Kinder

 

Wenn das Kind unruhig ist

Unruhige Kinder gibt es in allen Altersstufen. Unruhe kann ein Merkmal des Charakters sein. Oft zeigt sie jedoch einen äusseren Störfaktor an. Hier gilt es, achtsam zu sein.


© Beat Brechbühl

Babys können nicht beschreiben was sie stört bzw. was ihnen weh tut. Deshalb zeigen sie es mit stillem Quengeln oder schreien ihr Unwohlsein laut in die Welt hinaus. Normalerweise bedeutet Unzufriedenheit Hunger. Kommt diese Unzufriedenheit nach der Mahlzeit, könnte es noch mehr Hunger bedeuten oder auch Bauchschmerzen. Letztes deutet auf eine erschwerte Verdauung hin. In solchen Fällen helfen Tees von Fenchel, Kümmel und Koriander. Während der Stillphase kann die Mutter diese Tees trinken. Erhält das Baby einen Schoppen oder schon einen Brei, gibt es vielleicht ein leichter verdauliches Produkt. Erkundigen Sie sich in der Drogerie oder Apotheke. Oft ist es ratsam, den Schoppen oder Brei mit einem sehr dünnen Fencheltee zuzubereiten, um so die Verdauung anzuregen. Verwenden Sie unbedingt Teemischungen in Arzneimittel-Qualität, denn diese weisen einen deutlich höheren Wirkstoffanteil aus gegenüber Tees aus den Lebensmittelgeschäften. Daneben bieten sich auch Bäuchlein-Öle für eine sanfte Massage des Bauches an. Diese werden vor allem bei Tendenzen zur Verstopfung eingesetzt, was auch zu Unruhe führen kann. Wichtig dabei ist: Die Massagerichtung sollte immer im Uhrzeigersinn verlaufen! Der Stuhl mit seiner Häufigkeit, Farbe und Konsistenz kann Aufschluss über Probleme im Darmbereich geben. Vor allem, wenn verstärkte Unruhe mit einem veränderten Stuhl einhergehen.

 

WENN DAS ZAHNEN PLAGT

Verstärkte Unruhe, wundmachenden Stuhl oder Urin sowie auffällig viel Speichelfluss sind deutliche Anzeichen des Zahnens. Je nach Kind werden diese Symptome vielleicht noch mit Hautauschlägen oder kurzen Fiebern begleitet. Neben (kühlenden) Beissringen helfen in diesen Phasen schon oft homöopathische Mittel. Ein Parademittel ist die Kamille, die – homöopathisch eingesetzt –Zahnungsbeschwerden, Blähungskoliken, Säuglingskrämpfe aber auch Ungeduld, Gereiztheit und Aggressivität bekämpft. Für Zustände, die schnell und intensiv kommen (zum Beispiel Fieber), bieten sich der blaue Eisenhut und die Tollkirsche in homöopathischer Form an. Und nur in solcher, denn beide sind hochgiftige Pflanzen – erst durch die homöopathische Verarbeitung werden sie zu wirksamen, ungiftigen Heilmitteln. Der wilde Jasmin eignet sich dagegen eher für sich langsam entwickelnde, nicht allzu hohe Fieberschübe. Wer sich nicht mit dem gezielten Einsatz eines homöopathischen Mittels auseinandersetzen möchte, findet in der Omida Kinderlinie zwei Produkte. Das eine (Chamolin) in Zäpfchenform mit den aufgeführten Pflanzen drin. Das andere (Hypalin) als Tropfen auch mit Kamille aber daneben noch beispielsweise mit Passionsblume, Stephanskraut und Kalium phosphoricum (auch bekannt als Schüssler-Salz Nr. 5). Letzteres ist bei effektiver Unruhe, Gereiztheit oder Konzentrationsschwäche angezeigt. Fehlt ein geregelter Tag-Nachtrhythmus kann das bei Neugeborenen noch normal sein. Pendelt sich dieser aber nicht ein bzw. geht er wieder verloren, zum Beispiel durch einschneidende Erlebnisse oder Reisen, helfen spagyrische Essenzen von Gold am Morgen und Silber am Abend. Gold belebt, stellt die Sonne dar. Silber, Zeichen des Mondes, beruhigt und entfernt die Hitze aus dem Körper, auch bei Entzündungen. Diese Mittel wirken übrigens auch bei Erwachsenen. Guter Schlaf braucht Dunkelheit. Licht aktiviert unsere Zirbeldrüse und das wiederum hält uns und unsere Kinder wach. Ein Schlaflicht sollte deshalb sehr dezent sein.

 

KLEINKINDER

Im Kleinkinderalter kommen die ersten Gefühle der Angst, die durch die wachsende Vorstellungskraft noch intensiviert werden. Natürlich beruhigt ein Licht beim Einschlafen, wenn das Kind sieht, dass da nichts Angst einflössendes ist. Oft hilft ein Ritual vor dem zu Bett gehen, bei dem mit einem «schützenden» Raumspray dem Kind Sicherheit suggeriert wird. Das Ritual hilft an und für sich schon. Beinhaltet der Spray noch ätherische Öle, die beruhigend wirken, ist der Effekt doppelt. «Reinigende» Raumsprays finden Sie in der Drogerie oder Apotheke. Veränderte Situationen wie ein neues Geschwister oder ein bevorstehender Eintritt in den Kindergarten können Emotionen, Ängste und Unruhe auslösen. Solche Begebenheiten gilt es unaufgeregt, möglichst mit Freude und Normalität anzugehen. Um dem Kind Vertrauen und Geborgenheit zu vermitteln, bieten sich auch in solchen Momenten Massagen an. Dabei kann mit ätherischen Ölen ein beruhigendes Öl oder eine Salbe gemischt werden. Es ist lediglich zu beachten, dass diese Produkte nicht auf die Schleimhäute oder in die Augen gelangen. Vor einer grossflächigen Anwendung ist es ratsam, zuerst in der Ellenbeuge einen Verträglichkeits-Test zu vollziehen. «Natürlich»bedeutet nicht automatisch, dass eine Essenz gut verträglich ist. Bei Angstzuständen stellen auch Bachblütenmischungen starke Helfer dar. Dabei gibt es vorgemischte Produkte oder es kann eine Mischung individuell für das Kind (oder den Erwachsenen) zusammengestellt werden. Bei den Schüssler-Salzen kann bei Ängstlichkeit Calcium phosphoricum (Nr. 2) und bei innerer Unruhe Kalium phosphoricum (Nr. 4) kombiniert mit Magnesium phosphoricum (Nr. 7) sowie eventuell noch das Zusatzsalz Kalium bromatum (Nr. 14) eingesetzt werden[P2] . Gerade bei Verlustängsten oder Problemen mit dem Loslassen zeigt sich häufig, dass neben dem Kind auch auf die Eltern geachtet werden sollte. Viele Ängste werden durch Verhaltensmuster übertragen. Insbesondere Kleinkinder spüren die Ängste und Anspannungen der Eltern. So können diese auch übertragen werden. Deshalb lohnt es sich, wenn Eltern von unruhigen Kindern den Fokus auf sich richten. Kleinkinder sind wunderbare Spiegel ihrer Bezugspersonen und lassen uns viel lernen, wenn wir achtsam sind.

 

UNRUHIGE CHARAKTERE

Stellt die Unruhe einen Charakterzug dar, ist die passende Ernährung wichtig. Wer schnell «explodiert», gehört typologisch gesehen zu den Cholerikern und weist ein grosses Energiepotential auf. Die Ernährung kann noch zusätzlich Öl ins Feuer giessen, zum Beispiel mit leeren oder zu vielen Kohlenhydraten. Mit wasserhaltigen, eher säuerlichen Früchten sowie mit Gurken oder Melonen wird dieses Feuer eher gedämpft. Sollte das Explosive zu stark überhand nehmen, können bereits erwähnte homöopathische Mittel wie etwa die Kamille oder die Tollkirsche helfen. Unruhe hat viele Ursachen. Wer aufmerksam ist und diese erkennt, bringt Ruhe in die Kinder und in die Familie.

 

 

INTERVIEW

Karien Näpflin, Hebammen-Praxis Hebammeundmehr in Buchrain (LU)

Wir führten mit der ausgebildeten und langjährigen Hebamme Karien Näpflin ein kurzes Gespräch über unruhige Kinder. Naturgemäss dreht es sich dabei um Babys bis zum vierten oder sechsten Monat.

 

Frau Näpflin, gibt es Ihrer Ansicht nach mehr unruhige Kinder als früher?

Ich stelle eher fest, dass das Umfeld die Kinder unruhiger macht oder ein Kind heute schneller als unruhig eingestuft wird. Weinen und allenfalls auch schreiendes Weinen ist die einzige Möglichkeit des Babys den Eltern zu sagen: «Mir passt etwas nicht!». Wir Erwachsenen suchen dann immer gleich einen Grund oder gar eine Diagnose, um die Ursache zu bestimmen, auch wenn es nur momentane Themen sind. Auch wir Erwachsenen haben bessere und schlechtere Tage.

 

Was sind die häufigsten Ursachen?

Wie schon erwähnt, liegt eine Ursache oft im Umfeld und ja, da zählen auch die Eltern stark dazu. Selbstverständlich gibt es auch unruhige Babys, weil mit der Verdauung etwas nicht stimmt und/oder Bauchkrämpfe plagen. Es gilt also objektiv die möglichen Ursachen zu erkennen. Oft wird zu schnell von Koliken gesprochen. Babys mit Koliken schreien Tag und Nacht.

 

Was raten Sie den Eltern von unruhigen Kindern?

Viel Körpernähe. In den ersten vier Monaten gibt es bestimmt keine Überdosis, was Körpernähe zwischen Kind und Eltern angeht. Im Gegenteil, die jungen Menschen brauchen diese Nähe, um das Urvertrauen zu stärken oder gar zu entwickeln. Was auch für die Zukunft als erwachsener Mensch ganz wichtig sein wird. Deshalb spricht aus meiner Erfahrung nichts dagegen, ein weinendes Baby vermehrt zu den Eltern ins Bett zu nehmen. Wobei das nicht zur Gewohnheit werden sollte. Bei krampfenden Babys empfehle ich einerseits eine manuelle Behandlung (Osteopathie oder Baby-Shia-tsu) und anderseits Schüssler-Salz Nr. 7 eventuell kombiniert mit Nr. 2. Natürlich können sich die betroffenen Eltern auch in der Drogerie beraten lassen. Ganz wichtig ist auch die Ernährung. Stillt die Mutter noch, geht es darum, was sie isst. Bei Schoppen-Nahrung gilt es, diese zu hinterfragen.


Text: Patrick Seiz