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Ferien in der Schweiz

Diesen Sommer dürften viele Ferienpläne dem Coronavirus zum Opfer gefallen sein. Doch wieso in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?

Unser schönes Land bietet geschichtsträchtige, gut erhaltene Städtchen mit schmucken, engen Gassen. Auch fürs Surfen braucht es kein Florida. Wir unterbreiten Ihnen fünf Vorschläge für einen sommerlichen Tagesausflug in Schweizer Kleinstädte, kombiniert mit Wanderungen, Wassersport und Aktivitäten für die ganze Familie – und auch etwas Raum für baumelnde Gedanken.

Willisau

Familienfreundlich flanieren

Das Städtchen Willisau, unweit von Luzern, beglückt Tagesausflügler und Flanierfreudige mit charmanten Gässchen und imposanten Bauten. Willisau hat 700 Jahre städtische Geschichte hinter sich. Allerdings ist das Städtchen bereits viermal niedergebrannt und viele Bauten sind mehrmals neu errichtet worden. Ob die Willisauer Ringli, diese legendären Guetzli, deshalb so hart im Nehmen sind? Heute präsentiert sich Willisau so, wie es nach dem letzten Stadtbrand von 1704 aufgebaut wurde.

Die Altstadt wird von zwei Toren begrenzt – dem Ober- und dem Untertor –, als Stadtmauer mussten die Häuserfassaden herhalten. Aus dem jahrhundertealten Glockenturm im Untertor ist täglich ein vielseitiges Glockenspiel zu hören (um 11.30, 15.15 und 16.30 Uhr). Je nach Jahreszeit und Anlass ertönen verschiedene Melodien. Der Fussgänger hat in der Altstadt überall Vortritt, ganz im Sinne einer Begegnungszone. Dies ermöglicht ein unbeschwertes Schlendern durch die Geschichte: ein Blick nach oben zu den schmucken Häuserfassaden, ein erfrischender Halt an einem der drei Stadtbrunnen, das Bestaunen der ältesten Häuser aus dem 15. Jahrhundert an der Müligass und zwischendurch ein Glacé in einem der vielen Cafés und Restaurants geniessen. Die Ursprünge der Willisauer Ringli finden Sie in der Altstadt im Haus Café Amrein Chocolatier. Am Hang thront das Landvogteischloss, das im Rahmen einer Führung besichtigt werden kann. Zum Schluss lohnt sich ein Spaziergang zum Burghügel mit der St.-Niklausen-Kapelle, um kurz innezuhalten. Zudem gibt es in und um Willisau verschiedene spannende Themenwege für Gross und Klein zum Entdecken: Vom Chrüterhäxliweg bis zur Planetenwegwanderung ist für alle etwas dabei.

Estavayer-le-Lac

Citytrip samt Strandferien

Die Entscheidung zwischen Stadtreise und Ferien am Strand erledigt sich mit einem Ausflug zum schmucken Estavayer-le-Lac am süd-östlichen Ufer des Neuenburgersees. Das mittelalterliche Städtchen punktet sowohl mit seinem historischen Zentrum und attraktiven Bauten als auch mit all dem, was Sie an den Stränden Floridas vermuten könnten.

Die mittelalterliche Altstadt gehört zu den Ortsbildern von nationaler Bedeutung und ist weitgehend intakt geblieben, zum Beispiel die Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert. Beim Flanieren durch die engen Gassen, vorbei an teilweise schiefen Häusern, unter Arkaden und über beschauliche Plätze wähnt man sich in einer anderen Zeit. Besonders nennenswert sind das Hôtel du Cerf aus dem 16. Jahrhundert, das Maison de la Dîme, die gotische Stiftskirche Saint-Laurent und nicht zuletzt das Schloss von Chenaux im Herzen der Stadt. Kein Citytrip ohne Museumsbesuch: Wer sich im Museum von Estavayer-le-Lac nicht unbedingt für die lokalhistorisch bedeutenden Funde interessiert, widmet sich der Sammlung von 108 präparierten Fröschen – in menschlichen Szenen präsentiert. Ein wahres Kunstwerk! In der zweiten Hälfte des Stadt-Strand-Ausflugs wird der Staub von Pflastersteinen gegen weissen Sand der scheinbar unendlichen Strände in und um Estavayer-le-Lac getauscht. Sei es im, am oder auf dem Wasser, dem Spass sind keine Grenzen gesetzt. Wer sich nicht zwischen den Wasser- und Trocken-Aktivitäten entscheiden kann, legt sich auf die Wiese und lauscht dem Rascheln des Schilfrohrs. Im Sommer finden am Ufer des Neuenburgersees auch unzählige Anlässe statt. Das ganze Jahr über kann man die Freiluftgalerie ArtiChoke Urban Art Route besichtigen, ein Kunstwerk-Rundgang (zu Fuss oder mit dem Velo) mit überraschenden Werken nationaler und internationaler Künstler.

Bremgarten

Bern im Kleinformat

Etwas versteckt liegt Bremgarten zwischen den Ballungszentren Zürich und Baden – obwohl schon der Kampf zwischen Franzosen und Russen um eben dieses Zürich 1799 von General Masséna von hier aus dirigiert wurde. Und vielleicht hätte es den französischen König Louis-Philippe gar nie gegeben, hätte er zur Revolutionszeit nicht in Bremgarten Zuflucht gefunden. Die mittelalterliche Altstadt ist fast unversehrt erhalten und gehört zu den Kulturdenkmälern von nationaler Bedeutung. Noch stehen Türme und Teile der alten Stadtmauer. Die gedeckte Holzbrücke aus dem 13. Jahrhundert mit dem Bollhaus und der Bruggmühle verbindet die Altstadt über die Reuss mit der Vorstadt. Durch seine Struktur mit vielen Märkten, Läden und Cafés, auf drei Seiten von der Reuss umschlossen und etwas erhöht gelegen, kommt das Städtchen Bremgarten wie Bern im Kleinformat daher. Nur ist die Altstadt tram- und autofrei.

Aus welcher Richtung her auch immer man sich Bremgarten nähert, die unmittelbare Nähe zur Natur ist nicht zu übersehen. Waldspaziergänge und Themenwege bieten die Wälder der Reuss-Schlaufe direkt beim Städtchen. Unbedingt an einer der Feuerstellen einen Brätli-Plausch einlegen und die Füsse ins Wasser tauchen. Auf längere Wanderungen bricht man am besten in Richtung Süden auf, denn so hat man ständig das prächtige Alpenpanorama vor sich, vielleicht bis nach Muri im Freiamt, dem nächsten grösseren Habsburgerstädtchen. Eine schöne Rundwanderung erstreckt sich von Bremgarten zum Flachsee und wieder zurück. Vogelfreunde nehmen sich Zeit für eine Umrundung des Flachsees, einem geschützten Reuss-Abschnitt mit wertvollen Auengebieten.

Werdenberg

Die kleinste Stadt der Schweiz

In Werdenberg im St. Galler Rheintal ruht die älteste Holzsiedlung der Schweiz mit städtischem Charakter. Die mittelalterlichen Holzhäuser sind sehr gut erhalten – und weiterhin bewohnt. Dank des historischen Stadtrechts kann Werdenberg gut und gerne von sich behaupten, die kleinste Stadt der Schweiz zu sein. Eine Besichtigung wert – wir bleiben bei der Siedlung – ist sie auf jeden Fall. Interessanterweise wurde der Mauerring trotz Stadtrecht nie erweitert; was klein war, blieb für immer klein. Werdenberg wurde von Kriegen verschont, und das Städtchen musste nie gegen zerstörerische Feuersbrünste kämpfen. Dadurch blieb das Stadtbild über die Jahrhunderte weitgehend erhalten. Zum besonderen Kulturgut gehört das sogenannte Schlangenhaus von 1750. Nein, es sind dort keine präparierten Schlangen zu bestaunen. Der Name ist eine Anspielung auf die sich unter dem Dach schlängelnden Verzierungen. Heute beherbergt das Haus das Regionalmuseum.

Über dem Städtli thront das Schloss Werdenberg von ca. 1230, das einen engen baulichen Bezug zum Städtli hat. Der prächtige Rittersaal, der aus dieser Zeit stammt, ist bis heute unverändert. Das Schloss kann besichtigt werden, es befindet sich ein Museum darin, und ein vielfältiges Angebot an Veranstaltungen sorgt für einen lebhaften Schlosshof. Für die Erkundung des Städtlis und der Museen bietet sich eine abwechslungsreiche Vielfalt an Führungen – und Abenteuern – für Gross und Klein. Das saisonale Programm wird von thematischen Sonderausstellungen und regionalen künstlerischen Produktionen ergänzt.

Nach einem Picknick am kleinen Werdenbergersee passt eine gemütliche Rundwanderung am Fusse des Berges nach Grabs und zurück mit schöner Aussicht vom Schloss. Liebhaber von Schlössern, Burgen und Festungen brechen zum mehrstündigen Schlossweg nach Sargans auf.

St-Ursanne

Im Grünen die Perle finden

Das kleine mittelalterliche Städtchen St-Ursanne, auch Perle des Juras genannt, liegt im Herzen des Juras am Doubs. Höhepunkte des romantischen Orts sind das Kloster mit Kreuzgang aus dem 13. Jahrhundert und die romanisch-gotische Stiftskirche, deren Ursprünge auf das 12. Jahrhundert zurückgehen. Eine gute Sicht auf das Städtchen und den umgebenden Naturpark Doubs bietet die vierbogige Doubs-Brücke. In den Gassen finden Sie zahlreiche Kunstgalerien und Antiquariate. Schätze der Natur, Heilkräuter und Gemüsebeete kann man in einem mittelalterlichen Garten besichtigen. Der Garten gibt Auskunft über 100 Blumen und Pflanzen und darüber, wie sie im Mittelalter angewendet wurden. St-Ursanne als Oase der Ruhe und Entspannung ist ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge in die Natur, zu Fuss oder mit dem Velo. Und im Doubs gebe es die besten Bachforellen, versichern die Einheimischen. Die grüne Flusslandschaft entlang der Grenze zu Frankreich lädt aber auch zum erholsamen Kanu- und Kajakfahren ein. Kaum ein Fluss in der Schweiz ist in einem so natürlichen Zustand geblieben wie der Doubs, der sich elegant durch das unwegsame Gelände schlängelt. Der Lauf ist meist gemütlich in der engen Talsohle. Ideal für Kanu-Anfänger ist die Strecke oberhalb von St-Ursanne, erholsam für alle Ausflügler der Blick auf das satte Grün der Landschaft. 


Alles eingepackt im Rucksack? > Hier geht es zur Checkliste.

Text: Kaisa Rouranen, Bild: Beat Brechbühl

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