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Massvolle Engergie

Wer gönnt sich nach dem Essen oder zwischendurch nicht gern etwas Süsses? Ein Stück Schokolade, ein Keks oder ein Dessert verwöhnen den Gaumen – und lassen unsere Glücksgefühle tanzen. Doch was geschieht eigentlich in unserem Körper, wenn wir Zucker zu uns nehmen? Und welche Folgen hat das für unsere Energie, unsere Stimmung und unsere Gesundheit? Die Antwort darauf liegt im sogenannten Zuckerstoffwechsel – also in der Frage, wie unser Körper Zucker verarbeitet und nutzt.

Wenn wir an Zucker denken, erscheinen vor unserem inneren Auge meist Donuts, Schokolade oder Kuchen. Dabei steckt Zucker nicht nur in Süssigkeiten, auch Früchte, Gemüse und Milchprodukte enthalten ihn ganz natürlich. Bereits im Mund beginnt die Verdauung. Enzyme – kleine, fleissige «Helfer» – machen sich daran, die Nahrung aufzuspalten. Je nach Zusammensetzung liefert sie Kohlenhydrate, Fette oder Eiweisse. Alle drei sind lebenswichtig, denn sie versorgen unsere Zellen mit Energie. Der Zuckerstoffwechsel konzentriert sich dabei auf die Kohlenhydrate und darauf, wie unser Körper aus ihnen Kraft für den Alltag gewinnt. Seine Aufgabe ist klar: Er soll sicherstellen, dass wir leistungsfähig, wach und energiegeladen bleiben.

Auf die Menge kommts an
Zucker ist nicht grundsätzlich schlecht – im Gegenteil, er ist für uns überlebenswichtig. Wie so oft entscheidet jedoch die Dosis. Sind die Kohlenhydrate einmal in ihre einfachsten Bestandteile zerlegt, tritt Insulin auf den Plan. Dieses Hormon, gebildet in der Bauchspeicheldrüse, spielt eine Schlüsselrolle: Es sorgt dafür, dass der Zucker aus dem Blut in die Zellen gelangt. Man kann sich Insulin wie einen Schlüssel vorstellen, der unzählige kleine Türen öffnet.

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In unseren Breitengraden nehmen wir häufig zu viel Zucker zu uns. Essen ist jederzeit verfügbar – und allzu oft greifen wir zu süssen Snacks statt zu Gemüse oder eiweissreichen Mahlzeiten.

Da wir meist mehr Zucker aufnehmen, als unser Körper gerade benötigt, werden überschüssige Mengen gespeichert. Zunächst als Glykogen in Leber und Muskeln – eine schnell verfügbare Energiereserve. Ist auch diese voll, wird der Zucker in Fett umgewandelt und im Gewebe eingelagert. Diese Reserve ist für schlechte Zeiten gedacht und wird erst genutzt, wenn andere Energiequellen ausgeschöpft sind.

Wenn der Zuckerstoffwechsel aus dem Takt gerät
In unseren Breitengraden nehmen wir häufig zu viel Zucker zu uns. Essen ist jederzeit verfügbar – und allzu oft greifen wir zu süssen Snacks statt zu Gemüse oder eiweissreichen Mahlzeiten. Die Folgen kennen viele: Zwei Stunden nach dem Mittagessen kommt das Energietief. Ein Stück Schokolade scheint die perfekte Lösung. Kurzfristig stimmt das auch – der Blutzuckerspiegel schiesst in die Höhe. Doch ebenso schnell fällt er wieder ab. Dieses ständige Auf und Ab gleicht einer Zickzackfahrt und bedeutet Stress für den Körper. Er kommt kaum zur Ruhe. Die Folge sind ständiges Hungergefühl, Heisshunger auf Süsses und eine gereizte oder gedrückte Stimmung. Wer im «Zuckerloch» steckt, merkt schnell, wie sehr der Blutzucker den Alltag bestimmt.

Voller Energie durch den Tag
Der Zuckerstoffwechsel beeinflusst nicht nur unsere Energie, sondern auch unseren  Hormonhaushalt. Bei Frauen wirken sich Hormone wie Östrogen und Progesteron auf den Blutzuckerspiegel aus – etwa durch verstärkte Snackgelüste in der zweiten Zyklushälfte. Auch Stresshormone wie Cortisol oder Adrenalin treiben die Blutzuckerkurve nach oben. Die gute Nachricht: Je stabiler der Blutzucker im Tagesverlauf bleibt, desto ausgeglichener fühlen wir uns. Hungerattacken werden seltener, die Konzentration steigt und wir gehen entspannter durch den Tag. Schon kleine Veränderungen können dabei Grosses bewirken.

Die Reihenfolge macht den Unterschied
Unser Magen lässt sich gut mit einem Becken vergleichen, das einen Ablauf hat. Kohlenhydrate passieren diesen Ablauf besonders schnell – vor allem, wenn sie auf nüchternen Magen gegessen werden. Gelangen sie ungebremst ins Blut, steigt der Blutzucker rasant an. Essen wir jedoch zuerst Gemüse und Proteine, verlangsamt sich dieser Prozess deutlich. Extreme Höhen und  Tiefen bleiben aus. Eine einfache Regel lautet daher: lieber regelmässige, ausgewogene Mahlzeiten mit Fetten, Proteinen und Kohlenhydraten, als ständig zwischendurch zum Keks oder Riegel zu greifen. Der Salat zur Vorspeise erfüllt dabei einen cleveren Zweck: Seine Ballaststoffe bilden im Magen eine Art Auffangnetz, das die Aufnahme der folgenden Nahrung bremst. So bleibt die Blutzuckerkurve stabil – und wir fühlen uns über Stunden leistungsfähig. Zucker darf durchaus Platz in unserer Ernährung haben. Entscheidend ist der bewusste und massvolle Umgang. Denn manchmal kann ein Apfel zum Dessert genauso süss sein wie ein Stück Kuchen.


Zucker ist nicht grundsätzlich schlecht – im Gegenteil: Er ist für uns überlebenswichtig. Wie so oft entscheidet jedoch die Dosis.

Text: Samantha Niccolai, Bilder: Beat Brechbühl

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