Gesundheit

 

Schutz für die Venen hoch über den Wolken

Der Urlaub ist gebucht und bald geht es mit dem Flieger an den Traumstrand. Doch aufgepasst – vor allem lange Flüge können unsere Beinvenen stark belasten. Was können Sie dagegen tun und wie schützen Sie sich vor einer möglichen Reisethrombose?


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Endlich Ferien! Viele Menschen fahren während der Sommerzeit weg, um den Alltagsstress hinter sich zu lassen. Im Flugzeug sitzendie Passagiere dabei oft stundenlang an ihrem Platz. Je stärker sie die Beine anwinkeln, umso mehr wird dadurch der Blutrückfluss von den Füssen zum Herzen behindert. Hinzu kommt, dass der Körper leicht viel Flüssigkeit verliert, da die Luft in den Kabinen recht trocken ist. So kann es passieren, dass das Blut dickflüssiger wird und langsamer fliesst. Dies begünstigt
die Entstehung einer Reisethrombose, bei der das Blut in den Beinvenen zusammenklumpt und einen Pfropf bildet. Unter Umständen reisst sich dieses sogenannte Gerinnsel von der Gefässwand los und geht in den Adern auf Wanderschaft. Im schlimmsten Fall kann dies eine lebensgefährliche Lungenembolie auslösen, bei der es zu einer Gefässverstopfung in der Lunge kommt.

Schwachstelle Venen

Wie sehen die Symptome einer Reisethrombose aus? Oft werden in den Beinen Schmerzen wie beim Muskelkater wahrgenommen. Möglicherweise fühlt sich das Bein dabei warm an. Es kann ausserdem anschwellen und eine rötliche oder bläuliche Verfärbung aufweisen. Doch Vorsicht – diese Beschwerden können manchmal erst einige Tage nach der Reise auftreten. Grundsätzlich kann es alle Personen treffen, die über sechs bis acht Stunden unterwegs sind. Also können auch lange Auto- oder Bahnfahrten der Auslöser sein. Aber keine Panik – das absolute Risiko für eine symptomatische Reisethrombose ist bei Menschen ohne Vorbelastung sehr gering (ca. 1:5000). Ein erhöhtes Risiko besteht für Schwangere und für Frauen, die die Antibabypille oder Hormone gegen Wechseljahrbeschwerden einnehmen, vor allem wenn sie Raucherinnen sind. Weitere begünstigende Faktoren sind Krampfaderleiden, hohes Alter, schwere Herzerkrankungen, Gerinnungsstörungen und Übergewicht. Besonders stark gefährdet sind Leute mit einer vorangegangenen Thrombose, mit einem Gipsbein und nach einer frischen Operation. Ein prominentes Opfer ist übrigens der damalige US-Präsident Nixon, bei dem 1974 eine Reisethrombose in der Air Force 1 auftrat.

Vorbeugen ist die beste Medizin

Viel trinken ist das A und O. Dies schliesst jedoch Kaffee und alkoholische Getränke aus, denn sie haben eine entwässernde Wirkung. Besser geeignet sind gasfreie Mineralwasser oder Frucht- und Gemüsesäfte. Des Weiteren nehmen Menschen mit Flugangst gerne Schlafund Beruhigungsmittel, doch Ihren Venen zuliebe sollten Sie besser darauf verzichten. Denn wer schläft, ist passiv. Aber gerade regelmässige Bewegung ist eine wirkungsvolle Massnahme zum Vorbeugen. Stehen Sie dazu zwischendurch für einen kurzen Rundgang auf oder machen Sie etwas Beingymnastik im Sitzen. Einige Fluggesellschaften bieten hierzu spezielle Anleitungen an. Diese werden über die Monitore abgespielt oder zum Teil sind die Plätze sogar mit Trainingsgeräten wie etwa Tretluft-Fusskissen ausgestattet. Daneben ist das Tragen von Stützstrümpfen auf jeden Fall sehr effektiv. Sie üben einen kontrollierten Druck aus, weshalb die Venen das Blut leichter aus den Beinen in Richtung Herz befördern können.

Allheilmittel Aspirin?

Stimmt es, dass Aspirin Reisethrombosen abwenden kann? Das beliebte Schmerzmittel
hat in der Tat eine blutverdünnende Wirkung. Schwach dosiert wird es deswegen von Ärzten zur Vorbeugung eines Herzinfarkts verschrieben. Daneben hat eine klinische Studie untersucht, ob Aspirin eine Reisethrombose verhindern kann. Es konnte dabei allerdings nur ein mässiger Effekt beobachtet werden. Warum ist das so? Es ist ein Unterschied, ob sich ein Pfropf in den Arterien (sie transportieren das Blut vom Herzen weg) oder in den Venen (sie transportieren das Blut zum Herzen hin) bildet. Bei der Entstehung von Gerinnseln in den Arterien sind Blutplättchen beteiligt, deren Zusammenklumpen Aspirin verhindern kann. In den Venen hingegen bilden sich Thromben eher aus Fibrin und roten Blutkörperchen. Da kann Aspirin also nur wenig ausrichten. Ein anderer Ansatz ist die vorsorgliche Einnahme von Vitamin E, dem unter anderem gerinnungshemmende Eigenschaften zugeschrieben werden. Des Weiteren hilft blutverdünnendes Heparin in Spritzenform. Doch so starkes Geschütz benötigen in der Regel nur Personen mit einem sehr hohen Risiko. Mit unseren Tipps kommen Sie hoffentlich gut an Ihr Ziel. Gute Reise und erholsame Ferien!

 Zur Vorbeugung einer Reisethrombose


Trinken Sie mindestens einen Viertelliter Flüssigkeit pro Stunde.
■ Vitamin C und Kupfer unterstützen den Kampf gegen Krampfadern, indem sie die Venenklappen und -wände stärken. Daneben verbessert Vitamin E die Blutzirkulation in den Beinen.
■ Präparate mit Wirkstoffen aus der Rosskastanie helfen zwar nicht direkt bei einer Reisethrombose, doch sie verbessern allgemein die Venengesundheit. Bei Kapseln empfiehlt sich eine Einnahmedauer von drei Monaten.
Gels oder Cremes sorgen für kurzfristige Erleichterung und lassen sich so optimal mit den Kapseln kombinieren.
■ Es gibt spezielle Reisestützstrümpfe, die jedermann tragen kann. Bei einem erhöhten Thromboserisiko können sie individuell angepasst werden.
■ Schlagen Sie die Beine beim Sitzen nicht übereinander.
■ Massieren Sie regelmässig die Waden und wippen Sie mit den Zehen auf und ab. Das regt die Durchblutung an.

Text: Monika Lenzer