Gesundheit

 

Richtig versorgt heisst halb geheilt

Die natürliche Wundheilung ist schon fast ein kleines Wunderwerk. Damit diese optimal verläuft, ist eine richtige Versorgung der Wunde das A und O. Wie aber macht man das richtig und von welchen alten Hausmitteln und Tricks sollte man lieber die Finger lassen?


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Täglich hantieren wir mit Messer und Scheren, sind auf dem Fahrrad oder zu Fuss unterwegs und in solchen und ähnlichen Situationen der Gefahr ausgesetzt, uns zu verletzen. Schnittwunden, Schürfwunden, Verbrennungen, Blasen... Der Katalog an möglichen Wunden ist schier unerschöpflich. Ebenso zahlreich sind die Behandlungsmöglichkeiten. In den letzten Jahren hat man viele neue Erkenntnisse über den Verlauf der natürlichen Wundheilung und die korrekte Wundversorgung gewonnen. Im klinischen Bereich spricht man gar von Wundmanagement. Für die Versorgung kleinerer Wunden im Alltag braucht es nicht gleich ein ganzes Management, trotzdem gibt es einige Punkte, die Sie beachten sollten.

Wundreinigung
Bei jeder Verletzung tritt unweigerlich Schmutz wie zum Beispiel Staub, kleine Steinchen, Splitter etc. in die Wunde. Bleibt dieser in der Wunde, dient er als wunderbarer Bakterienherd. Die Wunde muss also als erstes gereinigt werden. Einen Teil der Reinigung übernimmt der Körper selber. Durch die Blutung wird ein Teil des Schmutzes nämlich einfach ausgeschwemmt. Lassen Sie die Wunde also ruhig einen Moment bluten. Dann folgt die Wundreinigung, die vor allem bei wenig blutenden Schürfwunden unabdingbar ist. Tragen Sie bei der gesamten Wundversorgung Gummihandschuhe. Sie verhindern damit, dass Dreck oder Bakterien von Ihren Händen in die Wunde gelangen.

Kochsalzlösung oder Wasser?

Für die Wundreinigung eignet sich am besten physiologische Kochsalzlösung. Damit tränkt man vorzugsweise eine Gaze und betupft die Wunde vorsichtig oder man spült die Wunde direkt mit der physiologischen Kochsalzlösung aus. Die Gaze nimmt die Schmutzpartikel auf und die Kochsalzlösung hilft dem Körper beim Ausschwemmen. Verwenden Sie keine Watte für die Wundreinigung. Fusseln und Fasern der Watte können die Wunde zusätzlich verunreinigen. Physiologische Kochsalzlösung gibt es in sterilen Ampullen, die sich auch bestens für die Reiseapotheke eignen. «Da kann ich doch auch Wasser nehmen», denken Sie jetzt vielleicht. Ja, können Sie. Unser Trinkwasser ist beinahe keimfrei und damit unbedenklich. Es hat aber nur den rein mechanischen Reinigungseffekt. Die Unterstützung der körpereigenen Wundreinigung fällt beim Wasser gänzlich weg. Ausserdem behindert die Kälte des Wassers die Wundheilung.

Desinfektion
Nach der Reinigung sollte die Wunde gründlich desinfiziert werden. Damit werden Keime abgetötet, die sich in der Wunde befinden und so die Entzündungsgefahr reduziert. Flüssige Desinfektionsmittel in Sprayform eignen sich am besten, weil die Wunde dabei nicht berührt werden muss.  Produkte mit Octenidin oder Chlorhexidin sind farblos und brennen nicht. Eine moderne Jod-Lösung ist zwar stärker in der Wirkung, bringt aber die Nachteile der Verfärbung, des Brennens und möglichen Unverträglichkeiten mit sich.
Eine einmalige Desinfektion reicht bei kleineren Wunden in der Regel aus, denn viele Desinfektionsmittel behindern bei längerem Gebrauch die Wundheilung.

Wunde abdecken
Ist die Wunde desinfiziert und gereinigt, soll sie mit einem geeigneten Verband oder Pflaster gegen weitere äussere Einflüsse geschützt werden. Die Auswahl an Verbandsmaterial ist riesig und Pflaster ist nicht gleich Pflaster. Es geht nämlich dabei nicht nur um den Schutz nach aussen, sondern viel mehr um den weiteren Heilungsverlauf. Die Art der Wunde bestimmt also über die Art der Abdeckung. Erfahren Sie mehr dazu im Verlauf des Artikels.

Schnittwunden

Bei Schnittwunden soll das getrennte Gewebe wieder so zusammengebracht werden, dass es wieder miteinander verwachsen kann. Bei kleineren Schnitten reicht dazu ein normales Pflaster, das die Wundränder zusammenhält. Grössere Schnitte können mit sogenannten Wundnahtstreifen versorgt werden. Damit wird auch die Narbenbildung reduziert. Die Handhabung ist nicht kompliziert, muss aber korrekt erfolgen, damit die angestrebte Narbenreduktion auch erfolgreich ist.

Anwendung von Wundnahtstreifen
Vor der Verwendung müssen die Wundränder und die Wundumgebung trocken und fettfrei sein. Dazu reinigt man die Haut am besten mit einer Gaze, die mit etwas Medizinalalkohol befeuchtet wurde. Mit den Fingern werden die Wundränder zusammengeschoben und jeweils abwechselnd von links und rechts, quer zum Wundverlauf ein Wundnahtstreifen mit leichtem Zug aufgeklebt. Es ist darauf zu achten, dass die Wundränder nicht durch zu starken Zug Falten bilden. Verwenden Sie stets den ganzen Wundnahtstreifen und kürzen Sie diesen nur wenn unbedingt notwendig, denn die Zugkraft wird so besser über das Gewebe verteilt. Mit Pflaster klebt man nun einen «Sicherungsstreifen» über die Enden der Wundnahtstreifen parallel zum Wundverlauf.
Das Ganze wird mit einer sterilen, nicht klebenden Wundauflage und einem Verband geschützt. Den Verband sollten Sie täglich wechseln, die Wundnahtstreifen hingegen bleiben auf der Wunde, bis sich diese von selber lösen. Achten Sie darauf, dass die Wunde in den ersten Tagen nicht nass wird. Schnittwunden, die länger sind als 2cm, sollten Sie vom Arzt behandeln lassen.

Feuchte Wundheilung für Schürfwunden
Schürfwunden bedürfen für einen optimalen Heilungsverlauf einer ganz anderen Abdeckung. Hielt man früher die Wunden trocken und liess diese verschorfen, so verfolgt man heute das Prinzip der feuchten Wundheilung. Studien haben gezeigt, dass in feuchtem Wundmilieu die natürlichen Mechanismen der Geweberegeneration gefördert werden. Zusätzlich können in der feuchten Umgebung Nährstoffe, Botenstoffe und Immunzellen besser ins Wundgebiet gelangen und die komplexen Abläufe der Wundheilung optimal unterstützen.

Hydrokolloidpflaster und Wundheilgel
Um Schürfwunden vor dem Austrocknen zu schützen und somit die optimale feuchte Wundumgebung für die Heilung zu erhalten, wird die Verwendung von sogenannten Hydrokolloiden empfohlen. Es handelt dich dabei um spezielle Wundauflagen, die in der Lage sind, den Feuchtigkeitshaushalt der Wunde zu regulieren. Das heisst, sie lassen der Wunde im Bedarfsfall Feuchtigkeit zukommen, aber absorbieren auch ein Zuviel. Diese Wundauflagen sind bereits integriert in Pflastern erhältlich und erleichtern die Anwendung. Bei grösseren Abschürfungen empfiehlt sich die Verwendung von Hydrokolloiden in Gel-Form. Ein solches Wundheilgel wird nach der Reinigung und Desinfektion messerrückendick auf die Schürfwunde aufgetragen und die Wunde dann mit einer nicht klebenden Gazekompresse und einem entsprechenden Verband geschützt.

Brandwunden
Ob vom Bügeleisen, dem heissen Grill oder vom Spiel mit dem Feuer: Brandwunden müssen gekühlt werden. Andere Wunden werden durch zu starkes Kühlen im Heilungsverlauf gebremst. Bei Brandwunden hingegen verhindert das Kühlen unter fliessendem Wasser eine Ausbreitung der Wunde durch heisse Gewebeteile und es lindert den Schmerz. Das Wasser sollte kühl bis lauwarm, aber keinesfalls kalt sein. Auf Eis sollten Sie zum Kühlen gänzlich verzichten. Ist die Verbrennung grösser als die Handfläche des Betroffenen oder liegt sie über einem Gelenk, im Gesicht oder im Genitalbereich, ist ein Arzt aufzusuchen. Brandblasen in keinem Fall aufstechen. Kleinere Brandwunden werden nach dem Trockentupfen mit einem Brandwundenpflaster abgedeckt. Dieses gehört ebenfalls zu den Hydrokolloidpflastern, enthält aber mehr Feuchtigkeit und kühlt dadurch angenehm weiter. Anstelle der speziellen Pflaster eignen sich auch ein hydrokolloidales Wundheilgel und das Abdecken mit Kompressen und Verband.

Blasen

Blasen an den Füssen oder Händen, die durch Reibung des entsprechenden Hautareals entstanden sind, führen immer wieder zu Diskussionen über die richtige Behandlung. Geschlossene Blasen sollten keinesfalls aufgestochen oder mit einem Bindfaden durchzogen werden. Durch das Aufstechen können Keime in die Blase gelangen und zu einer Wundinfektion führen. Blasen deckt man mit speziellen Blasenpflastern grossflächig ab. Diese halten die Wunde feucht und schützen vor weiterer Reibung. Am besten klebt man die Blasenpflaster beim ersten Auftreten von Beschwerden auf die betroffene Stelle und wartet nicht zu bis eine Blase entstanden ist. Blasenpflaster bleiben solange auf der betroffenen Region, bis sie sich von selber ablösen.
Ist die Blase bereits aufgeplatzt, so muss die Wunde desinfiziert werden. Schneiden Sie die Blasenhaut nicht weg, diese dient als Schutz. Verwenden Sie auch in diesem Fall ein Blasenpflaster oder Wundheilgel und nicht wundverklebende Gazekompressen.

Sonnenschutz für die Wunde
Frische und frisch verheilte Wunden sollten nicht direktem Sonnenlicht ausgesetzt werden. Zum einen bremst die UV-Strahlung die Zellregeneration und zum anderen sind im Wundgebiet die körpereigenen Sonnenschutzmechanismen ausser Betrieb. Am besten schützen Sie betroffene Stellen durch entsprechende Kleidung oder Pflaster vor direkter Sonneneinstrahlung. Ist dies nicht möglich, muss der Schutz durch eine Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor und möglichst reizarmer Formulierung gewährleistet werden.

Nachbehandlung

Hat der Körper den Schaden weitgehend behoben und ist der Wundverschluss durch eine intakte Hautschicht abgeschlossen, ist die Wundheilung aber noch nicht vorbei. Im Wundgebiet werden nun provisorische Strukturen in ausgereiftes Gewebe umgewandelt. Eine Zeit der Regeneration beginnt. Diese Phase der Wundheilung kann mit der althergebrachten Wundsalbe bestens unterstützt werden. Vitamin A, Dexpanthenol oder Pflanzenextrakte wie Kamille, Ringelblume und Hamamelis unterstützen die Zellneubildung und Geweberegeneration und halten die Haut geschmeidig.

 Unterstützung von innen

Neben der richtigen Wundversorgung können die körpereigenen Heilungsmechanismen auch von innen unterstützt werden. Eine optimale Versorgung mit den Vitaminen A, C, E, den Vitaminen der B-Gruppe, Zink und Mangan ist für eine gute Wundheilung sehr wichtig. Als Grundmaterial zur Zellneubildung dient dem Körper Eiweiss. Insbesondere bei grösseren Wunden ist deshalb auf eine ausreichende Eiweissversorgung zu achten.

Arnika, Johanniskraut, Ringelblume und Wallwurz unterstützen die Wundheilung in Form von homöopathischen oder spagyrischen Zubereitungen. Die Schüsslersalze Nr. 1, 2 und 11 helfen bei der Geweberegeneration und die Nr. 3 und 8 mildern im Bedarfsfall entzündliche Vorgänge und regulieren den Feuchtigkeitsgrad. Welche homöopathischen oder spagyrischen Mittel bzw. welche Schüsslersalze im konkreten Fall anzuwenden sind, klären Sie am besten bei einem Beratungsgespräch in Ihrer Drogerie.

Mit welchen Wunden zum Arzt?

Bei dieser Frage ist einerseits Wissen und auf der anderen Seite gesunder Menschenverstand gefragt. Grosse oder tiefe Wunden (länger als 2cm, tiefer als 0,5 cm), Verbrennungen (grösser als die Handinnenfläche) sowie Wunden und Verbrennungen über Gelenken, im Gesicht oder Genitalbereich gehören auf alle Fälle in ärztliche Behandlung. Stich- und Bisswunden müssen vom Arzt gereinigt und versorgt werden. Dies ist sehr wichtig, weil von aussen nicht beurteilt werden kann, wie tief die Wunde wirklich ist. Ausserdem muss jede Stich- oder Bisswunde als infektiös betrachtet werden. Gegenstände (z.B. Nagel, Ast, Messer etc.), die in einer Wunde stecken, dürfen nicht selber entfernt werden. Decken Sie die Wunde einfach ab und suchen Sie unverzüglich einen Arzt auf. Sollten sich selbstversorgte Wunden entzünden, treten Eiterungen oder starke Schmerzen auf, so ist dringend eine ärztliche Nachsorge nötig, um eine ausgedehnte Infektion oder gar Blutvergiftung zu verhindern.

Fehler bei der Wundbehandlung

Exotische Tipps und Wundermittelchen, aber auch fehlerhafte Wundversorgung haben schon aus mancher harmlosen Wunde eine langwierige Baustelle gemacht. Auf eine frische Wunde, egal welcher Art, gehören weder Wundsalbe noch Wundpuder. Das Fett beziehungsweise der Puder verschliesst die Wunde und stört somit die Sauerstoffversorgung. In der körperwarmen Mischung aus Fett oder Puder und Wundsekret sowie dem Ausschluss von Sauerstoff, verbreiten sich Keime in Windeseile. Eine schwere Entzündung und eine komplett gestörte Wundheilung können die Folgen sein.

Eier, Butter, Quark und Mehl ... Nein, das ist nicht das Rezept für einen Kuchen, sondern soll auf die Verbrennung aufgestrichen oder gestreut werden. Finger weg von diesen Hausmitteln! Diese Tipps sind falsch und gefährlich. Eine beträchtliche Anzahl Keime kann dadurch in die Wunde gelangen und zu schweren Infektionen führen. Fette, Öle und Mehl wirken isolierend und die Hitze im Gewebe wird gestaut. Zudem ist das Entfernen von verklebtem Mehl aus einer Brandwunde sehr schmerzhaft.

Hilft Meerwasser?

Auch der Tipp vom Meerwasserbaden ist mit grosser Vorsicht zu geniessen. Meersalz hat zwar viele gute Eigenschaften, beim Schwimmen im Meer baden aber auch andere Gefahrenquellen für eine Wunde mit.
Das dauernde Aufquellen und Trocknen der Wunde stört die Heilungsabläufe empfindlich und die Bildung von unschönen Narben wird begünstigt. Die Verschmutzung der Meere, fein verteilter Sand im Wasser und Bakterien können sich in der Wunde festsetzen und eine Infektion hervorrufen. Gerade in den letzten Jahren wurde immer wieder vor einem speziellen Meeresbewohner gewarnt. Das Bakterium Vibrio vulnificus wurde nicht nur an exotischen Stränden, sondern auch an der Ostsee entdeckt. Als Eintrittspforte in den Körper reichen bereits kleine Abschürfungen. Der Schaden aber, den Vibrio vulnificus anrichten kann, ist weit grösser. Schwere Infektionen, Zerstörung von Gewebe und eine Blutvergiftung können die Folgen sein.

Informieren Sie sich im Zweifelsfall vor der Abreise über die Wasserqualität Ihrer gewählten Destination und verwenden Sie spezielle Folienverbände. Für stundenlanges Planschen eignen sie sich zwar nicht, aber den kurzen  kühlenden Sprung ins frische Nass machen sie möglich.

 

Checkliste Wundbehandlung
Eine gut ausgerüstete Hausapotheke ist oft Retter in der Not. Gerade wenn es um die Wundbehandlung geht, kann mit dem richtigen Verbandszeug die Heilung deutlich begünstigt werden.


Was Sie zu Hause haben sollten:

  • physiologische Kochsalzlösung
  • Desinfektionsmittel
  • Einweghandschuhe
  • sterile, nicht klebende Kompressen
  • selbstklebende Gazebinde 
  • elastische Binde
  • Pflaster und Schnellverband
  • Hydrokolloidpflaster
  • Wundnahtstreifen
  • Schere, Pinzette
  • Cold-Hot-Pack

In Ihrer Drogerie finden Sie alles, was Sie für eine korrekte Wundbehandlung benötigen. Gerne erklären wir Ihnen die richtige Handhabung der einzelnen Produkte und beraten Sie bei der Zusammenstellung Ihrer Haus- und Reiseapotheke.

Text: Lukas Maron