Gesundheit

 

Entschlacken - Überschüssiges muss weg

Während des Winters ist der Stoffwechsel eher träge. Nun ist es für den Körper höchste Zeit, bis in die letzten Winkel aufzuräumen und unerwünschte Ablagerungen, Schlacken und belastende Depots los zu werden.


© Beat Brechbühl

Der menschliche Körper funktioniert im Grunde wie eine Grossfabrik. Auf-, Um- und Abbau der Zellen, aber auch das Verwerten der Nahrung gehören zu dessen Hauptaufgaben. Dass dabei auch Abfall entsteht, liegt nahe. Der Körper kann den Abfall, der tagtäglich produziert wird, normalerweise über die entsprechenden Ausscheidungsmechanismen entsorgen. Eine bewegungsarme Lebensweise, Convenience-Food, Nahrungsmittelzusätze, Genussmittel, Medikamente und die zunehmende Belastung durch Umweltgifte überlasten aber die körpereigenen Entsorgungsmechanismen derart, dass der Abfall im Gewebe zwischen gelagert wird. Diese Depots wieder los zu werden, ist für einen dauerhaft überlasteten Körper wichtig, wenn auch nicht gerade einfach.

 

Verschlackt

Eine zunehmende Verschlackung zieht verschiedenste Beschwerden nach sich. Erste Anzeichen können dauernde Müdigkeit, Erschöpfung und häufige Kopfschmerzen oder diffuse Muskel- und Gelenkbeschwerden sein. Nimmt die Belastung zu, kommen auch rheumatische Beschwerden, Hautausschläge, Allergien und Verdauungsstörungen dazu. Natürlich treten diese Beschwerden auch im Zusammenhang mit gewissen Erkrankungen auf. Es ist deshalb wichtig, dass organische Ursachen ausgeschlossen werden. Ist dies der Fall, dann kann eine entsprechende Entschlackungskur durchaus zu einer Besserung verhelfen. Aber auch wer nicht unter konkreten Beschwerden leidet, sondern dem Körper nach dem trägen Winter einfach unter die Arme greifen möchte, kann die Entgiftung unterstützen und dem Körper helfen, die zwischengelagerten Abfälle zu entsorgen.

 © Beat Brechbühl

Müllabfuhr – die Entgiftungsorgane

Der Körper verfügt über eine ganze Reihe von Möglichkeiten, unerwünschte Stoffe los zu werden. Die Hauptaufgabe übernehmen die Entgiftungsorgane des Körpers. In erster Linie sind das Leber, Hut und Nieren. Die Leber verarbeitet fettlösliche Stoffe (zum Beispiel Medikamentenrückstände). Diese werden in den Darm transportiert und mit der Stuhlmasse ausgeschieden. Der Darm wird selbst zum Entgiftungsorgan: Alles, was mit der Nahrung in unseren Körper gelangt, wird im Darm geprüft und gefiltert. Der unbrauchbare Rest wird dann ausgeschieden. Die Nieren filtern die wasserlöslichen Abfälle (zum Beispiel Harnsäure) aus dem Blut und leiten diese mit dem Urin aus dem Körper. Es gibt aber noch weitere, weniger bekannte Entgiftungsorgane – zum Beispiel das Lymphsystem. Es sammelt Bakterien, Bakteriengifte, Schwermetalle, abgestorbene Zellen etc. aus der Zwischenzellflüssigkeit und bringt diese in die Lymphknoten, wo die Schlacken vernichtet werden. Auch der Schweiss sondert gewisse Giftstoffe ab. Damit wird die Haut zu einem wichtigen Entgiftungsorgan, das in der alternativen Therapie oft auch als «dritte Niere» bezeichnet wird. Über die Lunge schliesslich werden wir gasförmige Stoffe los, die den Körper und den Stoffwechsel belasten können.

 

Entschlacken – aber wie?

Entschlackungsprogramme gibt es wie Sand am Meer. Jedes Jahr bringt neue, die ultimative Tiefenentgiftung versprechende Ideen hervor. Nicht alle Programme sind empfehlenswert. Einseitige Ernährungsempfehlungen oder die Konzentration auf nur einen konkreten Entgiftungsprozess sind nicht empfehlenswert. Gute Entschlackungsprogramme unterstützen möglichst alle Entgiftungsorgane. Die Ernährung soll dabei frisch, vollwertig und vielseitig sein sowie viel Obst und Gemüse beinhalten. Es ist vorteilhaft, wenn das Programm auch auf die individuellen Bedürfnisse und Voraussetzungen des Anwenders abgestimmt ist. Die Fachpersonen aus Apotheke und Drogerie sind entsprechend geschult. Sie stellen Ihnen Ihr individuelles Entschlackungspaket zusammen und begleiten Sie durch die Kur. Grundsätzlich dauert eine Entschlackung mindestens drei, eher vier bis sechs Wochen. Kurze Kuren bringen nur wenig, weil der Körper eine gewisse Zeit braucht, um die Schlackendepots aufzulösen.

 

Die 3 Säulen der Entschlackung

Als wichtigste Säule werden die Entgiftungsorgane und dadurch die Ausscheidung von Schlackenstoffen und überschüssigen Säuren angeregt. Die zweite Säule bildet die Ernährung und die dritte Säule rundet die Entschlackungskur durch zusätzliche Massnahmen ab.

Heilpflanzen in Form von Tinkturen oder spagyrischen Essenzen können genutzt werden, um die Entgiftungsorgane anzuregen.  Als wichtigste Heilpflanzen für die Leber gelten Mariendistel, Löwenzahn, Schöllkraut und Artischocke. Die Mariendistel wirkt leberentgiftend, leberstärkend und leberschützend. Ferner stimuliert sie die Regenerationsfähigkeit der Leber und die Neubildung von Leberzellen. Der bestens bekannte Löwenzahn regt die Bildung von Magensaft und Galle an und fördert so die Ausscheidung über die Leber. Daneben hat der Löwenzahn aber auch eine anregende Wirkung auf die Harnausscheidung bzw. die Nieren. Er verbindet so die zwei Hauptorgane des Stoffwechsels miteinander. Schöllkraut ist eine uralte Heilpflanze von grösster Vitalität. Es fördert den Gallefluss, regt die Leberfunktion an und wirkt krampflösend auf die Gallengänge. Die Artischocke regt allgemein den Leberstoffwechsel an, wodurch die Gallenabsonderung gesteigert wird. Ferner wird der Artischocke auch eine schützende Wirkung auf die Leberzellen zugeschrieben.

Für die Nieren kommen Goldrute, Brennessel, Birke und Ackerschachtelhalm zum Einsatz. Die Goldrute wirkt harntreibend und hat eine stärkende Wirkung auf das Nierengewebe und die Nierenenergie. Die Brennessel, als eine der traditionsreichsten Heilpflanzen überhaupt, hat stark harntreibende und reinigende Effekte. Auch die positive Wirkung auf die Blutbildung ist seit langem bekannt und geschätzt. Mit der Birke stellt uns die Natur eine weitere mächtige und traditionsreiche Heilpflanze zur Verfügung. Birke verstärkt die Entsäuerung des Gewebes und regt die Harnausscheidung an. Der Schachtelhalm ist reich an Kieselsäure und wirkt harntreibend, stoffwechselanregend und durch den hohen Kieselsäuregehalt bindegewebsfestigend.

Um das Lymphsystem in seiner Funktion zu unterstützen und mögliche Stauungen sowie Blockaden zu lösen, ist ein Extrakt aus dem Storchenschnabelkraut eine gute Wahl. Bereits die Universalgelehrte und Benediktinerin Hildegard von Bingen aber auch der Schweizer Arzt und Alchemist Paracelsus erwähnten den Storchenschnabel als Heilpflanze.

 

Zellstoffwechsel mit Schüsslersalzen

Die Entgiftungsorgane können nur Giftstoffe ausscheiden, die mit dem Blut, den Lymphen oder dem Schweiss zu ihnen hin transportiert werden. Die Schlackendepots im Zellbereich und im Bereich der Zellzwischenräume benötigen tiefgreifende Reize, um gelöst und den Entgiftungsorganen zugeführt werden zu können. Diese Reize setzen Schüsslersalze und ergänzen die Heilpflanzen optimal. Die Dr. Schüssler Stoffwechselsalze sind:

 

  • Nr. 6 Kalium sulfuricum, das die Zellen entgiftet, die Leber stärkt und den Stoffwechsel unterstützt.
  • Nr. 8 Natrium chloratum. Dieses Salz aktiviert den Stoffwechsel und reguliert die Körperflüssigkeiten, die wichtig für eine optimale Ausscheidung sind.
  • Nr. 9 Natrium phosphoricum ist das Mittel für die Ausleitung von überschüssigen Säuren und unterstützt den Fettstoffwechsel.
  • Nr. 10 Natrium sulfuricum verstärkt die Ausscheidungsprozesse, damit die gelösten Schlacken auch tatsächlich aus dem Körper abtransportiert werden.

 

 

Knospenkraft als Wirkungsverstärker

Die Knospen der Heilpflanzen bergen ein unglaublich hochwirksames Reservoir an Wirkstoffen, wie sie in ausgewachsenen Pflanzen nicht mehr vorkommen. Die Gemmotherapie macht sich diese Kraft zunutze. Die Knospen werden in einer Mischung aus Glycerin und Wasser schonend ausgezogen. Dieser Auszug kommt dann als sogenanntes Gemmomazerat zum Einsatz. Gemmomazerate können durch ihre einzigartigen Wirkstoffe jede Therapie unterstützen und verstärken nachhaltig den Therapieerfolg. Für die Frühjahrskur eigenen sich zur Grundtherapie die Knospenmazerate aus Birke, Wacholder und Rosmarin. Sie aktivieren die Entgiftungsorgane auf einer ganz anderen Ebene und verstärken auch den Zellstoffwechsel, so dass der Körper schnell von unerwünschten Schlacken befreit wird.

 

Entschlackung durch gesunde Ernährung

Wenn man den Entschluss fasst, eine Entschlackungskur zu machen, dann soll dabei unbedingt auch die Ernährung beachtet werden. Denn wenn der Körper weiter mit einer ungesunden Ernährungsweise belastet wird, dann hilft auch die wirkungsvollste Entschlackungsmethode nur halb so viel. Grundsätzlich heisst das: vor allem frisch und saisonal kochen und essen. Es ist sinnvoll den Konsum von tierischen Eiweissen, weissem Mehl, Zucker, Alkohol und Koffein zu reduzieren, denn diese Nahrungsmittel kurbeln die Säurebildung im Gewebe verstärkt an. Es gibt auch Kräuter und Gemüse, die die Entgiftung direkt durch ihre Inhaltsstoffe unterstützen. Generell reagiert zum Beispiel die Leber positiv auf den Konsum von natürlichen Bitterstoffen. So können zum Beispiel Löwenzahn auch als Salat und die Artischocke als delikates Gemüse zubereitet werden. Aber auch Rucola und Chicorée enthalten aromatische Bitterstoffe und Gewürze wie Basilikum, Bohnenkraut, Rosmarin, Thymian und Wermut unterstützen eine gesunde Leberfunktion.

Am Anfang einer reinigenden Frühlingskur möchten viele Anwender die Verdauung und den Körper entlasten. Für eine solche Entlastung und als Einstieg in die Kur eignet sich besonders eine Fastenwoche mit Gemüse- und Fruchtsäften. Sie liefert dem Körper alle wichtigen Nährstoffe, damit er nicht unnötig ausgelaugt wird. Weil während dieser Woche keine feste Nahrung gegessen wird, konzentriert sich der Körper voll und ganz auf die Entgiftung.

Auch trendige Superfoods, ob als Bestandteil von Smoothies, Shakes oder anderen leckeren Zubereitungsarten, können der Entschlackung noch einen Extrakick verleihen und bereichern mit den vielen Kombinationsmöglichkeiten und Rezeptideen den Speiseplan. Das Angebot ist riesig, deshalb sollen hier nur die wichtigsten Superfoods für die Frühlingskur erwähnt werden. Algenpulver aus Chlorella und Spirulina, Pulver aus Gersten- und Weizengras aber auch Mischungen aus verschiedenen Beeren, Wildkräutern und Gemüsen ergänzen eine Entschlackungskur auf einfache aber gehaltvolle Art und Weise.

Zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung ist es wichtig auf eine ausreichende Trinkmenge zu achten. Zwei bis drei Liter stilles Wasser oder ungesüsster Kräutertee dienen dem Körper als wichtiges Lösungs- und Transportmittel für die Schlackenstoffe und Säuren. Ein Stoffwechseltee als Teil der täglichen Flüssigkeitszufuhr ist eine sehr gute Alternative zu anderen Kräutertees und verstärkt den Kureffekt zusätzlich.

 © Beat Brechbühl

Tipps und Tricks

Sportliche Betätigung regt die Entgiftung über Haut und Lunge an. Walken, Schwimmen, Radfahren, aber auch zügiges Spazieren steigern die Durchblutung und die Schweissproduktion. Damit werden vermehrt Säuren und Giftstoffe über den Schweiss abtransportiert. Ausserdem wird auch die Atmung angeregt. So kann der Körper mehr CO2 ausscheiden.

Als weitere Massnahme für die Hautentgiftung eignen sich Basenbäder. Sie sind nicht zu verwechseln mit den umstrittenen Detox-Badekuren (Fussbäder). Die basischen Mineralsalze im Wasser entziehen dem Körper über die Haut überschüssige Säuren und versorgen diese zusätzlich mit wichtigen Aufbaustoffen, welche die Hautgesundheit unterstützen.

Nutzen Sie die Entschlackung auch für einen Neuanfang. Behalten Sie zum Beispiel die Ernährungsumstellung bei, wagen Sie den Schritt in ein rauchfreies Leben oder lassen Sie sich vom Frühlingskick zu mehr Bewegung verleiten. Gleichzeitig mit dem Körper soll auch der Geist entschlackt werden. Das Reduzieren von Stress, aber auch Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder auch ein einfacher Spaziergang helfen dabei. Dazu braucht es nur etwas Disziplin.

 

Text: Lukas Maron / Bilder: Beat Brechbühl