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Grundformen der Angst

Ängstlich ist jeder Mensch auf die eine oder andere Weise. Was aber seit bald einem Jahr mit unserem Leben, unserem Umfeld, unserer Zukunft geschieht, kann veritable Ängste und Sorgen auslösen, die nicht so einfach zu bewältigen sind. Was ist Angst überhaupt? Was tun? Wie damit umgehen?

Es sind nach wie vor anspruchsvolle Zeiten, in denen wir uns bewegen. Alle haben gehofft, dass der Spuk schnell vorbei sein würde und der Kelch an uns vorüberginge. Mittlerweile wissen wir, dass es anders ist. Aus unserem Leben ist die Sorglosigkeit verschwunden, wir finden uns in einer ängstlichen Welt wieder. Ängste um die Existenz, Ängste um Angehörige, aber auch um die eigene Gesundheit sind für viele Menschen zurzeit allgegenwärtig und beeinflussen das Leben auf verschiedenen Ebenen. Dabei ist Angst nicht per se negativ. Sie hat durchaus auch einen schützenden Charakter. 

Schutz durch Angst

Unabhängig von den Umständen setzen wir den Begriff Angst meist in einen negativen Kontext. «Du bist ein Angsthase» tönt es schon auf dem Pausenplatz, wenn man als Kind etwas nicht tut, was man der mehrheitlichen Meinung nach tun müsste. Später sind es Mutproben unter Jugendlichen, die den einen oder anderen zum «Schisser» machen, und als Erwachsener sollte man am besten vor gar nichts mehr Angst haben. Dabei haben Ängste in der Entwicklung von uns Menschen eine wichtige Schutzfunktion. Wir kennen solche Schutzreaktionen aus verschiedenen Lebenssituationen. Der erste kindliche Sprung vom Drei-Meter-Sprungbrett ins Schwimmbecken hat wohl bei den meisten mehrere Anläufe gebraucht. Ganz einfach, weil die Angst, aus grosser Höhe runterzuspringen den Körper vor Verletzungen schützt. Mit vielen Ängsten verhält es sich so. Man kann sie im Laufe des Lebens annehmen und einbauen. Wird man aber mit etwas Neuem, Ungewohntem wie zum Beispiel der Coronapandemie konfrontiert, dann können auch neue und ungewohnte Ängste auftreten. Nicht immer lassen sich diese so einfach überwinden wie die Angst auf dem Sprungbrett, weil solche Ängste weit in die persönliche oder familiäre Zukunft wirken, nicht oder nicht nur von einem selbst beeinflussbar und deren Folgen schwierig abzuschätzen sind. 

Angst als Problem und Ursache

Wenn einen die Ängste nicht mehr loslassen, Tag und Nacht begleiten und so einen immerwährenden Einfluss auf das Leben ausüben, dann ist Angst nicht mehr schützend oder einfach Teil des Lebens. Dann ist Angst ein Problem und gleichzeitig oft auch eine verkannte Ursache für andere Beschwerden. Dass Schlaf und Erholung nicht mehr gleich gut möglich sind, wenn einen etwas ängstigt und Sorgen bereitet, ist naheliegend. Wenn aber der Blutdruck plötzlich steigt, Schwindel oder Kopfschmerzen auftreten, dann sind Ängste nicht gerade eine der Ursachen, die man dahinter vermuten würde. Dass Ängste hingegen auf den Magen schlagen, sauer aufstossen oder im wahrsten Sinne des Wortes «Schiss» nach sich ziehen, ist eher nachvollziehbar. Selbst die Haut kann mit Ausschlägen und Juckreiz auf ungelöste Sorgen reagieren. Ängste nehmen die Luft zum Atmen – das ist nicht nur eine Redewendung, sondern bei entsprechend vorbelasteten Menschen (zum Beispiel bei Asthmatikern) auch Tatsache. Es gibt kaum einen Bereich im Körper, der nicht in irgendeiner Weise von Ängsten beeinflusst wird, denn Psyche und Körper sind untrennbar über das Nervensystem, aber auch über Hormone miteinander verbunden.

Angst lass nach

Bevor man überhaupt etwas dagegen unternehmen kann, muss man sich erst mal bewusst werden und sich damit abfinden, dass man Ängste hat. Das ist unter den gesellschaftlichen Vorgaben gar nicht so einfach und braucht viel Mut. Denn Angst ist in der Gesellschaft ein Zeichen von Schwäche, mit dem man sich selbst nicht «schmücken» möchte. Aber nur über diesen Weg der Erkenntnis geht es nach oben. In den meisten Fällen braucht es dazu die Hilfe von aussen. Alles mit sich alleine auszumachen ist zwar auch ein gesellschaftlicher Trend, es ist aber weder falsch noch verachtenswert, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dabei gibt es keine allgemeingültigen Empfehlungen. Individuelle Lösungen sind am vielversprechendsten. Eine erste Anlaufstelle kann die Drogerie oder Apotheke sein. Wer sich sanfte Hilfe aus der Natur wünscht, ist hier richtig beraten. Es gibt einige Pflanzen, die ängstlichen Menschen zu mehr Stabilität und Sicherheit verhelfen. Diese Pflanzen können individuell kombiniert werden, sowohl für innerliche als auch äusserliche Anwendungen.

Lila leuchtend

Der Lavendel ist mit seinem betörenden Duft eine der ganz grossen Heilpflanzen, wenn es um Ängste und Sorgen geht. Das ätherische Öl oder auch die Tinktur aus Lavendelblüten klären diffuse Ängste, erhellen das Gemüt und sorgen für innere Ruhe und Entspannung. Vor allem seine klärenden Eigenschaften – im Sinne von klarsehen oder seinen Weg gehen – sind von grossem Wert. Wir können in ein entspannendes Lavendelbad eintauchen oder unseren Körper mit einer duftenden «Decke» aus einem Lavendel-Körperöl einhüllen. Auch ein Raumspray oder ein Lavendelsäckchen (siehe Tipp) sorgen unterwegs oder zu Hause für Leichtigkeit.

Daneben gibt es weitere Heilpflanzen wie z. B. Johanniskraut, Kava-Kava, Melisse und Hopfen, die man mit Lavendel kombinieren kann. Sind auch körperliche Beschwerden vorhanden, dann passt man die Pflanzenauswahl bei der Beratung entsprechend an. Ob man die Pflanzen als Tinktur, Kapseln, Spagyrikmischung, Gemmomazerat oder Tee einsetzt, hängt von vielen individuellen Faktoren ab. Im Beratungsgespräch mit einer Fachperson aus Ihrer Drogerie oder Apotheke finden Sie am einfachsten die passende Kombination. Oft können wir in der freien Natur, fernab von Beruf und Gesellschaft besser durchatmen und loslassen. Ausgedehnte Spaziergänge, Wandern und Aktivitäten an der frischen Luft stärken unser Urvertrauen und sind in ihrer positiven Wirkung nicht zu unterschätzen. Je nach Lebensumständen, Situation und Dauer benötigen Körper und Geist weitergehende Hilfe. Das können Gespräche mit einem Psychologen oder einer anderen Fachperson sein. Synthetische Stoffe sind auch eine Alternative, jedoch immer in Rücksprache mit einer Fachperson. Es gibt Situationen im Leben, in denen wir uns nicht mehr selbst helfen können. Daher ist es absolut richtig und wichtig, sich die dringend nötige Hilfe zu holen. Alles, was uns Boden unter den Füssen gibt, was wie ein Baum zum Anlehnen Ruhe und Kraft vermittelt und was die innere Sicherheit und das Urvertrauen in das Leben stärkt, ist heilsam. 


Haus Tipp: Entspannungssäckchen

Duftende Entspannung für daheim und unterwegs

Es braucht nur ein bisschen Stoff, z. B. ein Taschentuch, Stoffreste, ein Geschirrtuch sowie getrocknete, wohlriechende und entspannende Kräuter wie Lavendelblüten, Melisse, Orangenschalen, Kamille, Rosenblüten, Hopfen oder Lindenblüten.

Einen Stoffstreifen von ca. 30 × 10 cm in der Mitte mit der äusseren Seite nach innen falten und die Seiten zusammennähen. Umdrehen, zu zwei Dritteln mit den gemischten Kräutern füllen und das Kräutersäckchen mit einer Kordel zubinden.

Als duftender Begleiter auf dem Nachttisch oder dem Kopfkissen, in der Schultasche oder Handtasche – einfach da, wo etwas Wohlgeruch und Entspannung nötig sind. Für ängstliche Kinder kann man auch ein Plüschtier mit den duftenden Kräutern als Begleiter füllen.

Diese und andere Kräuter können auch für Bäder oder Teemischungen verwendet werden. Ihre Drogerie oder Apotheke weiss hier guten Rat.

Text: Lukas Maron, Bilder: Beat Brechbühl

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