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Tibetische Arzneimittel - Made in Switzerland

Die Produktionsstätte offenbart sich erst auf den zweiten Blick. Hier, umgeben von Wohnhäusern inmitten eines beschaulichen Wohnquartiers im zürcherischen Wetzikon, stellt ein Schweizer Unternehmen Arzneimittel aus Pflanzen nach tibetischen ­Rezepturen her.

Dr. Herbert Schwabl ist ein Mann der Tat. «Ein waschechter KMUler», wie er sich gerne bezeichnet, gewohnt, selber mit anzupacken, wo es gerade nötig ist und ein liebenswürdiger Patron fast schon alter Schule. Der in Wien promovierte Physiker besitzt und leitet als CEO und Entwicklungsleiter in Personalunion die Padma AG, seit er vor genau 20 Jahren zusammen mit seiner Frau die Firma vom Schweizer Gründer Karl Lutz übernahm. Dieser hatte bereits 1969 das Unternehmen aufgrund seiner Begeisterung für die tibetische Medizin gegründet und als Erster weltweit damit begonnen, tibetische Arzneimittel und Nahrungsergänzungspräparate nach westlichen pharmazeutischen Standards zu produzieren. Die Begeisterung ist bis heute die gleiche geblieben, die Produktionsprozesse aber sind um einiges moderner und ausgeklügelter geworden.

Bis zu 400 Kontrollen

Übers Lager, wo bis zu 30 Tonnen Produktionsmaterial für die Weiterverarbeitung bereitstehen, gelangt man als Besucher in die so genannte «weisse Zone», aber erst, wenn der weisse Überzug und die Kopfbedeckung gut sitzen und die Schuhe von einer Plastikfolie überzogen sind. Drinnen, mitten in der Produktion, durchdringt eine trockene, filtrierte und würzige Luft die Atemwege. Das ist nicht unangenehm, der Geruch erinnert an Nelken und an eine geheimnisvolle Mischung orientalischer Essenzen. Kein Wunder, denn hier, mitten in Wetzikon, werden Dutzende von Kräuter- und Pflanzenmischungen fein säuberlich für die Produktion der verschiedenen Präparate aufbereitet. Diese Heilsubstanzen stammen zum grossen Teil aus dem Fernen Osten. Doch Padma lässt auch in der Schweiz anbauen: Eine Anbauvereinigung mit rund 50 Bauernbetrieben liefert seit 25 Jahren Akelei und Goldfingerkraut. Eine Mischanlage mit einer Kapazität von 700 Kilogramm bringt je nach Rezeptur das zusammen, was zusammen­gehört. Und eine gänzlich automatisierte Kapselanlage (Kapazität: 2520 Kapseln pro Minute) dosiert auf das Milligramm genau die programmierten Dosen. Padma stellt heute zehn komplexe Präparate auf der Grundlage jahrhundertealter tibetischer Rezepturen her, das sind jährlich an die 80 Millionen Kapseln. «Unsere Produktion ist streng nach dem in der Pharmabranche eta­blierten Qualitätsgütesiegel GMP organisiert und strukturiert», betont CEO Schwabl, der sehr viel Wert darauf legt, dass alle Regeln, die eine pharmazeutische Produktion nach sich zieht, von allen Mitarbeitenden minuziös und ausnahmslos eingehalten werden. Über 400 Kontrollen und Prüfungen sind im gesamten Produktionsprozess integriert. Erst dann verlassen die verpackten Medikamente die Fabrik auf ihrem Weg in die Drogerien und Apotheken.

Der menschliche Faktor

Als Pema Lhaning 1979 im Alter von 24 Jahren sein Heimatland Tibet in Richtung Schweiz verliess, arbeitete er vorerst jahrelang in der damals noch blühenden Glarner Textilbranche als Textilveredler. 1998 kehrte er beruflich sozusagen zu seinen tibetischen Wurzeln zurück. Heute ist er Verpackungsverantwortlicher in der Padma-Produktion und ein erfahrener Prüfer der Pflanzen- und Kräutermischungen. Lhanings Augen und Nase leisten unschätzbare organoleptische Arbeit, eine geruchliche und optische Analyse, ehe die bereits vom Labor geprüften Pflanzenpulver für die Weiterverarbeitung freigegeben werden. Im hauseigenen, modern eingerichteten Labor, in der Nähe des Wetzikoner Bahnhofs, beschäftigt die Padma AG fünf Mitarbeitende. Für CEO Schwabl ist das Zusammenspiel zwischen Labor und Produktion entscheidend: «Hier werden die verwendeten Pflanzen auf ihre Echtheit und die Mischungen auf ihre Konsistenz und Homogenität geprüft sowie die nötigen chemischen Analysen zur Produktesicherheit vorgenommen.» Der Aufwand, den eine pharmazeutische Produktion nach neuestem Standard erfordert, ist für ein KMU enorm und verlangt – nebst beträchtlichen Investitionen in den Maschinenpark – auch einiges an technischem und fachlichem Know-how. Ein Aufwand aber auch, welcher der Padma AG ein herausragendes internationales Renommee im komplementärmedizinischen Sektor als einzige westliche Produzentin von tibetischen Arzneimitteln nach pharmakologischen Standards gebracht hat.


Padma produziert auf moderne Weise Arzneimittel, die auf bewährter, traditioneller tibetischer Heilkunst basieren.

Komplementär im besten Sinne

Die tibetische Medizin hat eine jahrhundertealte Tradition. Erste schriftliche Überlieferungen stammen aus dem ?8. Jahrhundert. Im alten tibetischen Medizinbuch werden Hunderte von Rezepturen beschrieben, die in fernöstlicher Manier auf die Balance der Körperenergien zielen. In die esoterische Ecke möchte sich Herbert Schwabl aber auf keinen Fall drängen lassen. «Wir sind streng pharmazeutisch unterwegs, erachten unsere Produkte erst als tauglich, wenn die entsprechenden Wirkungen nachgewiesen worden sind. Wir produzieren auf moderne Weise Arzneimittel, die auf bewährter, traditioneller tibetischer Heilkunst basieren.» Es ist daher kaum verwunderlich, dass das Paradeprodukt Padma 28 als das weltweit am besten erforschte tibetische Arzneimittel gilt. Als Präsident des Schweizerischen Verbands für komplementärmedizinische Heilmittel SVKH setzt er sich für die Interessen der Hersteller und Vertriebsfirmen komplementärmedizinischer und pflanzlicher Produkte in der Schweiz ein. Sein politisches Engagement ist seit Jahren beträchtlich, auch weil er davon überzeugt ist, dass die komplementäre ­Medizin in der Schweiz gut etabliert ist und bei der Bevölkerung ein gutes Ansehen geniesst: «Die Anerkennung solcher Arzneimittel kommt eher über Drogisten und Apotheker, aber auch über die Patienten, die gegenüber Alternativen zur etablierten Schulmedizin zunehmend aufgeschlossen sind».

Moderne tibetische Medizin 

Die Padma AG mit Sitz in Hinwil (Hauptsitz, Administration) und Wetzikon (Produktion und Labor) stellt seit ihrer Gründung im Jahr 1969 natürliche Arzneimittel auf der Basis tibetischer Rezepturen her. Ihre Produkte Padma Lax (Abführmittel) ?und Padma 28 (bei Durchblutungsstörungen) stehen bei zahlreichen Drogerien und Apotheken im ­Sortiment. Das Unternehmen beschäftigt insgesamt 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ist in Europa und Übersee der einzige Betrieb, der tibetische Arzneimittel nach international gültigen pharmazeutischen Richtlinien produziert. Der tibetische Begriff ­Padma bedeutet in Sanskrit Lotusblume. Seit ­seiner Gründung spielt das Unternehmen konsequent eine Rolle als Brückenbauer zwischen der westlichen Naturwissenschaft und der traditionellen tibetischen Medizin. Letztere zählt zu den ältesten durchgehend eingesetzten Medizinpraktiken der Welt. In ihrem Bestreben, das Gleichgewicht der Kräfte im Körper zu balancieren, verfolgt die ­tibetische Medizin einen ganzheitlichen Ansatz mit Hilfe von natürlichen Heilpflanzen (weitere Informationen unter www.padma.ch).

Text: Angel Gonzalo, Bilder: Beat Brechbühl

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