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Vitamin D - Sonnenvitamin & Multitalent

Vitamin D wurde in der Forschung lange Zeit stiefmütterlich behandelt und vor allem zur Rachitis und Osteoporoseprophylaxe eingesetzt. Studien zeigen jedoch, dass Vitamin D ein wahres Multitalent ist und für die Gesundheit in jedem Lebensalter eine zentrale Rolle spielt.

In früherer Zeit schickte man Tuberkulosekranke zur Kur in die Berge. Ein längerer Aufenthalt an der Bergluft hat viele Menschen von der heimtückischen Krankheit befreit. Erst Jahrzehnte später fand die Forschung den wahren Grund des Heilerfolges. Die reine Bergluft mag vieles dazu beigetragen haben, der eigentliche Heiler aber war ein Stoffwechselprodukt von Vitamin D.

Vitamin D – Das Sonnenvitamin

Vitamin D kann unter bestimmten Voraussetzungen von unserem Körper selbst gebildet werden. Er benötigt dazu eine genügend lange Sonnenexposition und aus den eigenen Reihen eine Cholesterinvorstufe. Über komplizierte Stoffwechselprozesse entsteht so in der Haut Vitamin D. Die Bezeichnung Vitamin ist somit nicht ganz korrekt, da diese einen Stoff bezeichnet, der vom Körper nicht selbst aufgebaut werden kann. Eigentlich ist Vitamin D ein sogenanntes Prohormon und hat über den ganzen Körper verteilt vielfältige Funktionen. Praktisch jedes Organ reagiert auf Vitamin D und weist dementsprechend Vitamin-D-Andockstellen, sogenannte Rezeptoren, auf. Ist die Sonnenexposition genügend stark und das Strahlenspektrum reich an UVB-Strahlen bildet der Körper in kurzer Zeit 10‘000 bis 20‘000 internationale Einheiten (IU) Vitamin D, sofern auf Sonnencreme verzichtet wurde.  Dies entspricht einer mehr als fünfzigfachen Vitamin-D-Menge gegenüber der gegenwärtig empfohlenen Tagesdosis von 200 bis 500 IU. Der menschliche Körper müsste also nach kurzer Zeit Symptome für ein Zuviel an Vitamin D, eine sogenannte Hypervitaminose, zeigen. Damit das nicht passiert, hat die Natur einen Schutzmechanismus eingebaut. Vitamin D benötigt zwar Sonnenlicht, damit es überhaupt gebildet werden kann, ist aber selber nicht stabil gegenüber der Sonneneinstrahlung. So wird ein Teil des gebildeten Vitamins fortlaufend durch die UV-Strahlung wieder zerstört und der Vitamin-D-Spiegel auf einem gesunden Niveau gehalten.

Starke Knochen und feste Muskeln

Der menschliche Körper benötigt Vitamin D in erster Linie zur Aufnahme von Calcium aus dem Darm und dessen Einlagerung in Knochen und Zähne. Das Skelett wird gesund, stabil und stark erhalten. Eine grosse Anzahl der Hüftfrakturen und Stürze mit Knochenbrüchen bei älteren Menschen geht auf eine Unterversorgung mit Vitamin D zurück. Dadurch wird die natürliche Tragkraft und Stabilität des Skeletts drastisch reduziert. Auch das Nervensystem und die Muskulatur benötigen ausreichend Vitamin D für einen gesunden Aufbau und eine optimale Funktion. Weil durch ein optimal funktionierendes Nervensystem und starke Muskeln der Gang sicherer wird, verringert sich das Sturz- und Frakturrisiko ebenfalls. Die Kombination von Vitamin D und Kalzium zur Knochenbruchprophylaxe bewährt sich und Studien zeigen, dass eine Kalziumgabe ohne ergänzendes Vitamin D nur eine äusserst geringe Wirkung aufweist. 
Die Regulation von Zellneubildung, Zellreifung und programmiertem, lebenswichtigem Zelltod ist ebenso Vitamin D abhängig wie die Kontrolle von verschiedenen hormonalen Systemen. Aufgrund der beobachteten Einflüsse auf die Zellbildung sind zurzeit verschiedene Studien im Gange, die eine prophylaktische Wirkung von Vitamin D gegenüber verschiedener Krebserkrankungen untersuchen. 

Regulation des Immunsystems

In kleineren Studien konnte eine positive Beeinflussung des Blutdrucks beobachtet werden, was insgesamt die Entstehung von Folgeerkrankungen im Bereich Herz-Kreislauf vermindert. Ebenso wird das Risiko einer Infektion mit Viren oder Bakterien deutlich verringert. Jede Immunzelle weist nämlich an ihrer Oberfläche Rezeptoren für Vitamin D auf und benötigt dieses für eine gesunde Funktion. Vitamin D hat noch weitere regulative Eigenschaften. So wird es in den Zellen zur Steuerung von nahezu tausend Genen benötigt und reguliert deren Aktivität. 
Die winterliche Mangelversorgung hat aber nicht nur auf das Immunsystem nachteilige Einflüsse. Auch für die sogenannte saisonabhängige Depression, die durch Mangel an Sonnenlicht ausgelöst wird, werden positive Aspekte von Vitamin D diskutiert. Für eine abschliessende Beurteilung fehlen aber noch gross angelegte Studien.

Vitamin D gegen Entzündungen

Chronische Entzündungen zeigen unter einer optimalen Vitamin-D-Versorgung einen guten Verlauf.  Die Forschung hat herausgefunden, dass Immunzellen, die entzündungsfördernde Botenstoffe produzieren, bei einer optimalen Vitamin-D-Versorgung von konkurrierenden Immunzellen verdrängt werden. Diese bilden Botenstoffe, welche primär entzündungshemmende Eigenschaften haben. Auf die entzündungshemmenden und immunmodulatorischen Wirkungen von Vitamin D gehen die Heilungserfolge der Bergaufenthalte von Tuberkulosekranken zurück.
Viele Autoimmunerkrankungen wie z.B. Diabetes Typ1, Multiple Sklerose, Morbus Crohn u.a. können in Ihrer Entstehung von einer Vitamin-D-Unterversorgung begünstigt werden, so neueste Studienergebnisse. Auch der Verlauf solcher Autoimmunerkrankungen kann beeinflusst werden. Die bereits genannte entzündungshemmende Wirkung von Vitamin D und seine regulierenden Wirkaspekte auf das Immunsystem sind in diesem Bereich von grossem Interesse. Weitere positive Auswirkungen auf verschiedene Aspekte der Gesundheit sind Gegenstand von laufenden Studien.

Vitamin-D-Versorgung 

Breit angelegte Versorgungsstudien zeigen erschreckende Bilder. In unseren Breitengraden weisen über 50% der Bevölkerung eine Unterversorgung auf. Wie oben beschrieben ist der menschliche Körper zwar in der Lage Vitamin D zu bilden, die Sonneneinstrahlung in der Schweiz ist aber nur gerade von Mai bis September genügend stark und reich an UVB-Strahlung, um eine ausreichende Vitamin-D-Produktion zu gewährleisten. Dies weil im Winterhalbjahr der Einstrahlungswinkel zu flach ist. Eine ganzjährige natürliche Vitamin-D-Bildung über die Sonne ist nur südlich des 37. Breitengrades möglich (z.B. Zypern, Kreta, kanarische Inseln). Zusätzlich kommt uns unsere moderne Lebensweise in die Quere. Wir leiden schon fast epidemisch an Sonnenlichtmangel, weil wir uns kaum noch im Freien aufhalten. Die Arbeit findet bei den meisten in geschlossenen Räumen statt, wir fahren mit dem Auto zur Arbeit und sind wir trotzdem mal im Freien, so reduziert der Einsatz von Sonnenschutzmitteln die körpereigene Produktion von Vitamin D zu einem grossen Teil. Bei älteren Menschen ist die hauteigene Synthese natürlicherweise viermal geringer und auch eine ausreichende Zufuhr über die Nahrung ist äusserst schwierig. 

Sonnenschutz und Vitamin D

Wir alle wissen: Die Sonne ist gesund, aber auch gefährlich, weil die UV-Strahlung mitverantwortlich für die Entstehung von Hautkrebs ist. Deckende Kleidung und ein Sonnenschutz mit hochwirksamem Breitbandfilter werden bei jeglicher Sonnenexposition empfohlen. Selbst die meisten Tagescremen enthalten einen leichten Sonnenschutz. Die modernen Breitbandfilter filtern nahezu den gesamten UVB-Strahlenanteil des Sonnenlichtes aus. Die Haut ist zwar geschützt, dafür wird aber die Bildung von Vitamin D beeinträchtigt. Da stellt sich die Frage, was nun die bessere, gesündere oder natürlichere Variante ist, wenn man einen gesunden Vitamin-D-Spiegel halten will?
Die Haut einfach länger bzw. mehrfach ungeschützt der Sonne auszusetzen und so seinen Vitamin-D-Spiegel zu korrigieren, ist nicht die beste Lösung, denn mit jeder ungeschützten Sonnenexposition steigt das Risiko für Hauttumore. Um im Winterhalbjahr genügend Vitamin D zu bilden, müsste die Haut extrem lange der Sonne ausgesetzt werden. In der benötigten Zeit würde bei durchschnittlich hellhäutigen Europäern längst ein Sonnenbrand auftreten. Auch Solarien bieten keine Alternative. Auf der einen Seite begünstigen diese bei regelmässigem Besuch die Entstehung von Hautkrebs und auf der anderen Seite bestehen die UV-Strahlen im Solarium fast ausschliesslich aus dem Bereich der UVA-Wellenlänge. Neben der optimalen Sonnenbestrahlung ist die hauteigene Vitamin-D-Produktion auch abhängig vom Hauttyp, der Jahreszeit, von der geografischen Lage, vom Körpergewicht, vom Alter, von der Grösse der besonnten Hautfläche, sowie von Wetter und Umweltverschmutzung. Deshalb kann keine allgemeingültige Weisung für sicheres Sonnenbaden zur Vitamin-D-Bildung gegeben werden. Also lieber die Haut schützen und spätere Schäden vermeiden und dafür eine ergänzende Therapie mit einem Vitamin D-Präparat in Betracht ziehen.

Nahrungsergänzung oder Nahrung?

Rund 80% der benötigten Menge an Vitamin D kann der Körper unter optimalen Bedingungen selber bilden, der Rest sollte über die Nahrung aufgenommen werden. Mit einer gesunden, abwechslungsreichen Ernährung reich an Vollkorn, Gemüse und Obst sollte man eigentlich keine Nahrungsergänzungen benötigen. So lautet der allgemeine Tenor von Ernährungsberatern. Genügend Vitamin D über die Nahrung aufzunehmen gestaltet sich aber extrem schwierig, weil unsere Lebensweise die körpereigene Synthese ja nicht gerade begünstigt. Nur gerade fetter Fisch wie Lachs, Sardinen oder Aal enthalten relevante Mengen an Vitamin D. Wenig Vitamin D kommt auch in Leber, Eiern oder Pilzen vor. Gemüse enthält generell nur sehr geringe Mengen, und Früchte und Nüsse sind gänzlich Vitamin-D-frei. Um den Bedarf zu decken, müsste man täglich zwei Portionen Fisch oder fünf Eier verzehren. Gerade für Vegetarier oder Veganer ist es daher enorm schwierig über die Nahrung Vitamin D aufzunehmen. Auch ältere Menschen mit reduziertem Appetit, oft einseitiger Ernährung und weniger Aufenthalten an der Sonne sind davon betroffen. Selbst der normal essende Durchschnittsschweizer isst wohl kaum mehr als ein bis zwei Mal pro Woche Fisch, von fünf täglichen Eiern mal abgesehen. Die Ergänzung der täglichen Nahrung mit einem Vitamin-D-Präparat kann also durchaus Sinn machen. Eine Nahrungsergänzung mit Vitamin D ist sehr kostengünstig. Bei einer täglichen Dosis von 2000 IU würde eine Jahrestherapie durchschnittlich Fr. 75.00 kosten. Wenn man sieht, wie viele Erkrankungen erwiesenermassen oder vermutlich von einer Vitamin D-Unterversorgung abhängig sind bzw. mitverursacht werden, wird Vitamin D nicht nur zum persönlichen, sondern auch zu einem volkswirtschaftlichen Kostenfaktor. 

Vitamin D im Blutbild

Das durch die Sonne gebildete Vitamin D wird über weitere Stoffwechselprozesse in das sogenannte 25-OH-D umgewandelt. In dieser Form kann Vitamin D im Körper gespeichert werden. Um die eigentlichen Vitamin-D-Funktionen im Körper zu übernehmen, wird 25-OH-D in den Nieren weiter in seine aktive Form umgewandelt. Wenn im Blut der Vitamin-D-Wert bestimmt wird, wird einerseits der Spiegel des vorhandenen Vitamin D gemessen und andererseits auch das vorhandene 25-OH-D. 
Der 25-OH-D-Wert zeigt die körperliche Versorgung über die letzten drei bis vier Monate, während der reine Vitamin-D-Wert nur gerade die aktuelle Versorgung der vergangenen ein bis zwei Tage aufzeigt. Der Wert von 25-OH-D sollte zwischen 75 und 100 nmol (Nanomol) liegen. Für Studien und die allgemeine Beurteilung der Vitamin-D-Versorgung wird also der 25-OH-D-Wert als relevant betrachtet.

Wie viel Vitamin D braucht der Mensch?

Diese Frage wird in letzter Zeit sehr rege diskutiert und die Meinungen sind sehr unterschiedlich. Bei der Beurteilung ist es wichtig zu berücksichtigen, ob es sich bei den Empfehlungen um nahrungsergänzende oder therapeutische Dosierungen handelt. Die schweizerische Gesellschaft für Ernährung empfiehlt zurzeit eine tägliche Vitamin-D-Zufuhr von 5µg (Mikrogramm). Dies entspricht rund 200 IU. Für Säuglinge im ersten Lebensjahr werden täglich 400 IU empfohlen. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung hat kürzlich den empfohlenen Wert verdoppelt und empfiehlt nun täglich 400 IU für einen Erwachsenen. Aufgrund dieser Änderung hat nun eine Schweizer Expertengruppe im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit die Aufgabe, die aktuelle Vitamin-D-Versorgung bzw. die entsprechenden Empfehlungen neu zu beurteilen. Daraufhin wird gegebenenfalls auch in der Schweiz der Wert nach oben angepasst.
Therapeutische Dosierungen von Vitamin D gehen weit höher. Alleine um den oben erwähnten 25-OH-D-Wert auf dem gewünschten Niveau zwischen 75 und 100 nmol zu halten, müssen täglich zwischen 800 und 1000 IU Vitamin D eingenommen werden. Zur Osteoporose- und Sturzprophylaxe und für Schenkelhalsbruch-Patienten werden Dosierungen bis 2000 IU empfohlen. Die Dosierung sollte vor der ersten Einnahme unbedingt mit einer Fachperson besprochen und nicht auf eigene Faust erhöht werden. Die frühere Furcht vor Überdosierung ist bei Vitamin D fast gänzlich unbegründet. Dosierungen bis 4000 IU täglich gelten heute als sicher.
Weil der menschliche Körper Vitamin D speichern kann, ist es auch möglich einmal wöchentlich oder einmal monatlich die gesamte Dosierung für den entsprechenden Zeitraum einzunehmen. Dies ist vor allem für Patienten, welche noch andere Medikamente regelmässig einnehmen müssen, eine grosse Erleichterung und erhöht die Therapietreue wesentlich.

Ölige oder alkoholische Tropfen?

Der Vitamin-D-Gehalt in öligen Präparaten ist pro Tropfen grösser als in alkoholischen Zubereitungen. Ausserdem sind ölige Tropfen geschmacklich neutraler und angenehmer. Die in der Schweiz erhältlichen öligen Präparate verwenden als Grundlage eine nicht allergene Mischung aus Ölen der Kokosnuss und der Ölpalme. In ausländischen Präparaten wird auch Erdnussöl verwendet, was für Allergiker bzw. Kleinkinder mit allergischer Disposition zu vermeiden ist. 
Vor allem für die Anwendung bei Säuglingen wird immer wieder die Anwendung alkoholfreier Präparate empfohlen. Eine normale Säuglingsdosis aber enthält weniger Alkohol, als eine reife Banane. Kein Grund also, um sich Sorgen zu machen, falls Sie bisher alkoholische Vitamin-D-Tropfen verwendet haben.

In Kürze

Gesund mit Vitamin D
Lange Zeit stiefmütterlich behandelt, erlebt Vitamin D in der Forschung ein Revival. Studien zeigen nicht nur positiven Auswirkungen auf die Knochengesundheit, sondern auch entzündungshemmende Eigenschaften, schützende Mechanismen im Bereich der Autoimmun- und Krebserkrankungen und positive Beeinflussungen des Immunsystems. Die Versorgung ist aber weitgehend schlecht. Über die Nahrung lässt sich Vitamin D nur bedingt ergänzen und eine vermehrte Sonnenexposition, um die körpereigene Bildung anzukurbeln, eignet sich wegen des erhöhten Hauttumorrisikos nicht. Die kostengünstige, gesunde Alternative sind Vitamin-D-Präparate. Halten Sie damit Ihre Grundversorgung aufrecht und bleiben Sie gesund.

Text: Lukas Maron​, Bilder: Beat Brechbühl

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