Der Beckenboden verdient ihre Aufmerksamkeit
Wir kennen ihn alle, wissen um seine Wichtigkeit und trotzdem: Ein schwacher Beckenboden und seine weitreichenden Folgen, vorab die Harninkontinenz, sind nach wie vor ein grosses Tabu. Man geht davon aus, dass in der Schweiz rund eine halbe Million Menschen (etwa 5 % der Bevölkerung) von Harninkontinenz betroffen sind, darunter viele aufgrund einer Beckenbodenschwäche. Trotz der hohen Zahl spricht niemand gerne darüber, obwohl sie gut behandelbar ist – etwa durch gezieltes Beckenbodentraining, Gewichtsreduktion oder in schweren Fällen durch operative Massnahmen.
Stabilisieredes Element
Ohne Beckenboden würden, bildlich gesprochen, unsere Organe rausdrücken. Er verhindert beim Hüpfen, Niesen und Lachen Urin- und Stuhlabgang. Unser Beckenboden besteht aus Bindegewebe und mehreren Muskelschichten, die sich zwischen Schambein, Steissbein und den beiden Sitzbeinhöckern spannen. Nach unten schliesst er unser Becken ab. Dabei arbeiten die Muskelschichten zusammen, um die Organe im Beckenraum – Blase, Darm und bei Frauen zusätzlich die Gebärmutter – an Ort und Stelle zu halten und zu stützen. Er gewährleistet die Harn- und Stuhlkontinenz und ist an sexuellen Funktionen beteiligt. Zudem wirkt er als Stabilisator für den gesamten Rumpf und unterstützt eine aufrechte Körperhaltung.
Frauen häufig betroffen
Gemäss aktuellen Zahlen leiden ca. 30 bis 50 Prozent aller Frauen im Laufe ihres Lebens an einer Beckenbodenschwäche und sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Das höhere Risiko ergibt sich aus einer Kombination aus anatomischen Gegebenheiten, Schwangerschaft, Geburt und hormonellen Veränderungen. Erschwerend dazu kommen chronische Belastungen durch häufiges Heben schwerer Lasten, anhaltenden Husten oder Verstopfung. Dennoch können auch Männer – etwa nach einer Prostataoperation oder bei Übergewicht – betroffen sein. Sobald die Muskulatur an Spannkraft verliert oder überdehnt wird, tritt eine Beckenbodenschwäche auf. Dies kann zu Beschwerden wie zur Senkung der Beckenorgane, zu Inkontinenz oder Schmerzen führen. Eine der häufigsten Folgen ist die Belastungsinkontinenz. Dabei kommt es zu ungewolltem Urinverlust bei körperlicher Anstrengung wie Husten, Niesen, Lachen oder Sport. Dies geschieht, weil der geschwächte Beckenboden den Verschlussmechanismus der Blase nicht mehr ausreichend unterstützt.
Obwohl Inkontinenz weit verbreitet und eine Krankheit wie jede andere ist, wird nicht darüber gesprochen.