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Kompetenz, gepaart mit Vertrauen

Seit 1. Januar 2019 sind Schweizer Drogerien befugt, rund 550 zusätzliche Präparate aus der Liste C zu vertreiben. Somit führen sie sämtliche nicht verschreibungspflichtigen Medikamente im Sortiment. Der Drogist HF Roman Greter, Inhaber der Drogerie Gehrig in Luzern, ordnet ein und gibt einen Einblick in eine spannende Branche.

Im Jahr 2024 feierte der Schweizerische Drogistenverband SDV sein 125-Jahr-Jubiläum, ebenso wie die Kultmarke Aspirin, die im Jahr 1899 in Deutschland patentiert wurde. Heute beschäftigt die Branche in der Schweiz rund 4400 Profis, darunter fast 900 Lehrlinge, in rund 450 Drogerien.

550 zusätzliche Medikamente

Seit 2019 sind aufgrund der vom Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic beschlossenen Ausweitung zusätzlich 550 frei verkäufliche Medikamente im Sortiment der Schweizer Drogerien. Roman Greter (31), seit drei Jahren Inhaber der Luzerner Drogerie Gehrig, sieht in der liberalisierten Abgabe von Arzneimitteln nur Vorteile: «Hunderte , bisher rezeptfreie, aber apothekenpflichtige Medikamente sind nun auch in Drogerien erhältlich, was unsere fachliche Kompetenz bestätigt und ausweitet und im Endeffekt unseren Kundinnen und Kunden
nützt.» Dazu gehören u. a. bewährte und bekannte Präparate wie Erkältungsmedikamente, Mittel zur Behandlung von Magenbrennen und saurem Aufstossen sowie gegen Durchfall, Entzündungs- und Fiebersenker,
Allergie- und Schmerzmittel oder Vitamine und Mineralstoffe (zum Beispiel hoch dosierte Eisenpräparate). Drogistinnen und Drogistinnen haben ein intensives Grundstudium absolviert und bilden sich ständig weiter, erklärt Greter: «Die nicht rezeptpflichtigen Medikamente, die neu dazugekommen sind, bereiten ihnen keine Probleme.»


«Hunderte , bisher rezeptfreie, aber apothekenpflichtige Medikamente sind nun auch in Drogerien erhältlich, was unsere fachliche Kompetenz bestätigt und ausweitet und im Endeffekt unseren Kundinnen und Kunden nützt.»

Ein «Rundum-Gesundheitspaket»

Drogerien sind seit über 125 Jahren medizinische Gesundheitsversorger und – vorab in der Schweiz – zusammen mit den Apotheken oft die erste Anlaufstelle bei Gesundheitsfragen. Für Roman Greter hat dies überzeugende Vorteile: « Zu uns kommen die Menschen ohne Voranmeldung und werden in der Regel ohne lange Wartezeit bedient. Unsere Ausbildung bedient sowohl Aspekte der Schulmedizin wie der Naturheilkunde. Das befähigt uns, eine wichtige Triagefunktion im Gesundheitswesen zu erfüllen.» Bei gesundheitlichen Komplikationen wie etwa Harnwegsinfektionen, Entzündungen der Bindehaut, des Rachens oder der Nasennebenhöhlen, Reflux, kleinen Verbrennungen, Heuschnupfen, Warzen, Verstopfung oder Durchfall sind Drogerien die kompetente Anlaufstelle und eine unkomplizierte sowie kostengünstige Alternative zur Notfallstation, oft auch abends und samstags. Dadurch entlasten sie Arztpraxen effektiv.

Persönlicher Kontakt ist Trumpf

Etwas Sorge bereitet dem leidenschaftlichen Drogisten die zunehmende Tendenz, Nahrungsergänzungsmittel online zu bestellen. Roman Greter dazu: «Diese Entwicklung lässt sich nicht aufhalten. Dagegen können und werden wir aber unsere Beratungskompetenz in die Waagschale werfen. Und auch unsere Fähigkeit, individuell auf den Kunden einzugehen sowie die der Herstellung unserer hauseigenen Spezialitäten wie Salben, Tinkturen, Sirups, Teemischungen und weiterer spezifischer Präparate.» Gerade die Corona-Pandemie habe gezeigt, ergänzt Greter, wie sehr Drogerien als Anlaufstelle für Gesundheitsthemen geschätzt würden: «Unsere Kundinnen und Kunden vertrauen auf unser Wissen und unsere Erfahrung in Gesundheitsfragen. Ich bin überzeugt, dass dies noch lange so bleiben wird. Nicht zuletzt, weil der persönliche Kontakt und das Eingehen auf individuelle Bedürfnisse vertrauensbildend wirken.»

Roman Greter (31) ist Drogist HF und seit drei Jahren Inhaber der Drogerie Gehrig in Luzern. Er arbeitet zusätzlich als Experte für die Abnahme von Abschlussprüfungen. Die Heilpflanzenkunde ist seine Leidenschaft. In seiner Freizeit gibt er sein Wissen über Heilpflanzen und -kräuter im Freilichtmuseum Ballenberg weiter. Während der Sommermonate bieten Drogistinnen und Drogisten der Stiftung Ballenberg Drogerie jeden Sonntag öffentliche Heilkräuter-Führungen durch den einzigartigen Heilkräuterund Duftgarten auf dem Ballenberg an.

Der Ursprung des Drogistenberufs lässt sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Getrocknete Arzneipflanzen, Gewürze oder Farbhölzer kamen damals vorwiegend auf dem Seeweg zu den damaligen Grosshandelsplätzen Antwerpen, Amsterdam und Hamburg. In holländischen und plattdeutschen Urkunden taucht der «Drogist» auf, der als «Drogenhändler» beschrieben wird – wobei «Droge» nicht auf Rauschmittel hinweist, sondern aus dem niederländischen «droog» (trocken) stammt. Drogerien in der Schweiz sind einzigartig in Bezug auf das Verkaufssortiment und ihre Beratungskompetenz. Im Ausland verkaufen Drogerien oft lediglich Kosmetik, Putzmittel und zum Teil Reformartikel.

Text: Angel Gonzalo, Bilder: Franca Pedrazzetti

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