Gesundheit

 

Wundbehandlung ist mehr als ein «Pflästerli»

Sie erfahren in diesem Artikel, mit welchen einfachen Mitteln Sie eine kleinere Wunde (Schnitt-, Schürf- oder Verbrennungswunde) behandeln können – damit eine problemlose Wunde auch wirklich problemlos abheilt.




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Die Natur hat es wunderbar eingerichtet, dass wir Menschen nicht gleich bei den kleinsten Verletzungen verbluten: Schlagen wir mit der Hand heftig an einem scharfe Gegenstand an, verletzt dieser Haut und Blutgefässe. In der Folge beginnt Blut aus den Gefässen auszutreten. Das Bluten hilft der Wundheilung, indem es Dreck und mit ihm unerwünschte Keime aus der Wunde spült und das Material für die Wundschliessung (Krustenbildung) an die gewünschte Stelle bringt. Strömt das Blut nicht zu stark, beginnt die Blutgerinnung ziemlich schnell.

Um diesen natürlichen Schutzmechanismus nicht zu stören, heisst es auch heute noch oft: Für eine gute Wundheilung muss Luft zur Wunde gelangen.

Heute setzt sich im privaten Bereich die feuchte Wundheilung immer mehr durch; sie unterscheidet sich von den bisherigen Methode zum Teil deutlich.

Die richtige Wundbehandlung in vier Schritten
In jedem Haushalt wird es die verschiedensten Arten der Wundbehandlung geben. In den meisten Fällen führen sie erstaunlicherweise zu den gewünschten Ergebnissen. Damit es in Zukunft noch weniger Probleme mit Wunden geben wird, informieren wir Sie über die vier wichtigen Schritte einer optimalen Wundversorgung:

1. Schritt: Wundreinigung
Die Haut ist unsere äusserste Schutzhülle. Sobald etwas (Kante, Messer, Nagel, Ast usw.) sie verletzt, können Fremdkörper wie kleine Steinchen, Dreck oder Staub in den Körper gelangen. Diese Fremdkörper können die Wundheilung stören oder zu einer Entzündung in der Wunde führen. Sie müssen daher aus der Wunde entfernt werden.

Im Idealfall verwendet man eine mit physiologischer Kochsalzlösung getränkte Gaze. Physiologische Kochsalzlösung hilft dem Gewebe bei der Ausschwemmung von kleinsten Partikeln, und die Gaze dient als Transportmittel, um die Partikel aus der Wunde zu schaffen.

Bei tiefen Wunden lässt man die getränkte Gaze mehrere Minuten in der Wunde, um den gewünschten Aufsaugeffekt zu erreichen. Diese Methode wird insbesondere bei chronischen Wunden eingesetzt. Solange die Wunde feucht bleibt, beginnt auch die Verkrustung noch nicht – was erwünscht ist. Wichtig ist es, Gaze zu verwenden und keine Watte, denn von der Watte könne sich Fusseln lösen und in der Wunde verbleiben.

Bei oberflächlichen Schürfwunden reicht es meist, die Wunde mit einer feuchten Gaze zu reinigen.

Steckt ein grösserer Fremdkörper, z.B. ein Nagel, in der Wunde, sollte er in der Wunde belassen, bei Bedarf fixiert und dann der Arzt aufgesucht werden.

Sowohl die Reinigung wie die anschliessende Desinfektion von tiefen Stich- oder Bisswunden sind ein heikles Unterfangen: Da sich die Haut nach dem Stich wieder schliesst, kann man die Wunde weder gründlich reinigen noch desinfizieren, was eine schwere Infektion – Stichwort: Tetanus – nach sich ziehen kann. Deshalb gehören auch Bisswunden in die Hände des Arztes.

Mit einem Biss, egal ob von Mensch oder Tier, gelangt eine Unzahl von Bakterien und anderer Keimen in die Wunde. Grundsätzlich sollten jede Wunde und das umliegende Gewebe ständig auf eine beginnende Infektion hin kontrolliert werden.

Sollte eine ideale Ausrüstung für eine Wundreinigung nicht verfügbar sein, kann die Wunde im Notfall mit Wasser oder einer anderen trinkbaren Flüssigkeit gereinigt werden. Anders als bei der Reinigung mit einer physiologischen Kochsalzlösung entfällt dabei allerdings der unterstützende Effekt beim Ausschwemmen. Zudem wird beim Reinigen der Wunde mit Wasser oft mit einem starken Strahl hantiert, was kleine Fremdkörper noch mehr ins Gewebe drücken kann. Auf alle Fälle sollte die Wunde möglichst schnell behandelt werden, auf alle Fälle innerhalb von sechs Stunden. Übrigens: Es gibt fixfertige, einzelverpackte Wundreinigungstücher zu kaufen, die speziell für unterwegs geeignet sind.

 

2. Schritt: Desinfektion

Nach der Reinigung folgt die Desinfektion. Hier geht es darum, die entzündungsfördernden Keime aus der Wunde zu entfernen respektive abzutöten. Das stärkste Mittel wird eine «gepufferte» Jod-Tinktur sein. Sie bringt jedoch beträchtliche Nachteile mit sich wie starke Verfärbung, Brennen oder die Empfindlichkeit von Jod-Allergikern – auch wenn aus einer gepufferten Lösung nicht schnell Jod freigesetzt wird wie aus einer Jodtinktur aus Grossvaters Zeiten.

Für den Hausgebrauch wird meistens eine Chlorhexidin-Lösung erfolgreich eingesetzt. Sie färbt nicht, brennt nicht mehr als Wasser und hat ein geringes Allergiepotenzial.

Wird ein Desinfektionsmittel in Form eines Spray verwendet, kann es gezielter auf die Wunde aufgebracht und auch dosiert werden. Wichtig: Beim Desinfizieren müssen auch die Wundränder behandelt werden.

3. Schritt: Wundversorgung (Abdeckung)
Bei der Wundversorgung bestimmt wiederum die Art der Wunde, wie sie behandelt wird. Grundsätzlich gilt: Wenn eine Wunde mit neuem Gewebe gefüllt werden muss, geschieht das besser und mit weniger Narbenbildung, wenn die Haut in eine feuchte Umgebung hinein gebildet werden kann, anstatt dass sie zuerst hartes Gewebe (Kruste) wegschieben muss. Deshalb sollte auch zu Hause die feuchte Wundversorgung bevorzugt angewendet werden.

Weiter spielt es auch eine Rolle, wie sich die Wunde betreffend Absonderung präsentiert: Braucht es eine saugfähige Abdeckung oder nicht?

Hier eine grobe Übersicht:

Schnittwunden
Bei einer Schnittwunde wurde das Gewebe ohne Gewebsverlust getrennt (ausser ein Gewebestück, z.B. eine Fingerkuppe wurde gleich weggeschnitten). Hier ist es das Ziel, die getrennten Gewebeteile möglichst schnell wieder zusammenzuführen und zu fixieren. Bei der Selbstversorgung eignen sich Wundnahtstreifen (z.B. Omnistrip oder Steri-Strip) sehr gut; sie werden quer über die Wunde angebracht. Solche Streifen gehören in jede Hausapotheke. Schnitte, die länger als 2 cm sind, gehören in die Hände des Arztes.

Schürfwunden
Diese Wunden können längere Zeit nässen. Deshalb braucht es eine Abdeckung, die das Wund-Milieu feucht hält und gleichzeitig Wundsekret aufnehmen kann. Beides können Hydro-Kolloidpflaster. Man kann auch ein Wundheilgel auftragen und die Wunde mit einer nicht verklebenden beschichteten Gaze abdecken. Wunden, die tiefer als 0,5 cm sind, gehören in ärztliche Behandlung.

Blasen
Hier bewähren sich die speziellen Blasenpflaster hervorragend. Auch sie halten das Milieu feucht, was bei einer offenen Blase wichtig ist; ebenso polstern sie gleichzeitig etwas. Beim Auftragen des Pflasters sollte die Haut um die Blase trocken und fettfrei sein. Tipp: Das Pflaster erst wegnehmen, wenn es sich von selbst zu lösen beginnt.

Brandwunden
Je nach Schweregrad der Verbrennung gehören diese Wunden in ärztliche Behandlung. Konkret bedeutet das: Wenn eine Verbrennung grösser als die eigene Handfläche ist oder über ein Gelenk verläuft, dann könnten tiefere Gewebsschichten betroffen sein. Nach der Erstbehandlung (klassisch: die Verletzung 15 Minuten unter fliessendes kühles Wasser halten) mit einer Brandwundsalbe und bei kleineren Wunden mit einem Hydropflaster abdecken, das mit 60% Wassergehalt wunderbar kühlt und Feuchtigkeit spendet.

Quetschwunden
Das sind meist sehr schmerzhafte Wunden, die oft einen mühsameren Heilungsprozess zeigen. Es empfiehlt sich, mit kühlenden Bandagen oder Cold-Packs um die Wunde herum die Schmerzen zu lindern. Auch hier kann ein Hydropflaster nützlich sein. Wichtig: Bei offenen Quetschwunden auf die Sauberkeit achten.

Alle diese verschiedenen Pflastertypen können wir Ihnen in unserem Geschäft vorstellen und erklären.

4. Schritt: Die Nachbehandlung
Nach der akuten Phase und dem Wundverschluss folgt die Zeit der Wiederherstellung. Dieser Prozess kann mit guter Pflege unterstützt werden. Hier kommen die altbekannten Wundsalben zum Zuge, die bei der Gewebsbildung und -ausreifung helfen sollen. Die einen nutzen die Wirkung des Vitamin A, andere von Dexpanthenol, wiederum andere die Kraft von Pflanzen wie Ringelblume, Hamamelis oder Kamille. Diese Pflanzen können in Form von Waschungen schon vorher gute Dienste leisten.

Die Wundheilung kann von Beginn weg auch von innen her unterstützt werden. Mit Vitalstoffen kann ein erhöhter Bedarf an Vitamin B (Komplex), C, A, D, E, essenziellen Fettsäuren oder den Spurenelementen Zink und Mangan gedeckt werden.

Mit den passenden homöopathischen Mitteln werden die Heilungskräfte des Körpers aktiviert und unterstützt. Bei der Wahl des Mittels gilt es, die Art der Wunde und deren Begleiterscheinungen (z.B. Empfindlichkeiten, Verfärbungen, Heilungsverlauf usw.) zu beachten.

Spagyrik lässt ebenfalls die Lebenskraft vermehrt zur heilenden Kraft werden. Auch hier gilt es, die Essenzenwahl der Wunde anzupassen.

Schüssler-Salze helfen den Zellen bei ihrer Arbeit. Eine Kombination der Schüssler-Salze Nr. 1, Nr. 2 und Nr. 11 kann gute Dienste leisten. Bei Verbrennungen bieten sich auch die Nr. 8 und die Nr. 3 an. Bei der Wahl spielt es auch eine Rolle, ob die Wunde entzündet ist oder nicht.

Bei Bedarf empfehlen wir Ihnen gerne die für eine Person und ihre Wunde optimale Vorgehensweise und die dazu passenden Produkte. Damit eine Wunde möglichst keine Spuren hinterlässt, auf welcher Ebene auch immer.

In Kürze:
Jede Wundbehandlung sollte vier Schritte durchlaufen:
1. Reinigung
2. Desinfektion
3. Versorgung
4. Nachbehandlung
Zu jedem dieser Schritte können wir Ihnen clevere Helfer und ideale Lösungen zeigen. Ein Kernpunkt ist die feuchte Wundversorgung, die für eine schöne Abheilung sorgen kann; um sie richtig anzuwenden braucht es ein wenig Wissen und die passenden Abdeckungen.

In ärztliche Behandlung gehören Wunden, die:

  • nicht richtig gereinigt wurden,
  • in denen grössere Fremdkörper festsitzen (nicht entfernen),
  • die durch einen Biss verursacht wurden und
  • die tiefer als 0,5 cm oder länger als 2 cm (Schnitte) sind,
  • die Infektionszeichen aufweisen und
  • Verbrennungen, die grösser sind als die Handfläche oder über ein Gelenk verlaufen.

Text: Patrich Seiz