Gesundheit

 

Verhütungsmethoden- die Qual der Wahl

Die Vielzahl an Verhütungsmethoden macht es einem nicht leicht, die Optimalste auszuwählen. Der Empfängnisschutz vor ungewollter Schwangerschaft soll möglichst sicher und ohne Nebenwirkungen sein.   


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Dank den modernen Methoden der Empfängnisverhütung ist heutzutage die Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft geringer geworden. Eine gewisse Unsicherheit vor möglichen Nebenwirkungen erhitzen die Gemüter immer wieder. Deshalb möchten wir an dieser Stelle die verschiedenen Verhütungsmethoden vorstellen.

 

 

 

Hormonell: Pille, Minipille, Dreimonatsspritze, Vaginalring, Verhütungspflaster, Hormonimplantat, Hormonspirale

Mechanisch: Kondom, Femidom, Diaphragma

Kupferspiralen, Kupferkette

Natürlich: Temperaturmethode Kalendermethode

Operativ: Sterilisation (Frau), Vasektomie (Mann)

 

Die hormonellen Verhütungsmethoden

Klare Vorteile der hormonellen Verhütungsmethoden sind, dass sie, bei einer sachgemässen Anwendung, sehr sicher sind. Zudem helfen sie einen unregelmässigen Zyklus zu regulieren und schmerzhafte, starke Blutungen zu lindern. Spontaner Sex ist bei konsequenter Anwendung jederzeit möglich. Da sie in den Hormonhaushalt eingreifen, sind Nebenwirkungen häufig: Gewichtszunahme, Kopfschmerzen, erhöhtes Thromboserisiko, verringerte Libido und einige mehr.

Die Pille enthält synthetische Sexualhormone, die in ihrer Wirkung den körpereigenen Östrogenen und Gestagenen (Follikel- und Gelbkörperhormone) ähnlich sind. Heute werden praktisch nur noch Mikropillen eingesetzt. Sie unterscheiden sich von früher verwendeten Präparaten durch eine deutlich verringerte Hormondosis.

 

Mittels der Pille wird der Eisprung unterdrückt und die Einnistung einer befruchteten Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut verhindert. Außerdem verändert sich die Konsistenz des Schleimpfropfs im Muttermund, so dass kaum Spermien in die Gebärmutter gelangen können. Bei den meisten Pillen erfolgt die Einnahme während 3 Wochen. In der einwöchigen Pause kommt es zur Menstruation. Eine pflichtbewusste Einnahme ist erforderlich. Eine vergessene Pille kann in der Regel bis zu 12 Stunden nach dem regulären Einnahmezeitpunkt eingenommen werden, ohne dass eine Beeinträchtigung der Wirkung zu erwarten ist. Bei Unklarheiten soll die Apothekerin oder Gynäkologin kontaktiert werden.

Die Minipille enthält gegenüber der «normalen» Pille nur gering dosiertes Gestagen und kein Östrogen. Frauen müssen sich bei diesem Verhütungsmittel an einen strengeren Zeitplan halten. So kann bei gewissen Minipillen eine vergessene Einnahme nur innerhalb von drei Stunden nachgeholt werden. Die Minipille wird ohne Unterbrechung eingenommen. Daher fällt die Menstruation schwächer aus und bleibt eventuell ganz weg.

Die Dreimonatsspritze enthält ebenfalls nur Gestagene. Der Vorteil: man muss nur alle 3 Monate an die Verhütung denken. Die hohen Hormonmengen werden jedoch oft schlecht vertragen. Noch länger wirkt das Hormonimplantat. Dieses kleine Kunststoffstäbchen, welches auf der Innenseite des Oberarms eingesetzt wird, wirkt bis zu drei Jahre.

Eine Alternative zur Pille bietet der Vaginalring, welcher in die Scheide eingeführt wird. Dort verbleibt er für drei Wochen. Nach einer Woche Pause wird der nächste Ring eingesetzt. Der Vaginalring kann für den Geschlechtsverkehr aus der Vagina entnommen werden, muss aber spätestens nach drei Stunden wieder eingeführt werden.                 

Das Hormonpflaster gibt Hormone über die Haut ab. Es wird wöchentlich gewechselt. Die Nachteile bleiben die gleichen wie bei allen hormonellen Verhütungsmitteln. Zudem kann es zu lokalen Hautreizungen kommen. Vaginalringe und Hormonpflaster sind für Frauen geeignet, welche nicht täglich an die Verhütung denken möchten.

Die mechanischen Verhütungsmittel

Sie funktionieren alle nach demselben Prinzip: Spermien werden durch eine Barriere aufgehalten, damit sie nicht in die Gebärmutter gelangen. Man setzt sie nur dann ein, wenn ein Geschlechtsverkehr stattfindet. Sie greifen nicht in den weiblichen Zyklus ein.

Das Kondom ist das Verhütungsmittel für den Mann. Es ist neben dem Femidom (siehe unten) das Einzige, das gegen Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten (z.B. HIV) schützt. Spontaner Sex ist mit einem Kondom nicht ohne Vorbereitung möglich.  

Das Femidom ist das Kondom für die Frau. Die Anwendung braucht etwas Übung.

Ein Diaphragma ist ein Verhütungsmittel für die Frau. Die Latexmembran wird mit Spermizid-Gel bestrichen und vor dem Muttermund gesetzt. Dort tötet das Spermizid die Spermien ab. Es ist leicht einsetzbar, muss nach dem Sex aber für mindestens 6 bis 8 Stunden getragen werden.

Verhütung mittels Spiralen, Kupferkette

Es gibt zwei Arten von Spiralen: die Kupfer- und die Hormonspirale. Beide sind T- oder hufeisenförmige Stücke aus Kunststoff. Die Hormonspirale wird von der Gynäkologin in die Gebärmutter eingelegt und setzt dort kontinuierlich minimale Hormonmengen frei. Sie schützt so während fünf Jahren vor einer Schwangerschaft. Die Kupferspirale wirkt zwischen drei und fünf Jahren. Sie ist mit Kupferdraht umwickelt, welcher geringe Mengen an Kupfer-Ionen freisetzt und so das empfängnisverhütende Resultat bewirkt.

Die Kupferkette ist eine Weiterentwicklung der Spirale. Sie hat den großen Vorteil, dass sie am Dach der Gebärmutter fixiert wird und sich so flexibel bewegen kann. Dadurch treten kaum Verletzungen oder Blutungen in der Gebärmutterschleimhaut auf, wie dies bei herkömmlichen Spiralen der Fall sein kann.                                           

Die natürliche Empfängnisverhütung

Mittels Temperaturmessung und/oder der Beurteilung der Konsistenz des Vaginalschleimes  werden die  fruchtbaren Tage definiert. Der große Vorteil dieser Methoden ist, dass sie nebenwirkungsfrei sind. Eine korrekte und konsequente Durchführung der Messungen hat einen direkten Einfluss auf die Sicherheit dieser Art von Schwangerschaftsverhütung. Sie eignen sich daher vor allem für Frauen mit regelmässigem Zyklus und gutem Körperbewusstsein.                                                    

Die operative Verhütung

Die Sterilisation ist ein operativer Eingriff. Bei der Frau werden die Eileiter verschlossen (Sterilisation), beim Mann werden die Samenleiter durchtrennt (Vasektomie). Dadurch kommt es zu einer dauerhaften Unfruchtbarkeit. Diese Art der Verhütung ist nur für Paare geeignet, deren Kinderwunsch bereits abgeschlossen ist.

Das es viele verschiedene Verhütungsmethoden gibt, lässt sich keine generelle Empfehlung abgeben. Dieser Entscheid ist sehr persönlich und individuell.  Lassen Sie sich von einer Fachperson beraten, um eine für Sie passende Lösung zu finden.

 

Text: Karin Sollberger in Zusammenarbeit mit Tiziana Gilli/ Fabienne Stuber