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Unordnung im Hormonhaushalt

«Meine Hormone spielen verrückt!» Das ist eine Aussage, die vor allem in den Wechseljahren häufig zu hören ist. «Er spürt die Hormone», das passt schon eher in die Zeit der Pubertät. Aber was sind Hormone und welche Rolle spielen sie? Etwa die Rolle des Sündenbocks?

Gleich vorneweg zum Sündenbock: In Phasen von grossen, wichtigen körperlichen Reifungsprozessen und Veränderungen (wie etwa in der Pubertät oder während der Wechseljahre) können körperliche Beschwerden durchaus aufgrund von Hormonverschiebungen auftreten. Das beeinflusst unser Verhalten und unsere Stimmung. Hormone sind Botenstoffe, die einen «Auftrag» von einem Ort zum anderen transportieren und am Zielort eine Wirkung auslösen. Der «Hauptauftraggeber» sitzt im Hypothalamus, einer wichtigen Schaltzentrale in unserem Gehirn. Von hier aus werden Hormone ins Blut ausgeschüttet, welche weitere Hormondrüsen wie Nebenniere, Schilddrüsen oder die Sexualorgane steuern. Sind bestimmte Stoffe oder Hormone in genügend hoher Konzentration vorhanden, wird deren Ausschüttung gedrosselt.

Das körperliche Erwachsenwerden – die Pubertät

Der Impuls für die Ausreifung der Geschlechtsorgane bei Männern und Frauen kommt aus dem Gehirn. Die Hormone für die effektive Ausreifung stammen von den Geschlechtshormondrüsen. Auch wenn die Östrogene als weibliche und Testosteron als männliche Sexualhormone bezeichnet werden, sind beide bei beiden Geschlechtern zu finden – aber in unterschiedlichen Verhältnissen. Die Veränderungen des Körpers beim Erwachsenwerden brauchen viel Kraft und Energie, vor allem auch in geistiger Hinsicht. Wenn die pubertären Ausbrüche zu heftig werden, stehen verschiedene Möglichkeiten offen: pflanzliche Urtinkturen, spagyrische Essenzen oder homöopathische Mittel. Da die Hormonmuster so verschieden sind wie wir Menschen selbst, sind individuelle Lösungen angezeigt. Viele Jugendliche leiden auch unter Akne. Dabei hilft eine tägliche Pflege mit entsprechenden Produkten. Aber Achtung: Die Pflege allein bringt selten den gewünschten Erfolg. Es braucht eine Behandlung von innen über den Stoffwechsel. Auch die Ernährung nimmt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle ein. So wirken etwa Zuckerzusätze, wie wenn man Öl ins Feuer giesst. Vitamine, Mineralsalze und Spurenelemente sind in höheren Dosierungen gefordert, zumal sich der Körper während der Pubertät in einer Umbauphase befindet. Scharfes, fettiges Essen (Senf, Salami, Chips) und Süssigkeiten sind möglichst zu vermeiden. Im Gegenzug beruhigen hochwertige Öle mit hohen Anteilen an essenziellen Fettsäuren die Talgproduktion und die Entzündlichkeit der Haut. Aber auch Zink, Selen, Vitamin C oder die Gamma-linolensäure der Nachtkerze können lindern.

Da alle Sexualhormone ursprünglich aus dem Cholesterol aufgebaut werden und dieses wiederum zu fast 80 Prozent in der Leber produziert wird, sollten leberpflegende Heilmittel wie Mariendistel, Löwenzahn oder auch die Artischocke genauso innerlich verabreicht werden wie nierenstärkende Pflanzenzubereitungen mit Goldraute, Birkenblättern oder Wacholder.


Da die Hormonmuster so verschieden sind wie wir Menschen selbst, sind individuelle Lösungen angezeigt.

Der Zyklus der Fruchtbarkeit

Alles zu seiner Zeit. Das ist besonders an den fruchtbaren Tagen der Frau zu erkennen. Nach einer Monatsblutung werden Hormone ausgeschieden, bis es durch das Zusammenspiel verschiedener Hormone um den 15. Tag zum Eisprung kommt. Kommt es zu keiner Befruchtung, wird die Gebärmutterschleimhaut abgestossen. So beginnt der Menstruationszyklus von Neuem. Diese komplexen Abläufe im Körper einer Frau haben viel Potenzial für Störungen. Da kann es von Frau zu Frau Unterschiede um den Eisprung herum und vor allem vor und während der Monatsblutung.

Das Leiden bis zur Menstruation

In den Tagen vor der Monatsblutung zeigen sich häufig Beschwerden wie Brustspannen, schwere Beine, Hautveränderungen und Stimmungsschwankungen. Dagegen gibt es natürliche Mittel, wie etwa Zubereitungen des Mönchspfeffers, Nachtkerzensamenöl, Gemmomazerate des Himbeerstrauches sowie spagyrische Essenzen und Urtinkturen des Frauenmantels, des Storchenschnabels, der Damaszenerrose und des Steinklees. Auf der Vitalstoffschiene gilt es, auf die genügende Zufuhr von Gamma-Linolensäure (Nachtkerzenöl), Vitamin B6, Vitamin E, Kalzium, Magnesium, Zink wie auch Omega-3-Fettsäuren zu achten. Bei Stauungsbildungen in den Beinen oder den Brüsten helfen auch lymphabflussstärkende Cremes oder Emulgels.

Die Regelblutung

Jede Frau reagiert anders auf die Regelblutung in Bezug auf Schmerzen und emotionale Stimmung. Deshalb spielt auch der allgemeine Zustand der Frau eine entscheidende Rolle. Es wäre vermessen zu bestimmen, wann ein Zyklus oder die Zyklusbeschwerden nicht der Norm entsprechen. Schmerzmittel können vorübergehend über diese Zeit helfen. Im Grunde provoziert eine Entzündung auf der Gebärmutterschleimhaut deren Abstossung. Und da können entzündungshemmende Schmerzmittel lindern. Auch das Schüsslersalz Nr. 7 kann bei Krämpfen helfen wie auch höher dosierte Magnesiumgaben über den ganzen Monat. Bei einer Einnahme über längere Zeit sollte jedoch auf ausreichende Kalziumzufuhr geachtet werden, da sonst ein Missverhältnis dieser beiden chemischen Elemente auftreten kann.

Die Wechseljahre

Während der Wechseljahre (zwischen 42 und 55 Jahren) stellen die Eierstöcke langsam ihren Betrieb ein, was zu einem Östrogenabfall führt. Zu Beginn versucht die Leitzentrale (Hypophyse), den Hormonabfall mit erhöhten Ausschüttungen entsprechender Hormone zu kompensieren, was im Blut auch nachweisbar ist. Das Thema Wechseljahre und deren Beschwerden füllt ganze Bücher. Die Art und Intensität der daraus resultierenden Beschwerden ist lang: Von Wallungen über Bluthochdruck, Haut- und Schleimhautveränderungen bis hin zu Gewichtszunahmen und Depressionen ist alles möglich. Ebenso vielfältig sind die Mittel und Möglichkeiten zur Linderung der Beschwerden:

bei Wechseljahren ganz allgemein

mit Phytoöstrogen und somit auch sehr gut geeignet bei Schleimhauttrockenheit, auch der Scheide

vor allem bei Wallungen angezeigt, aber nicht nur

hilft generell bei Stimmungsschwankungen, so auch in den Wechseljahren

Ein spannender Aspekt ist das Ausbleiben der Menstruation. Im naturheilkundlichen Denken fehlt der Frau nun eine starke Möglichkeit zu entschlacken. Deshalb machen Zubereitungen mit Pflanzen, welche die Leberfunktion (auch wegen des Cholesterols) und die Nierenfunktionen stärken, wie auch Basenbäder durchaus Sinn. Der allgemeine gesundheitliche Zustand beeinflusst in dieser Zeit die Art und Weise des Überganges. Die Wechseljahre – wie auch die Pubertät – sind im Grunde natürliche und wichtige Prozesse und keine Krankheiten, die es zu verhindern gilt. Deshalb sollte mit Hormontherapien, egal, ob zur Verhütung, zur Verbesserung des Hautbildes oder zur Linderung der Wechseljahrbeschwerden mit grosser Achtsamkeit umgegangen werden. 

Wechseljahre des Mannes

Gewiss: Männer kennen auch Wechseljahre, wenn auch die Beschwerden lange nicht so ausgeprägt sind wie bei den Frauen. Der Testosteronspiegel sinkt zum Teil stark, bleibt dennoch dominant. Eine besonders aktive Form dieses Hormons, das Dihydrotestosteron, ist verantwortlich für das Prostatawachstum, wovon rund die Hälfte der Männer ab 50 Jahren betroffen ist. Pflanzen wie die Sägepalme stoppen die Vergrösserung der Vorsteherdrüse, indem sie die Bildung dieses Hormons bremsen. Zudem haben auch Brennnesselsamen oder Kürbiskernpräparate eine positive Wirkung auf eine zu grosse Prostata, sofern die Vergrösserung nicht schon zu weit fortgeschritten ist. Anderseits steuert dieses Hormon auch die Talgdrüse. Eine Talgdrüsenunterfunktion könnte zu Altersjuckreiz führen, der bei Frauen und Männern auftreten kann. In diesen Fällen sind essenzielle Fettsäuren (Omega 6 und Omega 3) von Bedeutung.

Hormone steuern noch viel mehr

Wie eingangs erwähnt, bringt der Körper eine Vielzahl verschiedenster Hormone und Hormonregelkreise hervor. Ein gestörter Hormonhaushalt macht sich durch deutliche Symptome bemerkbar. Das Gleichgewicht wiederherzustellen erfordert eine genaue Feinabstimmung. Denn Hormone entfalten bereits in geringen Mengen eine ausserordentliche Wirkung. Beispiele sind der Einfluss des Insulins auf den Blutzucker, die Rolle des Wachstumshormons für die Entwicklung und die Bedeutung der Sexualhormone für die Fortpflanzung. Störungen des Hormonsystems können viele Ursachen haben: von einer angeborenen Autoimmunstörung über Defekte im Drüsengewebe bis zur Über- oder Unterproduktion eines Hormons. Wenn nur ein Rädchen im hormonellen Regelkreis blockiert ist, kann das schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. Die Hormonproduktion erfolgt in Regelkreisen, in denen sich Hormone gegenseitig stimulieren oder bremsen. Hormone entstehen im Tages-, Monats- oder Jahresrhythmus. Der jeweilige Hormonspiegel hängt ab von der Tageszeit, der Nahrung, von Stress, Alter und Geschlecht. Da die Konzentration jedes Hormons ständig schwankt, lassen sich Hormonspiegel schwer zuverlässig messen. Viele hormonelle Defizite kann man medikamentös beheben. Auch die Hormone selbst gelten heute als interessante, aber komplizierte Therapeutika. Doch sie sind nicht immer so gut zu dosieren wie etwa Insulin für Diabetiker oder so einfach künstlich nachzubauen wie Östrogen oder Gestagen für die Antibabypille. 

Text: Patrick Seiz, Bilder: Beat Brechbühl

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