Gesundheit

 

Ungetrübter Badespass bei offenen Wunden?

Sommer, Sonne, Badezeit – viele Menschen geniessen bei hohen Temperaturen eine Abkühlung im erfrischenden Nass. Doch ist dies auch bei Hautverletzungen problemlos möglich oder müssen dabei spezielle Vorsichtsmassnahmen beachtet werden?


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Pflaster drauf und alles wieder gut – so verarzten viele Menschen kleinere Blessuren und nach dem ersten Schreck ist der Vorfall schnell vergessen. Doch wie sieht es mit grösseren oder genähten Wunden aus? Müssen während der Sommerzeit besondere Dinge berücksichtigt werden, wenn das Schwimmbad, der See oder das Meer locken?

 

Sonnenanbeter aufgepasst

Hautverletzungen benötigen viel Schutz und Pflege. Daher gilt: Frische Wunden wie etwa nach einer Operation dürfen mindestens sechs Monate lang keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden. Bei Kindern wird diese Empfehlung sogar auf zwölf bis 18 Monate ausgedehnt. Denn die empfindliche Haut ist sehr anfällig für einen Sonnenbrand und bleibende Narben oder dunkle Verfärbungen können entstehen. Am wirkungsvollsten ist sicherlich das Bedecken mit einem Kleidungsstück. Falls dies nicht praktikabel ist, kann auf blickdichte Pflaster oder Verbände zurückgegriffen werden. Bis zu einem gewissen Grad können Sonnencremes ab einem Lichtschutzfaktor 50+, bei mineralischen Filtern bereits ab einem Lichtschutzfaktor 25, ebenfalls Schutz bieten. Wichtig dabei ist, diese dick auf die zu schützende Hautpartie aufzutragen. Natürlich gelten diese Vorsichtsmassnahmen auch für das Solarium. Des Weiteren kann zu viel Wärme unangenehme Schwellungen hervorrufen, weswegen von einem Saunagang in den ersten sechs Wochen abgeraten wird.

 

Sport nur in Massen

Treiben Sie in den Ferien gerne Wassersport? Je nach Ort und Grösse der Wunde sollten Sie etwas zurückhaltend sein. Vor allem wenn sich die Naht auf einem Gelenk befindet, ist erst einmal Schonung angesagt. Denn eine ständige, starke Bewegung bekommt auch die Verletzung zu spüren. Sie kann  langsamer abheilen oder  durch die Beanspruchung nochmal aufreissen und es bildet sich leichter eine Narbe.

Wurde bei Ihnen der Blinddarm oder die Gallenblase entfernt? In solchen Fällen ist das Heben schwerer Lasten einige Wochen lang tabu. Meiden Sie körperliche Aktivitäten, die den Genesungsprozess verzögern können. Vielleicht ist dies die Gelegenheit ein neues Hobby auszuprobieren? Wie wäre es mit Kanufahren anstelle von Surfen bei einer Blessur am Knie?

 

Infektionserreger auf Distanz halten

Wie sieht es mit einem Sprung ins kühle Nass aus? In der Schweiz werden die Bäder vom Kantonschemiker regelmässig überprüft. Dabei wird unter anderem die Keimbelastung untersucht. In der Regel werden die geforderten Normen eingehalten und gesunde Menschen haben nichts zu befürchten. Natürliche Gewässer werden ebenfalls von Zeit zu Zeit kontrolliert. Zwar sind die Werte nicht überall hervorragend, doch es gab in den letzten Jahren kaum einen See oder Fluss, wo vom Baden abgeraten werden musste. Dies ist allerdings keine Garantie für sorgenfreies Planschen mit offenen Hautverletzungen. Diese müssen vor dem direkten Kontakt mit Wasser geschützt werden. Denn sie sind optimale Eintrittspforten für Mikroorganismen, die Wundinfektionen verursachen können.

 

Gefährliche Meeresbewohner

Informieren Sie sich am besten über die Wasserqualität, falls Sie einen Badeurlaub in einem anderen Land planen. Das deutsche Centrum für Reisemedizin (CRM) hat in der Vergangenheit wiederholt vor dem Bakterium Vibrio vulnificus gewarnt. Es liebt warmes Salzwasser und kann schwere Infektionen auslösen. Dadurch kann das Gewebe zerstört werden oder es ist sogar eine Blutvergiftung möglich. Bereits Hautabschürfungen können ausreichen, damit der Unruhestifter in den Körper gelangen kann. Auf den Erreger trifft man nicht nur in exotischen Ländern, sondern es wurden schon Fälle an der Ostsee gemeldet. Erkundigen Sie sich zudem über das Vorkommen gefährlicher Meerestiere wie Quallen oder Kegelschnecken. Am Strand oder beim Planschen im Ozean schützen Plastiksandalen oder Schwimmflossen vor Seeigelstacheln, scharfkantigen Muscheln oder Glasscherben.

 

Wieder sorgenfrei untertauchen

Es lauert nicht nur die Gefahr eines Infekts. Bei einem längeren Wasserkontakt von über zehn Minuten können Wunden oder frisch verheiltes Gewebe aufquellen. Unter Umständen bleiben dabei unschöne Narben zurück. Daneben können Chlor- und Salzwasser die empfindliche Stelle zusätzlich reizen. Doch keine Angst – Baderatten können sich schützen, indem sie spezielle wasserdichte Folienverbände verwenden, die es bei uns in der Drogerie zu kaufen gibt. Diese halten zwar nicht unbedingt stundenlanges Schwimmen aus, doch für eine kurze Abkühlung leisten sie gute Dienste. Ausserdem bieten viele dieser Produkte eine gewisse Sicherheit vor Keimen, falls sich eine Wunde noch nicht ganz geschlossen hat. Es gibt verschiedene Grössen und bei Bedarf können sie individuell zugeschnitten werden.

 

Heile, heile Segen

Es existieren verschiedene Möglichkeiten, den Heilungsprozess zu fördern. Äussert sinnvoll sind Kompressen, die mit der Wunde nicht verkleben. Denn dadurch wird sie nicht ständig beim Verbandwechsel aufgerissen. Des Weiteren sollte die verletzte Stelle desinfiziert werden, damit sie sich nicht entzündet und so länger zum Abheilen benötigen würde. Einige Produkte enthalten ausserdem pflegende Inhaltsstoffe wie Dexpanthenol oder Vitamin A, die die Zellneubildung und die Wiederherstellung der Hautschutzbarriere fördern. Homöopathische Globuli, Vitalstoffe und pflanzliche Extrakte können die Genesung von innen heraus unterstützen. Die modernste Methode ist die feuchte Wundbehandlung, bei der spezielle Verbände die Schorfbildung verhindern. Die Zellen können sich in der so geschaffenen, feuchten Umgebung ungestört regenerieren.

 

Narben ade

Unter Umständen bleiben Narben zurück, die in einzelnen Fällen die Beweglichkeit einschränken können. Doch häufig sind sie nur kosmetische Störenfriede, die jedoch kaum jemand im Bikini oder in der Badehose zur Schau stellen möchte. Frisch verheilte Wunden können daher vorbeugend mit fetthaltigen Salben gepflegt werden, damit das Gewebe geschmeidig bleibt und sich nicht verhärtet. Nachdem die Fäden gezogen wurden, können genähte Narben  zusätzlich mehrmals täglich in Längsrichtung sanft massiert werden. Hierzu gibt es auch spezielle Narbencremes, die Sie verwenden können. Daneben kommen andere Methoden wie beispielsweise Narbenpflaster zum Einsatz. Doch verlieren Sie nicht die Geduld. Der Spruch «Die Zeit heilt alle Wunden» ist durchaus zutreffend, denn oft dauert es eine ganze Weile, bis die Problemzone allmählich unauffälliger wird. In Ihrer Drogerie erhalten Sie auf Wunsch eine fachkundige Beratung zu diesem Thema.

Tipps

  • Achten Sie auf einen ausreichenden Schutz vor Tetanus.
  • Homöopathische Globuli mit Arnika oder Calendula helfen bei Wunden und Verletzungen und passen in jedes Gepäck.
  • Wie wäre es mit mehr Fisch oder Hülsenfrüchten auf Ihrem Speiseplan? Der Körper kann darin enthaltenes Eiweiss zum Aufbau des Bindegewebes nutzen.
  • Vitalstoffe wie Vitamin C und Zink fördern den Heilungsprozess.
  • Tragen Sie bei frisch verheilten Wunden stets eine kleine Tube mit Sonnencreme bei sich. Dann werden Sie vom guten Wetter nicht überrascht und können die empfindliche Stelle jederzeit vor starker UV-Strahlung schützen. Beachten Sie dabei, dass chemische Filter 20 Minuten benötigen, bis die vollständige Schutzwirkung erreicht ist. Mineralische Filter wirken hingegen sofort nach dem Auftragen.
  • Johannisöl eignet sich sehr gut zur Narbenpflege. Ebenfalls empfehlenswert sind Augencremen mit einem hohen Anteil an Vitamin A.
  • Decken Sie Wunden und Verletzungen mit geeigneten Pflastern und Verbänden ab und schützen Sie diese vor schädlicher Sonneneinstrahlung und Infektion.

Text: Monika Lenzer