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Wenn der Infekt einfach nicht aufhört

Der «banale» Schnupfen gilt seit jeher als harmlose Erkrankung, die nach ein bis zwei Wochen von selbst abklingt. Doch viele Menschen berichten heute von einem anderen Verlauf: Erkältungen ziehen sich länger hin, der Husten bleibt über Wochen hartnäckig bestehen. Wiederkehrende Infekte und das Gefühl, ständig erkältet zu sein, gehören in Drogerien und Apotheken zum Alltag. Sind Infekte tatsächlich hartnäckiger geworden – oder ist das nur unsere Wahrnehmung?

Objektiv dauert ein klassischer Erkältungsinfekt etwa sieben bis vierzehn Tage. Dennoch hat sich in der Wahrnehmung vieles verändert: Viele Betroffene berichten von Infekten, die Wochen anhalten oder rasch wiederkehren. Während ein hartnäckiger Husten früher die Ausnahme war, ist er heute fast schon alltäglich. Zudem fällt auf, dass gängige Haus- oder Hustenmittel nicht immer den gewünschten Effekt zeigen. Besonders nach der Pandemie haben Gesundheitsfachpersonen wie Ärztinnen, Apotheker und Drogistinnen eine Zunahme langwieriger Atemwegsinfekte beobachtet – teilweise als eine Art «Nachholbedarf» von Viren wie dem RS-Virus (Atemwegsvirus, vor allem bei Kleinkindern), Grippeviren oder Keuchhusten. Auch unsere eigene Resilienz – also die Fähigkeit, Stress, Krisen, Infekte oder Belastungen auszugleichen und wieder ins Gleichgewicht zu kommen – steht unter Druck. Hohe berufliche und private Anforderungen, zu wenig Erholung und Bewegung sowie die ständige Reizüberflutung durch soziale Medien führen dazu, dass psychische Belastungen stark zunehmen. Diese dauerhafte Beanspruchung kann dazu beitragen, dass unser Körper auf banale Erkältungen empfindlicher reagiert und wir Symptome intensiver wahrnehmen.

Mögliche Ursachen
Virologische Veränderungen: Die Landschaft der Atemwegsviren hat sich verändert. Neue  Virusvarianten belasten das Immunsystem zusätzlich. Zudem liegen häufiger Co-Infektionen vor – also das gleichzeitige Auftreten mehrerer Viren oder die Kombination von Viren und Bakterien. Solche Mischinfektionen können den Verlauf verlängern und die Behandlung erschweren. Immunsystem und Lebensstil: Unsere Abwehrkräfte hängen stark vom Lebensstil ab. Dauerstress, Schlafmangel, Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung schwächen das Immunsystem. Viele Menschen verbringen zudem fast den gesamten Tag in geschlossenen Räumen und haben engen Kontakt zu anderen – im Büro, im öffentlichen Verkehr oder in Restaurants. Das erhöht die Ansteckungsgefahr deutlich. Umgang mit der Krankheit: Auch unsere Erwartungshaltung spielt eine Rolle. Viele möchten nach zwei Tagen wieder fit sein – sei es für Arbeit, Hobbys oder Familie. Doch der Körper braucht oft länger, um Infekte vollständig auszukurieren. Wer zu früh wieder durchstartet, riskiert den Infekt zu verschleppen. Das kann langwierige Beschwerden oder einen erneuten Infekt begünstigen.


Auch unsere eigene Resilienz – also die Fähigkeit, Stress, Krisen, Infekte oder Belastungen auszugleichen und wieder ins Gleichgewicht zu kommen – steht unter Druck.

Medizinisch lässt sich nicht eindeutig nachweisen, dass Erkältungen heute länger dauern. Studien zeigen seit Jahrzehnten: Eine normale Erkältung dauert 7 bis 10 Tage, ein Husten kann durchaus zwei bis drei Wochen anhalten. Neu ist jedoch die erhöhte Aufmerksamkeit: Seit COVID-19 beobachten viele Menschen ihre Symptome genauer und nehmen selbst leichte Beschwerden ernster. Diese Erfahrung bestätigt auch Dr. med. Ariana Crottogini, Hausärztin in Degersheim SG: «Die während der Pandemie gewünschte Sensibilisierung der Menschen für Erkältungssymptome wirkt bis heute nach. Ein Kratzen im Hals, ein leichter Schnupfen oder etwas Fieber wurden damals als Warnsignale wahrgenommen – das steckt immer noch in den Köpfen der Leute.»

Prävention ist immer gut
Der wichtigste Schutz vor chronischen oder wiederkehrenden Erkältungen ist ein starkes Immunsystem. Die Grundlagen sind einfach, aber entscheidend:
– ausreichend schlafen
– sich regelmässig bewegen
– gesunde Ernährung
– Stressbewältigung und Freude am Leben
– Spaziergänge in der Natur
– bewusste Erholungsphasen

Wer diese Grundsätze beherzigt, stärkt seine körpereigene Abwehr. Ebenso wichtig: Infekte ernst nehmen. Lieber ein bis zwei Tage konsequent auskurieren, statt die Erkrankung halbherzig «herumschleppen». So sinkt das Risiko, dass Beschwerden chronisch werden. Auch hier beobachtet Dr. Crottogini eine Veränderung: «Ich sehe im Praxisalltag oft, dass die Krankheit möglichst schnell verschwinden soll. Viele sind es nicht mehr gewohnt, krank zu sein und sich selbst mit Hausmitteln zu helfen. Häufig fehlt das Wissen, wie man klassische Infekte richtig auskuriert.» Daher der Tipp: Im Zweifel lieber einen Tag länger zu Hause bleiben. Das reduziert über das Jahr gesehen die Fehltage im Betrieb – und schützt Kolleginnen und Kollegen vor einer Ansteckung.

Schnell reagieren

Eine erfolgreiche Behandlung wiederkehrender Erkältungen setzt voraus, dass man frühzeitig reagiert und die Therapie konsequent durchführt. Ziel ist es, dass sich der Infekt gar nicht erst festsetzt und der Körper rasch entlastet wird. Pflanzliche Präparate können helfen, Viren und Bakterien zu hemmen, Schleim zu lösen und die Abwehr zu stärken. Wichtig ist die individuelle Anpassung – denn jeder Mensch reagiert anders. Das persönliche Gespräch mit einer Fachperson in Ihrer Drogerie oder Apotheke lohnt sich: Sie kennt die passenden Präparate, weiss, welche Infekte aktuell zirkulieren und kann die richtigen Massnahmen empfehlen. Ob Erkältungen heute wirklich häufiger oder langwieriger sind, ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. Wahrscheinlich spielen mehrere Faktoren zusammen – veränderte Viren, Lebensstil und gesteigerte Aufmerksamkeit. Sicher ist: Wer sein Immunsystem stärkt, Infekte konsequent auskuriert und naturheilkundliche Unterstützung nutzt, kann viel dazu beitragen, dass aus einer harmlosen Erkältung kein Dauerbegleiter wird.

PFLANZLICHE UNTERSTÜTZUNG

Die Naturheilkunde bietet eine Vielzahl wirksamer
Pflanzen, die zur Vorbeugung und Behandlung
eingesetzt werden können:

Sonnenhut: zur Vorbeugung und bei beginnenden Infekten
Taigawurzel: stärkt Abwehrkräfte und Stressresistenz
Wasserdost: klassische Heilpflanze zur Infektabwehr
Thymian, Eukalyptus, Fichte: schleimlösend und
krampflösend bei Husten und Bronchitis
Kapuzinerkresse und Meerrettich: antibakteriell und
antiviral – ideal bei wiederkehrenden Atemwegsinfekten
Pelargonium: bei akuten und langwierigen Infekten.


Dazu kommen Mikronährstoffe: Vitamin C, Vitamin D, Zink und ein gutes Multivitaminpräparat gelten als Basis für eine gesunde Abwehr. Wichtig ist, frühzeitig zu reagieren: Bei den ersten Anzeichen von Halsschmerzen oder Schnupfen können Lutschpastillen oder Sprays helfen, den Infekt im Zaum zu halten.

Text: Thomas Schneider Foto: Beat Brechbühl

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