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Digitale Medien - Immer und überall?

Soziale Medien. Das hört sich gut an. Doch was nach positiver Verbindung und freundschaftlichem Austausch klingt, kann sich schnell ins Negative verkehren. Vor allem bei Kindern, die keine Grenzen gesetzt kriegen.

Zwei Stunden pro Tag online. Das ist die aktuelle Marke der Schweizer Jugendlichen. Die jüngste der regelmässigen Studien zur Mediennutzung zeigt, dass die Nutzungsdauer steigt: um dreissig Minuten innerhalb von nur zwei Jahren. Ausserdem besitzen 99 Prozent ein Smartphone. Das Handy ist ein Allzwecktool, das kaum mehr die Hände verlässt. Genau zehn Jahre nach der Lancierung des ersten iPhones ist der mediale und mobile Gebrauch allgegenwärtig. Facebook, mehr noch Twitter und vor allem aber Instagram und Snapchat heissen die Social-Media-Dienste, die als Treiber wirken und unter Jungen besonders beliebt sind.

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Das Handy ist ein Allzwecktool, das kaum mehr die Hände verlässt.

Der Einstieg ins digitale Leben erfolgt früh. Spätestens ab dem Alter von zehn Jahren sind die meisten mit einem Handy ausgerüstet. Die neue Technik und die daraus entstehenden Möglichkeiten des Medienkonsums überall und jederzeit fordern speziell die Eltern. Sie sind heute die erste Generation, die sich mit der digitalen Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen befassen und Grenzen setzen muss selber aber ganz anders aufgewachsen ist. Doch welche Limite wäre angebracht? Die Erziehung ist kein einfaches Unterfangen und wird von sehr viel Unsicherheit begleitet, welche die eigene Vorbildfunktion erst einmal infrage stellt. Die finden Kinder und Jugendliche sowieso intensiv im Netz. Sie sind Helden, Idolen und vermeintlichen Schönheitsidealen mit einer historisch einmaligen Wucht ausgeliefert, welche für das Erlernen eines eigenständigen Denkens kaum förderlich ist.

Entwicklung ist nicht aufzuhalten 

Dennoch sollte man in Sachen Gesellschaft nicht schwarz sehen, das bringt sowieso nichts. Die Digitalisierung und die Mobilitäts- und Kommunikationsdichte nehmen zu. Aufzuhalten ist die Entwicklung nicht. Doch wer eine kluge Smartphone-Nutzung lehren und vorleben soll, muss sie selbst beherrschen. Genau damit sind viele Eltern überfordert. Das ist das Resultat einer Studie, die das JFF-Institut für Medienpädagogik in München letztes Jahr veröffentlicht hat. «Wir haben mit Eltern von 8- bis 14-Jährigen und mit Fachkräften in der Erziehungsberatung gesprochen und das Signal erhalten: Eltern können in Sachen digitale Medien oft nicht mit ihren Kindern mithalten, ihnen fehlt das Wissen über Entwicklungen in diesem Medienbereich», sagt Susanne Eggert von der Abteilung Forschung des JFF. Die Smartphone-Nutzung lasse sich durch Eltern kaum kontrollieren, weil das Handy als ein persönliches Gerät Teil der kindlichen Privatsphäre ist. Was also tun? Was ist richtig und passend für ein Kind, das soeben zehn Jahre alt geworden ist?

Umgang mit digitalen Medien - Einige Tipps

Die Jugend- und Familienberatung «no zoff» empfiehlt Eltern von bis zu Neunjährigen, die Nutzung von digitalen Medien auf wöchentlich maximal fünf Stunden zu beschränken. Bei unter 12-Jährigen seien sieben Stunden angebracht. Ebenso wichtig sind die Tipps für das tägliche Ritual zu Hause. Wir haben aus der Fachliteratur einige für Sie als Eltern zusammengestellt:

  • Eine mindestens einstündige Bildschirmpause vor dem Zubettgehen fordern. Dann kann das schlafanstossende Hormon Melatonin ungestört wirken.
  • Für einen ungestörten Schlaf mobile Geräte ausschalten oder in den Flugmodus (ohne WLAN) setzen.
  • TV, Computer oder Spielkonsolen sollten nicht im Schlafzimmer der Jugendlichen platziert werden, da dies eine unkontrollierte Nutzung begünstigt, was die Schlafdauer verkürzen und die Leistungsfähigkeit verringern kann.
  • Anstelle des Handys einen herkömmlichen Wecker verwenden. So wird das Handy vom Nachttisch verbannt.
  • Bei Schülerinnen und Schülern, die während des Unterrichts unkonzentriert oder schläfrig sind, sollte der Medienkonsum – vor allem in den Abendstunden – thematisiert werden.
  • Verbannen Sie das Handy vom Esstisch. Beim Essen steht der zwischenmenschliche Kontakt im Vordergrund.
  • Planen Sie einen wöchentlichen Familientag ohne elektronische Medien, an dem Sie Bücher lesen, Brettspiele machen Sport treiben und an die frische Luft gehen.
  • Sie müssen selber mehr wissen: Deshalb wäre alle zwei Wochen ein Familientag mit elektronischen Geräten ideal, an dem Sie Videospiele spielen, ein digitales Scrapbook erstellen, Videos drehen und hochladen, Ferien planen oder eine Website basteln. Zusammen mit den Kids. Sie können von ihnen lernen.
  • Schützen Sie Ihre Computer mit Antivirus-Programmen, die Sie vor Malware, Spyware und sonstigen Angriffen aller Art bewahren. Suchen Sie Programme, um die Sie sich nach dem Installieren nicht mehr kümmern müssen. Sie sparen Zeit und können sie für die Familie nutzen.
  • Installieren Sie eine Kindersicherungssoftware. Dieses Tool überwacht den Computer und meldet Ihnen, auf welchen Sites ihr Kind surft und was es online macht. (z. B. Kaspersky Safe Kids, Net Nanny oder Norton Family)
  • Managen Sie den Medienkonsum des ganzen Haushalts: Mit der App «ourpact» geht das. Sie können unter anderem missliebige Apps und Internetzugänge blockieren. Vor allem jene Angebote, die noch nicht für das Alter Ihres Kindes gedacht sind.
  • Beachten Sie die empfohlenen Alterslimite bei Apps, Filmen oder Sites, wenn diese angegeben werden. Machen Sie die Kinder darauf aufmerksam.

Das Allerwichtigste: Leben Sie als Eltern den Kindern den richtigen Umgang mit digitalen Medien vor. Wenn Sie selber während des Abendessens schnell in der Wetter-App den Sonnenschein von morgen checken, dann müssen Sie sich nicht wundern, wenn die Kids noch viel mehr tun werden.

Mehr Tipps unter: no-zoff.ch oder medienprofis.projuventute.ch

Text: Patrick Seiz​​ und Bruno Affentranger, Bilder: Beat Brechbühl

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