Natur-Gesund

 

Ein Leben für die Bachblüten-Therapie

Das Übel an der Wurzel packen – das will die Bachblüten-Therapie und setzt deshalb beim seelischen Zustand eines Patienten an. Christian Viktor Holenweg forscht seit 25 Jahren im Reich der Pflanzen und Blüten.


© Flavian Cajacob

Andächtig, ja fast zärtlich führt Christian Viktor Holenweg den dünnen Ast des alten Baumes vor sein Gesicht, um die frisch geöffnete Walnussblüte zu studieren. Mit der Nase, mit den Augen, mit dem Unterbewusstsein. In seinen Mundwinkeln zeichnet sich ein Lächeln ab. «Das gibt eine herrliche Essenz; Walnuss hilft bei Unsicherheit und immer dann, wenn grosse und kleine Veränderungen anstehen.» Dann lässt er das Geäst zurückschnellen. Noch ist der Zeitpunkt nicht ideal, um einen Auszug vorzunehmen. ­Dafür müssen astrologische Konstellationen, das Wetter und die Tageszeit stimmen. Also verschiebt Holenweg das Ganze.

Einer Freundin in die Augen schauen

Die Bachblüten-Therapie: Von den einen belächelt, von den anderen verehrt. Für Christian Viktor Holenweg, den Druiden und Schamanen aus dem Wallis, der sich augenzwinkernd lieber als «Erfinder» bezeichnet, ist die Verwendung von Blütenessenzen bei körperlichen Gebrechen und see­lischer Schieflage nichts anderes als die Umsetzung des in Vergessenheit geratenen Bewusstseins um die Heilkraft der Pflanzen. «Noch vor fünfzig Jahren hat doch jeder in der ­Familie jemanden gehabt, der wusste, welche Pflanze bei welchem Leiden hilft. Bei mir war es eine Tante.» Sie habe ihm in jungen Jahren nicht nur mit Salben und Tinkturen über Krankheiten und schwere Situationen hinweggeholfen, sondern ihn auch für die Pflanzenheilkunde und ins­besondere die Bachblüten-Therapie sensibilisiert. Nach Abstechern in die Malerei und Musik dreht sich im Leben des gebürtigen Zürchers seit fünfundzwanzig Jahren alles um das alternativmedizinische Behandlungsverfahren, welches nach seinem Erfinder, dem englischen Bakteriologen Edward Bach (1886–1936), benannt ist. Holenwegs Unternehmen Odinelixir setzt voll und ganz auf die Verwendung von wildwachsenden Schweizer Alpenpflanzen und ent­wickelt laufend neue Essenzen.

Im wunderschönen Park des Château Mercier ob Sierre steckt Christian Viktor Holenweg seine Nase gerade in die Blüte einer Glyzinie. Dann begutachtet er den Blauregen ­intensiv, gerade so, als ob er einer guten Freundin in die ­Augen schauen würde. Der Vorgang wird sich an diesem Morgen noch einige Male wiederholen, ohne dass ein Parkbesucher davon Notiz nehmen würde. «Man kennt mich hier mittlerweile und weiss, was ich mache.» Er geht ein paar Schritte, dreht sich wieder um. «In der Regel finden es die Leute ja auch spannend, wenn ich ihnen erzähle, was ich mit den Blüten vorhabe. Und verwehrt hat mir auch noch nie jemand, dass ich auf seinem Grund und Boden ­einen Auszug vornehme.»

Für das seelische Gleichgewicht

Der Blütenauszug: Eine Philosophie für sich. Bevor Holenweg eine Blüte pflückt, meditiert er bei Tagesanbruch vor der auserwählten Pflanze, um mit dieser spirituell in Kontakt zu treten. «Pflanzen sind Lebewesen. Wer dies akzeptiert, kommt ganz bestimmt nicht auf die Idee, sich ungefragt einer Blüte anzunehmen.» Also fragt er erst einmal um Erlaubnis. Fällt das Feedback positiv aus, greift Holenweg zur Keramikpinzette und bricht die Blüte an deren Gelenk vom Ast. «Die direkte Berührung mit der Hand oder dem Körper ist zu vermeiden, da ansonsten die der Pflanze innewohnenden Informationen beeinträchtigt werden», erklärt der 57-Jährige. Danach werden die Blüten in eine mit Quellwasser gefüllte Kristallschale gelegt – Kristall deshalb, weil es sich dabei um ein «reines» Erdelement handelt –, und drei bis sieben Stunden der Sonne ausgesetzt. Während dieser Zeit, so Holenweg, überträgt das Sonnenlicht die heilende Energie der Blüten an das Wasser. Das mit dem «Blütenbewusstsein» aufgeladene Wasser wird zur Konservierung mit Biocognac vermischt – fertig ist die Mutteressenz. Die alkoholfreie Version wird mithilfe von zweifach destilliertem Wasser und einem speziellen Violett-Glas haltbar gemacht, welches seinerseits einen energetischen Rundumschutz gewährleisten soll.

Edward Bach, der Vater der Bachblüten-Therapie, ging davon aus, dass jeglicher körperlichen Krankheit eine Störung des seelischen Gleichgewichtes zugrunde liegt. Insgesamt machte der Mediziner 38 disharmonische Seelenzustände der menschlichen Natur aus, beispielsweise Angst, Unsicherheit, Einsamkeit, Überempfindlichkeit oder Ungeduld. Die energetischen Kräfte der Blütenessenzen sollen – richtig zugeordnet – die negativen Emotionen positiv beeinflussen und damit zur Harmonisierung von Körper und Geist beitragen. Odinelixir verfügt mittlerweile über eine Palette von 122 Essenzen. «Neue Blüten ersetzen teilweise alte Kombinationen», führt Christian Viktor Holenweg aus, «zudem entdecken wir immer wieder neue Bereiche, in ­denen Bachblüten angewendet werden können, beispielsweise Feng-Shui oder die Harmonisierung von Arbeits- und Wohnräumen.»

Ernsthafte Arbeit an der Materie

Der Bachblüten-Produzent steuert sein Auto in ein Industriequartier bei Sion. Im Gebäude eines Biogemüsehändlers hat Odinelixir seine Geschäfts- und Laborräumlichkeiten. Die präsentieren sich einfach, aber modern und signalisieren: Hier wird nicht irgendwie vor sich hingewurstelt, sondern ernsthaft und seriös an der Materie gearbeitet. Die Mutteressenzen lagern unter strengen Sicherheits- und Reinheitsgeboten. Die Weiterverarbeitung geht konzentriert und fokussiert vonstatten. «Manche singen ein Mantra, andere beten – Hauptsache, das Bewusstsein ist vollends auf die Tätigkeit gerichtet», betont Holenweg. In ein 10-ml-Konzentrat-Fläschchen, welches mit dreissigprozentigem Biocognac gefüllt ist, kommt ein Tropfen Mutteressenz. Diese Mischung ergibt eine Konzentration von 1 : 240. «Es gibt Hersteller, die setzen auf eine höhere Verdünnung, beispielsweise 1 : 100 000. Wir orientieren uns am klassischen Verhältnis, das von Edward Bachs Nachfolgern festgelegt wurde.» In Holzregalen warten die einzelnen Sprayflaschen darauf, versendet zu werden.

Therapiedauer: Einen Monat

Blütenessenzen eignen sich sowohl für Erwachsene wie auch für Kinder. Gerade sie reagieren oftmals sehr sensibel auf Veränderungen im Alltag, etwa auf den bevorstehenden Kindergarten- oder Schuleintritt. Hier hilft eine Bachblüten-Therapie auf sanfte Art und Weise, die innere Balance wiederherzustellen und Gefühle von Traurigkeit, Unsicherheit oder Konzentrationsschwierigkeiten zu beheben.

In der Regel dauert eine Bachblüten-Therapie bei täglich vier Einnahmen einen Monat. «Chronische Zustände oder ein fortgeschrittenes Alter erfordern meist eine längere Anwendung», bemerkt Christian Viktor Holenweg. Mit der Anwendung sollte generell auch ein Überdenken der aktuellen Lebenssituation einhergehen. «Die Psyche haust ja nicht in irgendeiner vagen Wolke, sondern sie ist in uns drin. Mithilfe der Blütenessenzen können wir sie darin unterstützen, negative Zustände zu verarbeiten.»

«Mens sana in corpore sano» – ein gesunder Geist in einem gesunden Körper also – dank der Blüten-Power.

 

Zu den Klassikern von Odinelixir gehören:

ODINHELP

Für Notfall- und Schrecksituationen, etwa bei Stürzen (von Kindern), nach Erhalt einer schlechten Nachricht oder bei schleichendem Kontrollverlust.

RELAX

Positive Unterstützung bei körperlicher, geistiger und nervlicher Anspannung, fördert einen erholsamen Schlaf; bei Ungeduld, Aggression, Eifersucht.

ANX

Fördert das Gefühl von Vertrauen und Sicherheit, unterstützt bei Ängsten (Flugangst), Phobien und Panikattacken.

EXAM

Unterstützt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten; hilft gegen Versagensängste, bei Prüfungsängsten und Lampenfieber, fördert das Selbstvertrauen.

LUNA

Hilft bei allen Problemen rund um die Menstruation; wirkt Gefühlsschwankungen entgegen, lindert Krämpfe und Schmerzen.

Text+ Bild : Flavian Cajacob