Natur-Gesund

 

Durchfall

Sommerzeit ist Reisezeit. Wer in die Ferien fährt, holt in der Drogerie für seine Reiseapotheke ein Mittel gegen Durchfall. Obwohl in den Ferien eine Verstopfung viel häufiger auftritt, ist in unseren Köpfen Durchfall die Reisekrankheit schlechthin.


© Schlierner - Fotolia.com

Jährlich erkranken Milliarden Menschen an Durchfall. Bei uns in der westlichen Welt endet eine Durchfallerkrankung nur selten tödlich. In der dritten Welt sterben jedoch jährlich Millionen Menschen an dieser Krankheit. Besonders davon betroffen sind Kinder.

Was im Volksmund als Durchfall bezeichnet wird, heisst im Fachjargon Diarrhö. Das Wort stammt aus dem Griechischen und ist aus den beiden Wörtern „durch“ und „fliessen“ zusammengesetzt.

Wann hat man eigentlich Durchfall?
Als Faustregel gilt eine Stuhlfrequenz von mehr als drei Mal pro Tag, mit zu hohem Wasseranteil, als Durchfall. Bei jeder Person ist die Konsistenz des Stuhls unterschiedlich. Deshalb ist auch das Empfinden jedes Menschen betreffend der Grenze zwischen normalem Stuhlgang und Durchfall unterschiedlich.

Die Ursache
Neben Bakterien und Viren kann die Ursache auch eine Lebensmittelunverträglichkeit, eine Nebenwirkung von Medikamenten oder psychischer Natur sein. Chronischer Durchfall kann auch einen organischen Ursprung haben. Dabei wird oft die Nahrung nicht richtig verdaut und kann deshalb vom Darm  nicht aufgenommen werden.

Der Darm wird von Billionen Bakterien besiedelt. Die Gesamtheit aller Mikroorganismen im Darm bezeichnet man als Darmflora. Durch äussere Einflüsse kommt das Zusammenspiel der verschiedenen Bakterien aus dem Gleichgewicht. Die „bösen“ Mikroorganismen bekommen die Überhand. Ihre Ausscheidungen „reizen“ die Darmschleimhaut, welche dadurch Elektrolyten und Flüssigkeit abgibt. Durch das Wasser und die Salze wird die Stuhlmasse verflüssigt und der Durchfall entsteht.

Der  so entstehende Durchfall ist am weitesten  verbreitet. Andere Erreger dringen direkt in die Schleimhautzelle ein und zerstören diese.

Für Lebensmittelunverträglichkeiten gibt es verschieden Ursachen. Einerseits kann es durch die Vermehrung von Bakterien in verdorbenen Lebensmitteln zu Durchfall kommen. Eine weitere Ursache ist die Laktoseintoleranz, die Unverträglichkeit von Milchzucker. Die Laktoseintoleranz beruht auf dem Fehlen oder einem Mangel des Enzyms Laktase. Dies spaltet im Darm den Milchzucker auf. Fehlt die Laktase, so  spalten erst Bakterien im Dickdarm die Laktose. Beim Spaltprozess entstehen nebst  den Gasen Wasserstoff und Kohlendioxid, welche für die Blähungen verantwortlich sind, kurzkettige Fettsäuren. Sie wirken osmotisch. Das heisst, sie entziehen dem Körper Flüssigkeit.

Unter den Medikamenten die Durchfall auslösen sind Antibiotika sicher am bekanntesten. Nebst den krankheitserregenden Bakterien tötet ein Antibiotikum auch die „guten“ Bakterien ab.

Wahrscheinlich weiter verbreitet als angenommen,  ist der Missbrauch von Abführmitteln. Mit ihnen wird absichtlich Durchfall erzeugt. Das Ziel ist es, mit dem Durchfall die Passage der Lebensmittel durch den Darm zu beschleunigen und so das Gewicht zu reduzieren. Diese radikale Variante ist für den Körper sehr schädlich und gefährlich. Sie führt zur Schädigung der Darmschleimhaut und dem Verlust von Elektrolyten. Der stetige Elektrolytenverlust kann zu Problemen mit der Muskelkontraktion führen, die hin bis zu Herzrhythmusstörungen reichen.

Viele Menschen kennen Lampenfieber. Sie müssen vor einem speziellen Anlass auf die Toilette. In stärkeren Fällen kommt zum Urin auch Durchfall hinzu. Die Ursache liegt bei den Nerven. Sie lassen den Körper schneller verdauen. Dazu wird die Darmtätigkeit angeregt, sprich: der Darm bewegt sich schneller und die Nahrung bleibt zu kurz im Körper.

Eine schlechte Verdauung kann ebenfalls zu Durchfall führen. Diese „Malassimilation“ kann organische Gründe haben. Wird beispielsweise zu wenig Gallensaft produziert, können die Fette, die über die Nahrung zugeführt werden, nicht auf gespalten werden. Ohne „Zerkleinerung“ kann der Körper die Fette nicht aufnehmen. Sie bleiben im Darm und es entstehen so genannte Fettstühle. Fettstühle können ihre Ursache aber auch in Medikamenten haben. Zur Gewichtsreduktion werden Lipasehemmer eingesetzt. Sie reduzieren die Wirkung des fettspaltenden Enzyms Lipase. Wird die Nahrung nicht radikal umgestellt, entstehen als Nebenwirkung neben Bauchschmerzen auch unangenehme Fettstühle.

Eine weitere Ursache für Malassimilation kann Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) oder ein Reizdarm sein.

Die Behandlung
Im Zentrum bei der Behandlung einer Krankheit steht immer die Bekämpfung der Ursache.

Eine alleinige Behandlung mit Präparaten die die Darmmotilität (Darmbewegung) hemmen, ist wenig sinnvoll. Durchfall ist immer auch eine Abwehr- und Selbstheilungsreaktion des Körpers. Er versucht die Krankheit auslösenden Erreger möglichst schnell aus dem Körper zu schaffen. Wird die Darmperistaltik blockiert und so der Durchfall „abgestellt“, bleiben die Bakterien und Viren im Körper. Die Symptome werden zwar für den Moment gestoppt, aber sie kehren bei der Absetzung des Medikaments zurück.

Auf einer Reise ist die Einnahme eines Medikamentes zur Blockierung der Darmperistaltik zusammen mit einem Produkt zur Bekämpfung der Ursache sinnvoll.

Schlägt die klassische Behandlung des Durchfalls nicht an, können Salmonellen oder andere Bakterien den Darm befallen haben. Diese lassen sich beim Arzt feststellen und werden mit Antibiotika behandelt. Da Antibiotika die Darmflora in Mitleidenschaft ziehen, ist es sinnvoll, nach einer Antibiotikabehandlung die Darmflora mit einer Darmsanierung wieder aufzubauen.

Ein Klassiker, der sicher früher noch in jeder Hausapotheke zu finden war, ist Kohle. Aktivkohle hat eine Bindekraft für  giftige Stoffen. Beruht der Durchfall auf einer Vergiftung, ist Kohle eine gute Wahl. Ansonsten ist die Wirkung umstritten.

Heute  kommen zum grössten Teil Produkte auf Basis von Hefepilzen und Milchsäurebakterien (Lactobacillen) zum Einsatz.

Lactobacillen kommen in „toter“ oder „lebender“ Form in den Kapseln und Pulvern vor. Sie schützen die Darmschleimhaut und unterstützen die Regeneration der sauren Darmflora. Eine intakte Darmflora kann sich gut gegen die „Eindringlinge“ wehren. Lebende Lactobacillen, wie zum Beispiel Enterokokken, wirken sich hemmend auf das Wachstum der Krankheitserreger aus.

Hefepilze wirken wie die Lactobacillen antimikrobiell und stärken die körpereigene Abwehr. Die Hefe wirkt zusätzlich antitoxisch und entzündungshemmend.

Im Gegensatz zu den Lactobacillen können Hefepilze auch in Kombination mit Antibiotika eingenommen werden. Enterococcen werden durch Antibiotika abgetötet.

Flüssigkeits- und Elektrolytenverlust
Das Gefährliche am Durchfall ist der Verlust von Elektrolyten (Salzen) und Flüssigkeit. Ein zu grosser Verlust ist sehr gefährlich und kann tödlich enden. Kinder sind wegen ihrem geringen Körpergewicht gefährdeter als Erwachsene. Der Verlust von Elektrolyten und Flüssigkeit ist der Grund, wieso man bei einer Durchfallerkrankung geschwächt ist.

Die Zufuhr von mit Elektrolyten angereicherter Flüssigkeit ist ein sehr wichtiger Punkt.

Geeignet sind isotonische  Getränke. Diese lassen sich auch gut selber machen. 9g Salz auf 1 Liter Wasser. Optimaler sind Elektrolyten-Mischungen wie sie in Drogerie erhältlich sind. Sie enthalten eine ausgewogene Zusammenstellung aus verschiedenen Salzen und sind für die Rehydration gemacht.

Ein Klassiker ist der sogenannte WHO-Drink. Er ist eine Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation und ist einfach selber zu machen. 1 Liter abgekochtes Wasser. 2.6g Natriumchlorid (rund ¼ Teelöffel Kochsalz), 13.5g Glukose (Traubenzucker oder 2 Esslöffel Honig), 2.9g Natriumcitrat (rund ¼ Teelöffel Backpulver) und 1.5g Kaliumchlorid (rund 1dl Orangensaft)

Nicht zu empfehlen sind Colagetränke und Salzgebäcke. Colagetränke haben einen viel zu hohen Zuckergehalt. Dieser kann das Gegenteilige bewirken und den Durchfall verstärken.

Ein guter Zusatztipp sind Feuchttüchlein mit Hamamelis. Sie beruhigen die entzündeten Schleimhäute am After, welcher durch die häufigen Stuhlabgänge gereizt ist und schmerzt.

Vorbeugen
„Cook it, peel it or forget it“ – Mit dieser einfachen Regel lässt sich besonders beim Reisen in südlichen Ländern viel Ärger ersparen. Empfohlen wird nichts zu essen, das nicht gekocht oder geschält ist. Getränke sollten nie offen gekauft werden. Nur in geschlossenen  Flaschen. Oft sind in südlichen Ländern Lebensmittel und Wasser verunreinigt. Vorsicht ist auch bei Eiswürfeln geboten. Sie werden oft aus verunreinigtem Wasser hergestellt.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Hygiene und Achtsamkeit verhindern meistens die Durchfallerkrankungen.

Hat der Durchfall seine Ursache in einer organischen Fehlfunktion oder der Unverträglichkeit eines Lebensmittels, lässt sich mit einer Diät sehr gut vorbeugen.

Text: Christian Meister