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Ein geniales Alarmsystem

Fieber ist eine natürliche Reaktion des Körpers auf Infektionen oder Entzündungen. Es tritt auf, wenn das Immunsystem versucht, Krankheitserreger wie Viren oder Bakterien zu bekämpfen, indem es die Körpertemperatur erhöht. Ab einer Temperatur von 38° C spricht man von Fieber. Wichtig ist, das Fieber zu überwachen und zu verstehen, wann medizinische Hilfe notwendig ist. Während leichtes Fieber oft mit Hausmitteln behandelt werden kann, sollte bei starkem Fieber oder zusätzlichen Symptomen wie Atemnot ärztlicher Rat eingeholt werden.

Fieber wird auch heute noch oft als bedrohliche Krankheit und nicht als Symptom gesehen. Dies kommt nicht von ungefähr. Unsere Vorfahren und deren Kinder sind noch an fiebrigen Infekten gestorben. Wobei in diesen Fällen vermutlich nicht das Fieber, sondern der Infekt die Todesursache war. Das war in der damaligen Zeit jedoch nicht feststellbar. So war das Fieber schuld am Tod vieler Menschen. Fiebrige Infekte lösen heute noch Gefühle wie Machtlosigkeit und Hilflosigkeit aus, obwohl unzählige Studien beweisen, wie gesund Fieber für unseren Körper eigentlich ist. Fiebrige Infekte werden oft viel schneller und nachhaltiger überwunden als Infekte ohne Fieber.

Fieber ist keine Krankheit

Die Ursache für Fieber sind meist Bakterien oder Viren. In seltenen Fällen kann Fieber auch aufgrund psychischer Belastung auftreten. Fieber ist eine Schutz- und Heilreaktion und stellt keine eigene Krankheit dar. Das Immunsystem erkennt die «Eindringlinge», und der Körper reagiert mit Fieber. Dazu werden Botenstoffe ins Hirn geschickt. Dieses wiederum sendet das Signal «Kerntemperatur erhöhen» an den Körper. Die höhere Kerntemperatur hemmt die Verbreitung von Bakterien und Viren und die Keime sterben schneller ab. Die höchste Aktivität des Immunsystems liegt gemäss Studien bei 39 bis 41 Grad Körpertemperatur. Der Körper erhöht seine Temperatur in einer ersten Phase durch eine Minderdurchblutung der Extremitäten. So wird die Wärme ins Körperzentrum kanalisiert , was die kalten Hände und Füsse bei beginnenden Infekten erklärt.
Auch der bekannte Schüttelfrost dient dem gleichen Zweck. Das Vibrieren der Muskeln erzeugt im Körper Wärme und hilft die Kerntemperatur zu erhöhen. Ist die gewünschte Körpertemperatur erreicht – abhängig von der Infektionslast und -art sowie der eigenen Konstitution –, wird die Temperatur wieder gesenkt und die überschüssige Wärme über die Haut durch Schwitzen oder Rötung wieder abgegeben. Dieser Fieberturnus wird so oft wiederholt, bis der Körper den Eindringling bekämpft hat. Und da dieser wellenförmige Prozess sehr anstrengend ist, wird er von Müdigkeit, Appetitlosigkeit, flacher Atmung und einer Überreiztheit der Sinne begleitet. Gerade visuelle Reize von Bildschirmen können bei Fieber sehr unangenehm sein. Nach dem Fieberprozess werden Abfallstoffe ausgeschieden, wobei sich die Art der Ausscheidung von Fall zu Fall unterscheiden kann. Schleimproduktion der Atemwege, Hautausschläge oder Durchfall sind oft der Abschluss eines fiebrigen Prozesses.

Ziel: aufsteigenden Fieberprozess unterstützen und beschleunigen

Hände und Füsse sind kalt (Körpertemperatur steigt): Ein grosses Becken mit Wasser in Körpertemperatur füllen. Heisses Wasser dazugiessen, damit die Badetemperatur laufend ansteigt. Die Endtemperatur liegt bei 40 bis 42 Grad. Dauer ca. 15 bis 20 Minuten. Danach warme Wollsocken anziehen und Bettruhe.

Kinder und Fieber

Fieber ist ein geniales Instrument unseres Immunsystems. Es zeigt uns, dass der Körper funktioniert und dabei ist, gesund zu werden. Gerade das kindliche Immunsystem profitiert enorm von Fieber. Das Feuerwerk an Abwehrstoffen ist einmalig und hilft dem Kind, die Abwehr ganz allgemein zu stärken. Erwachsene hingegen profitieren weniger von diesem «Lernprozess». Ein positiver Begleiteffekt für Erwachsene ist jedoch, dass Fieber zur Ruhe und Einkehr zwingt. Das gibt die Gelegenheit, das seelisch-körperliche Gleichgewicht wieder zu finden. So fallen nicht selten nach fiebrigen Erkrankungen längst fällige Entscheide. Auch bei Kindern kann man diese Entwicklungsschritte nach Fieber gut beobachten. Ein fiebriger Prozess kann aber auch gefährlich werden. Fieber sollte immer dann ärztlich abgeklärt werden, wenn es länger als drei Tage anhält, alle paar Tage wieder auftritt, nicht nachhaltig gesenkt werden kann, wenn zusätzlich Nackenschmerzen auftreten oder keine Ursachen für das Fieber gefunden werden. Das heisst, wenn keine Begleitsymptome wie Husten, Schnupfen, Hals-, Ohrenschmerzen oder Schmerzen beim Wasserlösen vorliegen. Ein weiteres Alarmzeichen ist Fieber über 38,5 Grad bei Kindern unter einem Jahr, zu wenig Flüssigkeitszufuhr (z.B. in Kombination mit Durchfall/Erbrechen) und apathisches Verhalten. Auch Fieberkrämpfe müssen immer ärztlich abgeklärt werden.

Fieber ist individuell

Die Höhe des Fiebers entscheidet nicht allein über die Bedrohlichkeit des Infektes. Die einen fühlen sich mit 38 Grad schwerkrank, andere sind mit 39,5 Grad noch recht munter. Es ist viel mehr der allgemeine Zustand der fiebrigen Person entscheidend. Solange dieser in Ordnung ist, d. h. wenn genügend getrunken und geschlafen wird, besteht wenig Grund zur Sorge. Die Nahrungsaufnahme ist in den ersten ein bis zwei Tagen im fiebrigen Prozess weniger wichtig. Die angezeigte Temperaturhöhe auf dem Thermometer kann stark verunsichern, und gerade bei Kindern überträgt sich diese Sorge sehr rasch auf den kleinen Patienten. Es ist daher empfehlenswert, auf den Allgemeinzustand des Kindes zu achten und nicht auf die Höhe der Thermometeranzeige. Speziell bei Kindern kann diese rasch auf
40 Grad steigen.


Ruhe, Zeit und genügend Flüssigkeit sind die beste Medizin bei fiebrigen Infekten. Nach überstandenem Fieber ist es gerade für Kinder sehr wichtig, einen Tag «fieberfrei» in Ruhe zu Hause zu bleiben, um den energieraubenden Heilungsprozess abzuschliessen.

Fieber senken

Das Fieber sollte möglichst nicht gesenkt werden. Falls der schlechte Allgemeinzustand es nötig macht oder Schmerzen dazukommen, helfen die Wirkstoffe Paracetamol und Ibuprofen sehr rasch durch ihre fiebersenkende und schmerzstillende Wirkung. Zu beachten gilt in diesem Fall, dass der Wirkstoff genug oft nachdosiert wird, denn ein wiederholter Anstieg der Fieberkurve ist ein enormer Stress für den Körper. Lassen Sie sich zur Dosierung in Ihrer Drogerie oder Apotheke beraten. Wichtig ist ausserdem, dass ergänzend zur Einnahme von Medikamenten genügend Schon- und Ruhezeit für den Körper eingeplant wird. Der Körper befindet sich – trotz besserem Allgemeinbefinden – immer noch in einer Ausnahmesituation. Dies sollte vor allem bei Kindern beachtet werden , andernfalls kann sich der Heilungsprozess durch die Einnahme von klassischen Fiebersenkern verzögern. Wer dem Fieber natürlich entgegenwirken möchte, kann auf Wickel zurückgreifen. Sie helfen nicht nur, den Allgemeinzustand zu verbessern, sondern vermitteln auch das Gefühl von Geborgenheit, ein wichtiger Aspekt im Heilungsprozess. Während des Anstiegs der Körpertemperatur – wenn die Füsse und Hände kalt sind – eignen sich wärmende Anwendungen (siehe Kasten) oder eine Bettflasche. Sobald die Körpertemperatur erreicht ist – wenn Füsse und Hände warm sind – kann ein kühlender Wickel angewendet werden. Das Ziel von fiebersenkenden Wickeln ist es, die Körpertemperatur um ca. 0,5 Grad zu senken. Dies reicht in den meisten Fällen, um den Allgemeinzustand zu verbessern.

Ziel: Wärmeabgabe des Körpers beschleunigen. Hände und Füsse sind warm, Körpertemperatur hat das Maximum erreicht.

Waschung: Waschen Sie die fiebrige Person mit einem kühlen Waschlappen am ganzen Körper. Spülen Sie den Lappen zwischendurch mehrmals aus, sodass er kühl bleibt. Zusätze wie Zitronensaft oder Pfefferminzöl werden als sehr angenehm wahrgenommen. Die Waschung kann alle 15 Minuten wiederholt werden.


Wadenwickel: Benetzen Sie ein grosses Baumwolltuch mit Wasser, das etwa 2 bis 3 Grad kälter ist als die Körpertemperatur. Zusätzlich kühlend wirken Zugaben wie Essig oder Zitronensaft. Umwickeln Sie die Waden mit dem Tuch und schützen Sie den Wickel mit zusätzlichen Tüchern. Der Wickel wirkt, solange er kühl ist. Sobald er heiss wird (nach max. 15 Min.), sollte er entfernt werden. Der Wickel kann alle 30 Minuten wiederholt werden, bis das Fieber nicht mehr als unangenehm empfunden wird oder die fiebrige Person einschläft.

Auf genügend Flüssigkeit achten

Ausserdem hat sich das Trinken von Lindenblüten- oder Holunderblütentee bewährt. Damit wird der erhöhte Flüssigkeitsbedarf gedeckt (bei Erwachsenen rund ein zusätzlicher Liter) und das Schwitzen angeregt. In der Alternativmedizin können die Schüsslersalze Nr. 3, 5, 8, 10, 21 oder die Einnahme von homöopathischen Mitteln wie Aconitum, Belladonna, Ferrum phosphoricum oder Gelsemium unterstützend wirken. Ein alternativer Fiebersenker hat nie das Ziel, das Fieber als wichtigen Heilungsprozess zu unterdrücken. Das Fieber soll moderat und angenehm verlaufen. Ganz allgemein hilft es, das Immunsystem bei einem fiebrigen Infekt aktiv zu unterstützen. Das verkürzt die Krankheitsdauer (siehe dazu unseren Beitrag zur Immunprophylaxe). Lassen Sie sich zum passenden Mittel in Ihrer Drogerie oder Apotheke beraten. Ruhe, Zeit und genügend Flüssigkeit sind die beste Medizin bei fiebrigen Infekten. Nach überstandenem Fieber ist es gerade für Kinder sehr wichtig, einen Tag «fieberfrei» in Ruhe zu Hause zu bleiben, um den energieraubenden Heilungsprozess abzuschliessen.

Text: Barbara Freiermuth, Bilder: Beat Brechbühl

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