Natur-Gesund

 

Mundgeruch

Mundgeruch – oder wenn man den Atem des Gegenübers lieber im Nacken hätte als in der Nase. Wo kommt er her, weshalb immer noch viele Menschen nicht wissen, dass sie Mundgeruch haben und was dagegen getan werden kann, wird in diesem Artikel zumindest zum Teil beantwortet.


Warum unternehmen die Leute mit Mundgeruch nichts dagegen?
Weil sie meistens gar nicht wissen, dass sie Halitosis haben. Die Gesprächspartner vermeiden es fast immer tunlichst, das „peinliche“ Thema anzusprechen – man will ja niemandem zu nahe treten, oder gar jemanden kränken. Die Person mit Mundgeruch kann diesen meist gar nicht wahrnehmen, weil unser Geruchssinn vornehmlich auf Konzentrationsveränderungen von Duftstoffen reagiert. Und die übelriechenden Gase des Mundgeruchs sind ständig da. Deshalb wäre es von Freunden fast die Pflicht auf Halitosis aufmerksam zu machen, der chronisch wahrnehmbar ist. Natürlich mit entsprechendem Feingefühl.

Zum Ursprung von Halitosis
In den meisten Fällen (je nach Quelle zwischen 87% bis 95%) befindet sich der Ursrpung von Mundgeruch in der Mundhöhle. Genauer betrachtet vorwiegend im Zunggenbelag und in entzündlichen Prozessen des Zahnfleisches oder der Mundschleimhaut. Daneben können auch chronische Entzündungen auf den Schleimhäuten der Atemwege oder Fremdkörper in der Nase oder im Rachenraum dazu führen. In seltenen Fällen (um 1%) wird der Magen-Darmtrakt als Ursprung angegeben.

In praktisch all den erwähnten Fällen beruht die Geruchsbildung auf dem Wirken von Bakterien, aus dem heraus unter anderem die „stinkenden“ Schwefelverbindungen oder organische Säuren entstehen. Manchmal sind auch systemische Erkrankungen (also nicht lokal auf der Mundschleimhaut befindliche) schuld an Mundgeruch wie z.B. Leber- oder Nierenerkrankungen, Karzinome der Atemwege oder Diabetes. Das ist im Verhältnis gesehen jedoch selten der Fall.

Nochmals zu den Bakterien
Wohlverstanden, alle verfügen wir über eine reichhaltige Bakterienbesiedelung auf all unseren Schleimhäuten ohne dass diese Krankheiten hervorrufen, im Gegenteil, diese Standartflora brauchen wir. Bei Menschen mit Mundgeruch kann eine veränderte Bakterienzusammensetzung auf der Zunge, dem Zahnfleisch oder der Mundschleimhaut festgestellt werden. So können Bakterien auftreten, welche die oben erwähnten Geruchsstoffe bilden.

Eine Veränderung der Bakterienzusammensetzung kann z.B. durch Essensreste hervorgerufen werden. Wobei nicht halben Zürigschnetzeltes-Mocken zwischen den Zähnen hängen müssen. Es reichen schon kleinste Essensrückstände die in der sehr grossen Zungenoberfläche hängen bleiben und dann ein gefundenes Fressen für unerwünschte Bakterien darstellen.

Erste Behandlungsmöglichkeiten
Zur Behandlung von Mundgeruch gehört eine sehr sorgfältige Mundhygiene dazu. Neben der richtigen Zahnbürste und Zahnpaste gehören auch die kleinen Bürstchen für die Zahnzwischenräume (Interdental) dazu. Diese reinigen einiges gründlicher als die Zahnseide. Um heraus zu finden, welche Bürstchengrösse Sie benötigen, benutzen Sie ein spezielles Lückenmess-Stäbchen, mit dessen Hilfe Sie dank einem Farbcodes die richtigen Grössen herausfinden. Ziemlich sicher brauchen Sie mehr als eine Grösse. Auch der Zungenschaber kann helfen, die Mundhygiene zu verbessern.

Vorsichtiger sollten Sie mit desinfizierenden Mundspülungen (meist mit Chlorhexidin) umgehen. Diese töten sicherlich die unerwünschten aber auch die erwünschten Bakterien ab und eine gute Standartflora hilft die unerwünschten Bakterien fernzuhalten.

Faktoren die den Mundgeruch begünstigen
Wer eher trockene Mundschleimhäute oder emotionalen Stress hat, fastet, raucht oder Antibiotika (töten Bakterien ab, oft egal ob „gut oder böse“) nehmen muss wird viel eher Mundgeruch aufweisen als jemand ohne diese Faktoren.

Rauchen und Stress lassen sich, zumindest auf dem Papier, leicht beheben. Fasten und Antibiotika-Einnahmen sind ohnehin zeitlich begrenzt. Die trockene Mundschleimhaut hingegen kann verschiedene völlig unterschiedliche Ursachen haben. Von Mundatmung, Schnarchen, Stress  bis zu Medikamenten (relativ häufig) und anderem kann vieles der Grund für zu wenig Feuchte im Mund sein.

Dementsprechend genau sollte bei der Abklärung darauf geachtet werden was dahinter steht.

Was hilft bei trockenen Schleimhäuten?
Sollte in der Abklärung keine zu eliminierende Ursache gefunden werden (wie zu wenig Wasser getrunken), gibt es verschiedene Helfer bei trockenen Mundschleimhäuten. Zum Beispiel Schüssler-Salze Nr. 1, 2, 8 oder Leinölspülungen am Morgen sowie Leinöl eingenommen. Wer mit Ölschlucken Mühe bekundet, kann auf Kapseln zurückgreifen. Auch Lebertran mit Vitamin A und D oder eine Vitalstoffprogramm kann helfen. Spezielle Mund befeuchtende Sprays auf pflanzlicher Basis als sofort wirkende Mittel.

Aus naturheilkundlicher Sicht stehen nicht die Bakterien im Fokus, sondern das warum? Warum gab es eine Veränderung? Hat es mit der Zusammensetzung des Speichels zu tun, der wiederum auf Stoffwechselprozesse im Körper reagiert? Hat es mit Säuren-Basenhaushalt der Gewebe zu schaffen (der in der Naturheilkunde anders interpretiert wird als in der Schulmedizin) oder …

In den Modellen wie der Humoralmedizin, der traditionellen chinesischen Medizin oder ayurvedischen Medizin als Beispiele wird Mundgeruch nicht als Krankheit sondern als Hinweis auf eine Krankheit oder eine Störung verstanden. Genauso in der Homöopathie, sie kennt die verschiedensten Arten von Mundgeruch (käsig, metallisch, nach faulen Eiern etc.) und nimmt diese als Hinweis für die Mittelbestimmung.

Die Hygiene als A und O in den meisten Fällen
Oft wird eine gute Mund-Hygiene als Behandlung der Ursache von Mundgeruch beschrieben. Im naturheilkundlichen Kontext muss das stark relativiert werden. Natürlich gehört eine ausführliche Mundhygiene zur Behandlung dazu, sie löst aber nicht Probleme die hinter dem Warum stehen. Dazu benötigt es mehr Hintergrund.

Lassen Sie sich beraten was Sie für Ihre Mundhygiene tun können und was gegen den Mundgeruch. Vor allem: Thematisieren Sie es – nur dann kann etwas geändert werden.

Halitosis: zusammengesetzt aus dem Lateinischen Halitus für „Atem, Hauch, Ausdünstung oder Geruch“ und dem griechischen –osis für den Hinweis auf krankhafte Zustände.

Text: Patrick Seiz