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Zecken – winzig, aber sehr gefährlich

Zecken sind vor allem in den wärmeren Monaten aktiv. Sie übertragen Erreger, die unangenehme Krankheiten wie die Lyme-Borreliose verursachen können. Nach einem Zeckenstich reduziert das richtige Verhalten das Risiko einer Infektion.
Ein halbes Jahr lang fühlte sich Claudia ständig müde und ihre Knie waren geschwollen und schmerzten. Nach einer Blutuntersuchung erfuhr sie, dass sie an Lyme-Borreliose erkrankt war. Sie hielt sich zwar viel in der Natur auf, erinnerte sich aber nicht an einen Zeckenstich. Der Gemeine Holzbock
So wie auf Claudia übertragen im Jahr laut Zeckenspezialist Dr. med. Norbert Satz (siehe auch Interview) 3000 bis 5000 Mal Zecken Krankheitserreger auf Menschen, die zu Lyme-Borreliose führen. Zecken sind winzige Spinnentiere und gehören zur Unterfamilie der Milben. In Europa ist vor allem der Gemeine Holzbock für die Übertragung von Krankheiten verantwortlich. Er kommt in gemässigten Zonen bis in Höhen von 1000 Metern vor. Diese Zeckenart bevorzugt feuchtwarme Standorte mit hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturen über 8 Grad Celsius. Entsprechend ideale Bedingungen ergeben sich für die Zecken bei uns im Frühling, Herbst und in den warmen, aber nicht heissen Sommermonaten.   Beliebte Lebensräume
Zecken leben vorzugsweise im Unterholz des Waldes mit Sträuchern, Büschen und Gräsern, auf Wiesen mit hohem Gras, an Lichtungen und Waldrändern. Die Zecke lässt sich auf potenzielle Wirte, also Tiere und Menschen, fallen und verankert sich nach ihrem Stich mit ihren Widerhaken in deren Haut. Beim Menschen stechen Zecken vor allem an versteckten Orten des Körpers, etwa hinter den Ohren oder in der Schamgegend. Infektionen
Der Gemeine Holzbock kann unterschiedliche Erreger übertragen, mehrheitlich handelt es sich um zwei: Am häufigsten wird das Bakterium Borrelia burgdorferi weitergegeben, das die Lyme-Borreliose auslösen kann, und seltener der Virus, Frühsommer-Meningoenzephalitis = FSME-Virus, der Frühsommer-Meningoenzephalitis (Hirnhautentzündung) verursachen kann. Informationen darüber, in welchen Gebieten der Schweiz Zecken welche Erregerarten in sich tragen, finden sich auf www.zecken.ch. Dieser Aspekt ist wichtig, um im Falle eines Stiches richtig zu handeln (siehe dazu auch Interview). Die korrekte Entfernung
Je länger der Saugakt einer Zecke dauert, desto grösser ist das Risiko der Übertragung von Krankheitserregern. Deshalb ist schnelles Handeln beim Entdecken einer Zecke wichtig. Zecken sollten nicht vorbehandelt werden, sondern am besten mit einer Zeckenzange hautnah gefasst und mit einem geraden Zug langsam herausgezogen werden (siehe Abbildung). Die Hauteinstichstelle sollte danach desinfiziert werden. Interview mit Dr. med. Norbert Satz, Zecken-Experte, Spezialarzt für Innere Medizin FMH mit eigener Praxis in Zürich, Autor des Buches: Zecken-Krankheiten, Hospitalis-Buchverlag Herr Dr. Satz, bei welchen Symptomen sollten Betroffene an einen Zeckenstich als mögliche Ursache denken?
Bei einem grösser werdenden, rötlichen Hautfleck muss ein Zeckenstich unbedingt in Betracht gezogen werden, auch wenn man sich nicht daran erinnert. Hat man eine Zecke am Körper entdeckt und entfernt und es treten Kopfschmerzen und Fieber oder erst nach ein bis zwei Wochen grippeähnliche Symptome auf, sind der Stich einer Zecke und die damit übertragenen Bakterien oder Viren Ursachen für die Beschwerden. Natürlich muss der Verdacht diagnostisch überprüft werden.   Wie sollte man sich verhalten, wenn beim Entfernen einer Zecke der Kopf stecken bleibt und wann wird der Gang zum Arzt notwendig?
Wichtig ist, dass der Körper der Zecke so schnell wie möglich entfernt wird, da dann die gefährlichen Bakterien, die Borrelien, nicht mehr übertragen werden können. In der Regel löst sich der Stechapparat einer Zecke von selbst auf. Nach einem Zeckenstich muss man nicht zwangsläufig direkt zum Mediziner, aber man sollte die Einstichstelle beobachten und bei den genannten Symptomen einen Termin machen. Gegen die Lyme-Borreliose existiert keine Impfung, allerdings gegen die FSME, wem empfehlen Sie diese Impfung?
Allen, ausser betagten Menschen, die keinen Kontakt mehr zur Natur haben. Bei Senioren, die sich viel im Grünen aufhalten, ist die Impfung besonders wichtig, denn in diesem Alter verläuft die FSME besonders aggressiv. Wie wird die Lyme-Borreliose schulmedizinisch behandelt und was halten Sie von homöopathischen Mitteln?
Die Lyme-Borreliose wird durch Bakterien hervorgerufen, die mit Antibiotika behandelt werden müssen. Immunstärkend, also als Begleitung, halte ich homöopathische Mittel für sinnvoll. Allerdings sollte man auf keinen Fall zu Karde oder Katzenkralle greifen, da Mittel aus diesen Pflanzen das Wachstum von Borrelien fördern. Claudia wurde ambulant erfolgreich mit Antibiotika-Infusionen behandelt. Infobox: Tipps zum Schutz vor Zeckenstichen:
  • Enge, den ganzen Körper bedeckende helle Kleidung.
  • Die Beine, die Arme und den Nacken mit einem Zeckenspray aus der Drogerie einsprayen.
  • Die offiziellen Wege nicht verlassen.
  • Kontakt zu Wildtieren meiden.
  • Haustiere kontrollieren.
  • Den Körper regelmässig gründlich absuchen, abduschen und mit einem Frotteetuch abrubbeln.
Text: Ariane Kroll
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