlich perfekt. Die ersten drei Monate haben es aber in sich – sie sind herausfordernd. Was macht man wie, wann und womit am Besten?

Die Geburt eines Kindes ist ein Wunder der Natur und bereitet viel Freude, bringt aber auch Neues und Ungewohntes mit sich. Die Mutter muss sich erst von der Geburt erholen, soll aber trotzdem für das Kind da sein. Der Vater hingegen wäre zwar gerne für das Baby da, aber da das Stillen nun mal Muttersache ist, bleibt ihm nur Windelwechseln, Kind baden und Kinderwagen schieben, um in seine Vaterrolle hinein zu wachsen. Wenn dann nicht gerade alles rund läuft, das Baby vielleicht unter Blähungen leidet oder mehr schreit als friedlich vor sich hin gluckst, dann hagelt es oft ungefragt gut gemeinte Ratschläge von allen Seiten. Dabei braucht es für alle erst einmal Zeit, sich an die neue Situation und die neue Welt zu gewöhnen. Für das Baby, wie für die Eltern. Die ersten drei Monate sind für alle Beteiligten meist am schwierigsten.

Nach der Geburt

Die Geburt ist für den weiblichen Körper ein Kraftakt. Danach ist Mama erschöpft und müde – und die Hormone spielen verrückt. Gleichzeitig möchte sie aber das Baby optimal stillen und den Anforderungen ans Mutterdasein gerecht werden. Und dann kommt er manchmal still und leise und völlig unerwartet – der «Baby Blues». Fast drei Viertel aller Mütter leiden in den Tagen nach der Geburt unter Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Niedergeschlagenheit und Schlafstörungen. Meist verschwinden diese Gefühle innerhalb der ersten zwei Wochen nach der Geburt wieder. Bleiben sie oder verstärken sich gar, dann spricht man nicht mehr vom «Baby Blues», sondern von einer Wochenbett- oder postnatalen Depression. Schuld daran sind die Hormonumstellung, Schlafmangel, Reizüberflutung und die veränderten Lebensumstände. In leichten Fällen ist meist keine Therapie notwendig. Wenn die Beschwerden nicht von selbst abklingen, können auch homöopathische oder spagyrische Arzneimittel (Johanniskraut, Borretsch, Ignatiusbohne u.a.) helfen, die Psyche wieder in Balance zu bringen, ohne dass dabei Probleme beim Stillen zu befürchten sind. In schweren Fällen helfen Psychotherapie und wenn nötig, und nur nach Rücksprache mit dem Arzt, auch synthetische Medikamente. Übrigens leiden auch Männer unter «Baby Blues». Rund 10% der Väter sind mit der neuen Situation überfordert und werden von Versagensängsten und Sorgen um Mutter und Kind geplagt.

In der Ruhe liegt die Kraft

Nach der Geburt braucht der Körper viel Ruhe. Besuche im Krankenhaus oder daheim sind lieb gemeint, setzen aber die Mutter zusätzlicher Belastung aus. Daher sollte man frisch gebackene Mütter fragen, ob sie überhaupt Besuch oder lieber ihre Ruhe haben möchten. Um auch daheim mehr Ruhe zu haben, hilft eine gute Vorbereitung noch vor der Geburt. Mahlzeiten und Snacks lassen sich gut vorbereiten und portionenweise einfrieren. Füllen Sie die Vorräte an unverderblichen Nahrungsmitteln auf und nutzen Sie nach der Geburt die Heimlieferdienste der verschiedenen Lebensmittel- und Einzelhändler. Auch Geburtskarten, Adressen, SMS-Listen etc. können schon vorbereitet werden. Das erspart viel Stress und unnötige Diskussionen.

Für einen schnellen Aufbau sollte man auf eine gute, hochwertige und ausgeglichene Ernährung achten, damit der Körper mit allen wichtigen Aufbau- und Nährstoffen versorgt wird. Zusätzlich können spezielle Vitalstoffpräparate für Schwangere und stillende Mütter den körperlichen Anpassungs- und Umstellungsprozess optimal unterstützen. Sie helfen auch dabei, Mangelerscheinungen vorzubeugen oder auszugleichen.


Es braucht vorerst einmal Zeit, sich an die neue Situation und die neue Welt zu gewöhnen. Für das Baby wie für die Eltern. Die ersten drei Monate sind für alle Beteiligten meist am schwierigsten.

Beschwerden nach der Geburt

Eine Geburt verursacht psychische und energetische, aber auch körperliche Beschwerden. Weit verbreitet ist der Dammriss. Er bedarf einer speziellen Pflege, um Infektionen vorzugbeugen und die Wundheilung zu unterstützen. Neben der regelmässigen Wundversorgung helfen Sitzbäder mit Kamillenextrakt und innerlich die Verwendung von Arnika (homöopathisch oder spagyrisch). Damit der Stuhl weich bleibt und beim Gang auf die Toilette nicht unnötig gepresst werden muss, empfehlen Hebammen die Zufuhr von Ballaststoffen (zum Beispiel Flohsamenschalen). Ausserdem sollte man auf eine ausreichend grosse Trinkmenge achten. Spezielle Sitzringe entlasten die Wundregion und machen das Sitzen weniger schmerzhaft. Auch beim Wochenfluss muss man auf eine gute Hygiene achten. Das Ablösen der Plazenta bei der Geburt hinterlässt auf der Gebärmutter eine grosse Wunde, die nun langsam abheilt und deren Wundsekret als Wochenfluss bezeichnet wird. Normalerweise dauert er vier bis sechs Wochen. Wichtig ist vor allem, dass der Wochenfluss nicht ins Stocken kommt. Deshalb sollte man weiche Wattebinden anstelle von Tampons verwenden. Bei stockendem Wochenfluss können sanfte Bauchmassagen oder Sitzbäder mit Salzwasser den Stau auflösen. Im Zweifel ist aber auch ein Arztbesuch angezeigt. 

Stillprobleme und Brustpflege

Häufig treten beim Stillen Probleme auf. Sei es, weil die Lage des Babys nicht stimmt, der Milchfluss zu gering ist oder wunde Brustwarzen das Stillen sehr schmerzhaft machen. Die Hebamme zeigt der Mutter wie es richtig geht und unterstützt Sie bei Problemen. Bereits die richtige Position des Babys beim Stillen vermindert die Belastung der Brustwarzen. Regelmässiges Stillen fördert den Milchfluss und beugt einem Milchstau vor. Den Milchfluss kann man mit speziellen Still-Tees, aber auch mit homöopathischen oder spagyrischen Mitteln und mit Schüsslersalzen unterstützen und wunde Brustwarzen mit speziellen Cremes pflegen. Brusthütchen hingegen sollte man nur kurzzeitig verwenden, da sie das Saugverhalten des Babys verändern können. Beim Milchstau hilft sanftes Ausstreichen und feuchtwarme Brustwickel. Ein Milchstau kann auch zu einer Brustentzündung führen, die mit kühlen Auflagen oder Quarkwickel beruhigt werden kann. Tritt nach 24 Stunden keine Besserung auf oder kommt Fieber hinzu, ist ein Arztbesuch angezeigt, um eine mögliche Infektionsgefahr abzusenden.

Und das Baby?

Der Körper eines Säuglings braucht viel Zeit, um sich an die neue Welt anzupassen. So ist zum Beispiel der Verdauungstrakt noch völlig unausgereift und macht gerne Beschwerden. Aber auch die Haut ist viel dünner als bei einem Erwachsenen. Der Säureschutzmantel ist noch nicht vollständig gebildet. Stillen ist in den ersten sechs Monaten das Beste für den Säugling. Wer nicht stillen kann, ist mit einem Milchersatz, sogenannten Anfangsmilchen, gut beraten. Welche Milch geeignet ist, besprechen Sie am Besten mit einer Fachperson. Auf die neue Nahrung bzw. das Hinzufügen neuer Nahrungskomponenten reagieren viele Säuglinge mit Blähungen und Verdauungsbeschwerden. Eine sanfte Bauchmassage im Uhrzeigersinn mit einem blähungsmindernden Bäuchleinöl, homöopathische Zäpfchen oder ein warmes Traubenkernkissen helfen in den meisten Fällen. Auch Fencheltee lindert Blähungen. Stillende Mütter sollten überlegen, ob sie etwas Blähendes gegessen haben. Für Schoppen-Babys kann das Milchpulver statt nur mit Wasser, auch mit Fencheltee aufgelöst und zusätzlich eine Schoppenflasche verwendet werden, die übermässiges Luftschlucken vermindert. Dreimonatskoliken sind viel heftiger im Beschwerdebild und oft begleitet von starkem Schreien. Die Massnahmen sind hier die gleichen, wie bei den Blähungen. Tritt bei Säuglingen Fieber, Durchfall oder Erbrechen auf, sind sie lethargisch oder sehr berührungsempfindlich, so muss man unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Zarte Babyhaut

Die Haut von Säuglingen ist sehr sensibel. Allerdings benötigt sie, ausser im Winter als Kälteschutz oder im Sommer als Sonnenschutz, nicht zwingend spezielle Pflege, solange keine Haut-Symptome auftreten. Bei Problemen ist allerdings die richtige Hautpflege wichtig. Verzichten Sie ganz allgemein auf alles was synthetische Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe enthält. Am Besten eigenen sich Babypflegeprodukte, die aus 100 % natürlichen Inhaltsstoffen zusammengesetzt sind. Ein Spezialfall ist die Baby-Akne. Hier reicht eine Reinigung mit warmem Wasser. Verzichten Sie auf Pflegeprodukte jeglicher Art und drücken sie nicht an den Pusteln herum.


So oft wie möglich sollten Kinder mit Windeldermatitis ohne Windeln sein, damit die gereizten Stellen genug belüftet werden.

Gereizter Po

Ein wunder Windelbereich wird auch als Windeldermatitis bezeichnet. Das feuchtwarme Klima in der Windel sowie Urin und Stuhl greifen die zarte Haut an und führen zu Reizungen und Rötungen. Hier ist eine besonders sanfte Reinigung mit Öltüchern oder fliessendem Wasser angezeigt. Nach der Reinigung nicht trockenrubbeln, sondern trocken föhnen. Die gereizten Hautstellen pflegt man mit einer Zinksalbe. So oft wie möglich sollten Kinder mit Windeldermatitis ohne Windeln sein, damit die gereizten Stellen genug belüftet werden. Bessert sich der Hautzustand nicht innerhalb weniger Tage oder kommen Pusteln, Bläschen oder Krustenbildung dazu, dann ist hier ein Arztbesuch angezeigt, denn eine bakterielle Infektion oder ein Pilzbefall könnten auftreten.

Milchschorf oder Kopfgneis?

Weil sie äusserlich ein ähnliches Bild abgeben, werden die beiden Hauterkrankungen vom Laien meist nicht unterschieden und generell als Milchschorf bezeichnet. Dabei tritt der Milchschorf (atopisches Ekzem) meist erst ab dem dritten Lebensmonat auf, während sich der Kopfgneis (infantiles seborrhoisches Ekzem) meist schon in den ersten Wochen nach der Geburt zeigt. Der Kopfgneis hat hormonelle Ursachen. Beim Milchschorf hingegen sind die Ursachen nicht geklärt. Bei beiden Erkrankungen zeigen sich grosse Hautschuppen im Bereich der Kopfhaare, manchmal auch an den Wangen. Beim Kopfgneis sind diese weich und ölig, während sie beim Milchschorf eher hart und trocken sind. Milchschorf ist zudem meist von Rötungen und starkem Juckreiz begleitet. Um Infektionen zu vermeiden, sollte Milchschorf nicht entfernt werden. Meist verschwindet der Milchschorf bis zum zweiten Lebensjahr von selbst wieder. Bei starkem Juckreiz und Rötungen bringen spezielle Produkte Linderung. Die Hautschuppen beim Kopfgneis kann man mit Mandelöl erweichen und sanft entfernen. Das ist aber nicht unbedingt nötig. Auch Kopfgneis verschwindet nach den ersten drei Monaten meist von selbst wieder. Ein par Tropfen Muttermilch auf die betroffenen Stellen dient als natürliche Behandlungsmethode. Ja, die Geburt eines Kindes ist ein Wunder der Natur und bereitet viel Freude und Glücksmomente. Die erste Zeit nach der Geburt ist eine Frau nie restlos auf alle Beschwerden und Unregelmässigkeiten vorbereitet – und muss es auch nicht sein. Wenn Sie Zweifel haben oder unsicher sind, holen Sie sich den Rat einer Fachperson. Diese Begleitung hilft Ihnen, die wunderbaren ersten 100 Tage nach der Geburt möglichst entspannt und mit viel Freude zu erleben.

Text: Lukas Maron, Bilder: Beat Brechbühl

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