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Bitte mehr Bitteres

Bitterstoffe gehören zu den ältesten natürlichen Begleitern unserer Ernährung. Früher waren sie in Wildgemüse, Kräutern und ursprünglichen Gemüsesorten selbstverständlich enthalten – heute sind sie fast verschwunden. Unser modernes Essverhalten bevorzugt süsse und milde Geschmäcker, während Bitteres weitgehend verdrängt wird. Doch gerade dieser bittere Geschmack erfüllt im Körper erstaunlich wichtige Aufgaben und ist deshalb wieder zunehmend im Fokus der Naturheilkunde.

Bitterstoffe umfassen eine grosse Gruppe natürlicher Pflanzenstoffe, die durch ihren charakteristisch bitteren Geschmack auffallen. Sobald sie im Mund auf die Bitterrezeptoren treffen, setzen sie eine Kaskade an Verdauungsreaktionen in Gang. Dieser «Bitterreflex» ist eines der ältesten bekannten physiologischen Systeme des Menschen. Schon der erste bittere Kontakt auf der Zunge sorgt dafür, dass sich Speichel, Magen- und Gallensaft bilden. Dadurch wird der Verdauungstrakt aktiviert und optimal auf die Nahrungsaufnahme vorbereitet. Bitterstoffe unterstützen das Aufspalten von Eiweissen, Kohlenhydraten und Fetten und fördern die Aufnahme wertvoller Nährstoffe. Besonders die Leber – unser zentrales Stoffwechsel- und Entgiftungsorgan – profitiert: Bitterstoffe regen den Gallenfluss an und entlasten damit den gesamten Fettstoffwechsel. Doch die Wirkung geht weiter: Viele Bitterstoffe wirken antioxidativ, entzündungshemmend und können sogar den Blutzuckerspiegel positiv beeinflussen. Sie fördern ein natürliches Sättigungsgefühl, zügeln Heisshunger auf Süsses und unterstützen somit ein ausgewogeneres Essverhalten. Auch die Schleimhäute des Körpers – etwa in den Atemwegen oder im Verdauungstrakt – werden durch Bitterstoffe besser durchblutet und befeuchtet, was sie widerstandsfähiger macht.

Bitterstoffe zunehmend verschwunden
Unsere heutige Ernährung ist eher «süss» als «bitter». Durch jahrzehntelange Züchtungen wurden viele Gemüsesorten milder gemacht, damit sie mehr Menschen ansprechen. Industrienahrung enthält oft versteckten Zucker, während bittere Geschmacksnoten weitgehend eliminiert wurden. Viele Menschen haben den Bezug zum bitteren Geschmack verloren und empfinden ihn als ungewohnt oder unangenehm – ein evolutionär bedingtes Erbe, da Bitteres ursprünglich als Warnsignal vor Giftstoffen diente. Dieser Verlust an Bitterstoffen hat Folgen: Ein träger Verdauungstrakt, Müdigkeit nach dem Essen, Heisshungerattacken oder ein stagnierender Stoffwechsel können begünstigt werden.

Warum Bitteres mehr Beachtung verdient
Viele traditionelle Bitterpflanzen haben in der Naturheilkunde einen festen Platz. Sie zeigen, wie vielfältig Bitterstoffe eingesetzt werden können – ob als Tee, Tinktur oder als Bestandteil bitterer Kräutermischungen. Ihre Fachperson in Drogerie oder Apotheke weiss bestens Bescheid, wann welche Bitterstoffpflanze am besten passt und berät Sie gerne dazu. Die naturheilkundliche Bedeutung der Bitterstoffe wächst, weil sie uns helfen können, viele moderne Beschwerden abzufangen. Eine Ernährung, die Bitterstoffe einschliesst, unterstützt nicht nur die Verdauung, sondern auch die natürliche Selbstregulation des Körpers. Wer wieder öfter zu Bitterstofftees, Tinkturen sowie zu bitterem Gemüse wie Chicorée, Radicchio, Rucola oder Wildkräutern greift, stärkt damit auf einfache Weise den eigenen Stoffwechsel.

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Bitterstoffe...

...aktivieren die Bitterrezeptoren
Anregung aller Verdauungssäfte

...fördern die Magenbewegung
bessere Verdauung, weniger Völlegefühl

...unterstützen die Leberfunktion
verbesserter Fettstoffwechsel

...regulieren den Appetit
schnelleres Sättigungsgefühl und weniger Heisshunger

...unterstützen die Schleimhäute
bei Atemwegsanfälligkeit

...reduzieren Hautbeschwerden
bei chronischen Hauterkrankungen

Damit sind Bitterstoffe kleine Multitalente für das Wohlbefinden, mit weit mehr Wirkungen als nur der Verdauungsförderung.

Heilpflanzen mit grosser Bitterkraft

Die bitterste Heilpflanze der Schweiz. Traditionell wird in den Alpenregionen aus den Wurzeln des Enzians ein Schnaps hergestellt, der zur Verdauungsförderung eingesetzt wird.

Erlangte als zentrales Heilkraut im Absinth eine sagenumwobene Berühmtheit. Als Stärkungsmittel, Verdauungsförderer und stoffwechselanregendes Kraut offenbart diese Pflanze uns ihre Heilwirkung.

Unterstützt die Leberfunktion und kann den Fettstoffwechsel positiv beeinflussen. Bei erhöhten Blutfettwerten oder Leberbelastungen spielt diese Heilpflanze eine Hauptrolle.

Verbindet auf einzigartige Weise das Verdauungssystem, das Nervensystem und das Hormonsystem miteinander. Daher passt er immer, wenn sich Nerven oder Hormone bei der Verdauung bemerkbar machen.

Nur schwach bitter, daher wird er von vielen Personen als angenehme Bitterstoffpflanze empfunden. Seine Wirkung auf den Stoffwechsel ist weitbekannt und wird insbesondere in Frühlingskuren gern eingesetzt.

Gute Lektüre

«Die Bitterstoff-Revolution» von Hannelore Fischer-Reska

Ein leicht verständlicher und inspirierender Ratgeber, der zeigt, warum Bitterstoffe die «vergessenen Gesundheitshelfer» unserer Zeit sind.

Text: Thomas Schneider Foto: Beat Brechbühl

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