Gesundheit

 

Wasser, das oft unterschätzte Element

Wenn im Sommer Heerscharen von Freizeitsuchenden dem Wassersport frönen, ist nicht selten Gefahr in Verzug. Dabei kann, bei richtiger Einschätzung der Situation und unter Berücksichtigung der gängigen Regeln, der Aufenthalt am Wasser Balsam für Körper und Seele sein.


© Foxy_A - Fotolia.com

Der Sommer steht vor der Tür. Sich im Wasser tummeln, ob im Schwimmbad, im See oder an fliessenden Gewässern, ist für die meisten Menschen Erholung pur. Durch die Vielfalt der heutigen Trendsportarten gibt es mittlerweile fast für alle das geeignete Sportgerät. Die meisten aber bewegen sich immer noch am liebsten schwimmend im köstlichen Nass. In diesem Nass, dessen Gefahr so oft unterschätzt wird. Sowohl in fliessenden Gewässern wie auch im Schwimmbad gilt es, Regeln zu beachten. Dies betrifft ebenso die Hygiene. Riecht es nämlich im Schwimmbad stark nach Chlor, hat das nichts mit der Menge der Desinfektionsmittel zu tun. Sondern ist vielmehr ein Anhaltspunkt für Urin im Wasser. Oder das Nichtduschen vor dem Einstieg ins Schwimmbecken. Denn was viele nicht wissen; Chlor wird erst anrüchig, wenn es sich mit Keimen und Urin-Bestandteilen verbindet. Darüber hinaus können durch Badegäste, die duschen, Chemikalien und Frischwasser gespart werden. Dadurch werden Partikel von Sonnencremes und Schweiss abgewaschen, und es geraten weniger «Fremdstoffe» ins Wasser. Um die Zusammenhänge zu veranschaulichen, hat das Sportamt Zürich eine hypothetische Rechnung mit folgendem eindrücklichen Resultat gemacht: Zirka 23 000 Liter Wasser, was in etwa 115 Badewannen Frischwasser entspricht, könnten in den städtischen Bädern täglich gespart werden, wenn alle Gäste vor dem Schwimmen duschen würden.

Nie mit vollem Magen schwimmen.
Baderegeln muss man grundsätzlich beachten, denn tut man es nicht, kann es schnell lebensbedrohlich werden. Wer beispielsweise bei einem Gewitter schwimmt, schwebt in Lebensgefahr. Egal ob im Freibad, am See oder am Fluss. Ein Blitz sucht sich für den Einschlag immer den höchsten Punkt – und das ist im Wasser zweifelsohne der Kopf eines Schwimmers. Auch schwimmen mit vollem Magen- dies ist nicht, wie so oft behauptet wird, eine Mähr- kann böse enden. Im günstigsten Fall ruft dies Unwohlsein und Seitenstechen hervor, im schlimmsten Fall kann es zum Erbrechen und Kreislaufzusammenbruch kommen. Im Wasser kann das, wenn kein Helfer in der Nähe ist, den Tod durch Ertrinken bedeuten. Warum aber bedeutet ein voller Magen und Schwimmen Gefahr? Das hat damit zu tun, dass der Organismus während des Verdauungsvorganges mit dem Energie sammeln beschäftigt ist, und nicht sofort wieder Energie liefern kann. Gegen eine Frucht oder ein Joghurt bei leerem Magen ist dagegen nichts einzuwenden. Übrigens, auch  wer erhitzt ins Wasser springt, überfordert den Organismus.

Gefahren bei Wasserwalzen. (Wirbel)
Nirgendwo wird der Fun-Faktor der Freizeitsuchenden wohl so hoch bewertet wie am Fluss oder am See. Immer wieder unterschätzen die Menschen dabei die unterschiedlichsten Gefahren. Wie beispielsweise die Soggefahr bei schwimmen im unmittelbaren Bereichen vom Boots- und Schiffsverkehr. Zu beachten gibt es aber auch, vor allem bei begradigten Flüssen, die beträchtliche Fliessgeschwindigkeit des Wassers. Ob beim Schwimmen, beim River Rafting, bei einer einfacher Bootsfahrt oder dem Surfen im Fluss, oftmals ist bei Unfällen Leichtsinn im Spiel. So sollte etwa der Bereich von Wehren gemieden werden. Ist nämlich das Flusswasser in dieser Gegend aufgewühlt und stark mit Luft angereichert, trägt das Wasser nicht mehr. Man spricht dabei vom sogenannten «White water»-Effekt. Ferner bilden sich hinter solchen Anlagen meist heimtückische Wirbel, so genannte Wasserwalzen, mit einem starken Rücklauf zum herabstürzenden Wasser hin. Diese können nach starken regenfällen im Gebirge auch bei Niedrigwasser hanz plötzlich entstehen. Ist der Abfluss dabei aufgestaut, dann tritt ein rückgestauter Wechselsprung auf. Im schlimmsten Fall wird man dabei heruntergezogen, verliert die Orientierung, schlägt unter Umständen mit dem Kopf auf und verliert das Bewusstsein. Am besten taucht man in einer solchen Situation nach unten ab und versucht sich am Boden abstossend, seitwärts, flussabwärts aus der Walze zu befreien. Kommt es, wo auch immer zu Unfällen, besteht die Erste Hilfe darin dass, sofern man zu zweit ist, Hilfe holt. Sonst hat die Wiederbelebung Vorrang. Das heisst: Atmung kontrollieren, den Kopf bergab lagern, sodass das Wasser abfliessen kann. Bei fehlender Atemtätigkeit hilft Mund-zu-Mund-(Nase)-Beatmung. Herzmassagen müssen durchgeführt werden, sofern keine Herzaktivität mehr zu finden ist. Bei Verdacht auf Restwasser auf der Lunge (s. Interview S. 3) – dieses kommt nie spontan raus, wie in Filmen oft suggeriert wird – muss der Patient wegen der Gefahr einer lebensbedrohenden Lungenentzündung hospitalisiert werden.

In Kürze.

Bei Beachten der einfachsten Regeln kann der Aufenthalt am Wasser ungetrübte Freude bereiten.

  • Niemals alkoholisiert schwimmen gehen
  • Nicht in unbekannte Gewässer springen
  • Nicht mit vollem Magen schwimmen
  • Die eigenen Kräfte nicht überschätzen
  • Die Kälte des Wassers und die Strömung beachten
  • Niemals im Bereich von Wehren schwimmen
  • Gefahr durch Boots- und Schiffsverkehr beachten
  • Örtliche Badeverbote beachten
  • Bei Gewitter nie ins Wasser gehen
  • Sich über spezielle Gefahren vor Ort informieren

Text: Lilo Lévy