Gesundheit

 

Keime lauern überall

Sommer bedeutet Reisezeit, und Reisen steht für tolle Erlebnisse, Erholung und schöne Momente. Viele Menschen sind dann auch mit unangenehmen Themen wie Durchfall, Sommergrippe oder Pilzinfektionen konfrontiert.


© Beat Brechbühl

Im Sommer sind praktisch gleich viele Menschen von Halsschmerzen geplagt wie im Winter. Das hat seine Ursache im oft übertriebenen Einsatz von Klimageräten im Büro, Auto, Einkaufsgeschäften oder zu Hause. Das führt zu einem ungesunden Wechsel vom Schwitzen in der Sonne bis hin zum Frieren in den Räumen und schwächt unsere Abwehr.

 

ACHTUNG PILZE

Die hohen Temperaturen im Sommer führen zu mehr Schweissbildung. Verstärkt wird dies durch synthetische Kleider auf der Haut. In der feuchten und warmen Umgebung gedeihen Pilze wie der Candida-Pilz viel besser, was im Intimbereich bei Frauen zu Problemen führen kann. Es braucht dann oft nur einen «Chlor-Schock» im Schwimmbad, der die natürliche Bakterienbesiedlung kurzfristig stört. So bekommt der Candida-Pilz mehr Raum, was bei Frauen zu einem unangenehmen Scheidenpilz führen kann. Hier ist es nicht ratsam, desinfizierend einzuschreiten und schon gar nicht vorbeugend, denn dann würde die Standardflora noch mehr geschwächt. Eine Pilzinfektion zeigt ohnehin eine Immunsystemschwäche an, was sich oft in den ersten Ferientagen oder Wochen zeigt. In dieser Zeit fährt der Körper mit den Stresshormonen runter und somit auch mit der körpereigenen Kortisolausschüttung, welche uns vor entzündlichen Prozessen bewahrt. In den Ferien fährt  also auch unser Immunsystem runter, insbesondere wenn vor den Ferien der ganze Körper und somit auch das Immunsystem durch ständigen Stress überfordert wurde. In diesen Fällen wäre eine Terminhygiene viel wichtiger als eine keimfreie, sterilisierte Umgebung.

 

AUF HYGIENE ACHTEN

Wir neigen oft dazu, uns mit den Händen im Gesicht zu berühren. Daher ist es sinnvoll, die Hände zu desinfizieren – besonders nach spannenden Entdeckungs-Ausflügen in fremden Städten. Dabei gelten die selben Regeln wie im Winter bei uns. In öffentlichen Bereichen, wo sich viele Menschen aufhalten und sich an Geländern oder der Haltestange im Bus festhalten, werden Keime übertragen. Deshalb sollten wir uns oft die Hände waschen und von Zeit zu Zeit desinfizieren. Dies gilt vor allem auch nach dem Besuch des stillen Örtchens. Auf der Toilette empfiehlt sich das Desinfizieren der WC-Brille und der Armaturen mit einem entsprechenden Tuch vor der Nutzung. Halten Sie hier eine Einwirkzeit von mindestens 30 Sekunden ein. Auch in der Küche ist Hygiene angezeigt. Zwar können Oberflächen relativ gut desinfiziert werden, doch es kommt darauf an, wie diese genutzt wurden. So kann ein Rüstbrett, das auch für Fleisch verwendet wird, im privaten Gebrauch ohne weiteres mit gründlichem Abwaschen gesäubert werden. Das Schneidebrett kann auch mit zwei Tropfen eines ätherischen Öles behandelt werden, im Bewusstsein, dass das Fleisch auf diese Art zusätzlich gewürzt wird. Wobei einige ätherische Öle überhaupt nicht geeignet sind für den Einsatz im Lebensmittelbereich. Erkundigen Sie sich in Ihrer Drogerie oder Apotheke. Beachten Sie: Pouletfleisch hat in rohem Zustand das grösste krankmachende Potential. Meistens reicht es jedoch, die Unterlagen nur für das Poulet einzusetzen und dann in der Geschirrspülmaschine sauber zu waschen. Wer seine Lebensmittel im Kühlschrank aufbewahrt, ist vor Bakterien keinesfalls sicher. Dort finden sich zahlreiche Krankheitserreger. Das grösste Problem ist ein zu warmer Kühlschrank, denn ab einer Temperatur von sieben Grad vermehren sich Keime explosionsartig. Die meisten Infektionen und Lebensmittelvergiftungen entstehen daher im Haushalt.

 

DESINFEKTION DOSIERT EINSETZEN

Die meisten Produkte für die Handdesinfektion im privaten Umfeld basieren auf alkoholischen Wirkstoffen und werden meist gut vertragen – abgesehen von einem eventuellen Austrocknen bei regelmässigem Gebrauch. Eine natürliche Möglichkeit bieten Sprays mit ätherischen Ölen, welche das Wirkspektrum noch erweitern. Gerade weil ätherische Öle stark wirksame Pflanzenbestandteile sind, können sie auch eine allergische Reaktion auslösen, was aber eher selten der Fall ist. Auf alle Fälle lohnt es sich, vor der regelmässigen und grossflächigen Anwendung, vorab an einer kleinen Stelle an der Arm-Innenseite die Verträglichkeit zu testen. Für das Desinfizieren von Wunden werden andere Wirkstoffe eingesetzt. Das hat einerseits mit der Verträglichkeit (Alkohole brennen sehr stark) und auch mit dem Wirkspektrum zu tun. Zur Wundbehandlung gehört die Reinigung der Wunde – idealerweise mit physiologischer Kochsalzlösug. Als zweiter Schritt wird desinfiziert, wobei sich die Sprayanwendungen gegenüber den Tropfenflaschen besser bewährt haben. Zuletzt wird die Wunde richtig abgedeckt. Hier gilt: Die Wunde feucht halten, damit die neue Haut in ein feuchtes Millieu gebildet wird und nicht erst die Kruste nach oben geschoben werden muss. Dazu wird die desinfizierte Wunde mit einem Hydrokolloid-Pflaster rundum abgedeckt, damit keine Verunreinigungen in die Wunde gelangen. Bei grösseren Wunden kann mit einem Wundheilungs-Gel die Wunde feucht gehalten und rundum sauber abgedeckt werden. Wundsalben gehören nicht in eine offene Wunde. Diese sind mehr bei leichten Schürfungen oder zum Pflegen einer Kruste geeignet. Feuchthalten bedeutet also nicht den ganzen Tag im Wasser planschen, sondern die Wunde feucht halten und sauber abdecken.

 

Der menschliche Organismus geht mit Bakterien eine Symbiose ein. Zu viel Desinfektion kann auch kontraproduktiv sein. Es ist auf jeden Fall sinnvoll, Keime resolut zu bekämpfen, wenn zum Beispiel eine Magen-Darmgrippe die Runde macht. Aber grundsätzlich gilt auch hier – mehr ist nicht automatisch besser.

 

Text: Patrick Seiz