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Vielfalt ist in Ordnung

Bereits im 16. Jahrhundert vermutete der Schweizer Arzt, Naturphilosoph und Mystiker Paracelsus, dass der Ursprung vieler Krankheiten im Darm liege. Heute bestätigt die moderne Wissenschaft diese Einschätzung eindrücklich: Unser Darm ist weit mehr als ein Verdauungsorgan. Er spielt eine zentrale Rolle für unser Immunsystem, unseren Stoffwechsel und sogar für unser seelisches Wohlbefinden. Verantwortlich dafür ist vor allem das sogenannte Darmmikrobiom.

Als Mikrobiom bezeichnet man die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die einen Organismus besiedeln. Dazu gehören Bakterien, Viren, Pilze und andere Kleinstlebewesen. Sie leben in einem fein abgestimmten Ökosystem – etwa im Darm, auf der Haut oder in der Mundhöhle. Besonders gut erforscht ist das Darmmikrobiom, da es zahlreiche Funktionen im menschlichen Körper beeinflusst. Es wirkt unter anderem auf das Immunsystem, den Stoffwechsel und das Hormonsystem ein.

Einzigartige Vielfalt im Darm
Das menschliche Mikrobiom ist so individuell wie ein Fingerabdruck. Es besteht aus mehreren tausend verschiedenen Bakterienarten, deren Zusammensetzung sich im Laufe des Lebens stetig verändert. Bereits bei der Geburt beginnt sich die Darmflora zu entwickeln – unter anderem durch den Kontakt mit mütterlichen Bakterien. Wie vielfältig unser Mikrobiom ist, hängt von vielen Faktoren ab: der genetischen Veranlagung, dem Alter, der geografischen Herkunft, aber auch vom Lebensstil, der Ernährung und der Umwelt. Eine hohe Vielfalt an «guten» Darmbakterien gilt als besonders gesund. Diese unterstützen die Verdauung, fördern die Darmbewegung und helfen bei der Entgiftung von Umweltstoffen und Medikamenten. Zudem schützen sie die Darmschleimhaut und tragen dazu bei, dass sich schädliche Keime nicht ausbreiten können. Darüber hinaus produzieren Darmbakterien lebenswichtige Vitamine wie B1, B2, B6, B12 und Vitamin K sowie antioxidativ wirksame Substanzen. Sie sind auch für ein funktionierendes Immunsystem unverzichtbar: Rund 70 Prozent aller antikörperproduzierenden Immunzellen befinden sich im Darm. Damit ist er das grösste immunologische Organ des menschlichen Körpers.

Wenn das Gleichgewicht gestört ist
Verschiedene Einflüsse können das empfindliche Gleichgewicht des Darmmikrobioms stören. Fachleute sprechen dann von einer Dysbalance. In einem solchen Fall können sich krankmachende Keime vermehren und die Schutzfunktion der Darmschleimhaut beeinträchtigen. Die möglichen Folgen reichen weit über den Darm hinaus. Zu den häufigsten Störfaktoren zählen eine einseitige Ernährung mit vielen Fertigprodukten, Zucker und Zusatzstoffen, Bewegungsmangel sowie chronischer Stress. Auch psychische Belastungen wie Ängste wirken sich nachweislich auf die Darmflora aus. Bestimmte Medikamente – allen voran Antibiotika – sowie der Konsum von Alkohol und Tabak können das Mikrobiom ebenfalls schädigen. Eine gestörte Darmflora äussert sich oft in unspezifischen Beschwerden wie Blähungen, Völlegefühl, Bauchschmerzen oder Durchfall. Auch Mundgeruch, anhaltende Müdigkeit und Energielosigkeit können Anzeichen sein. Hält die Dysbalance länger an, treten vermehrt Nahrungsmittelunverträglichkeiten auf. Zudem können sich Entzündungen im Bewegungsapparat oder Hautveränderungen entwickeln. Aktuelle Studien untersuchen ausserdem einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Darmmikrobiom und psychischen Erkrankungen wie Depressionen.

Die Darmflora gezielt unterstützen
Auf viele Faktoren, die das Mikrobiom beeinflussen, lässt sich aktiv einwirken. Eine ausgewogene, frische und ballaststoffreiche Ernährung schafft ideale Bedingungen für gesunde Darmbakterien. Ballaststoffe – unter ihnen insbesondere die präbiotischen – dienen den Bakterien im Dickdarm als Nahrung und fördern deren Wachstum. Auch sekundäre Pflanzenstoffe, wie sie etwa in Äpfeln, Beeren oder Gemüse vorkommen, unterstützen die Darmflora und tragen zur Stabilität der Darmschleimhaut bei. Regelmässige, moderate Bewegung wirkt sich ebenfalls positiv auf die Zusammensetzung des Mikrobioms aus und stärkt dadurch das Immunsystem. Reichen diese Massnahmen nicht aus, können Probiotika eine sinnvolle Ergänzung sein. Dabei handelt es sich um Präparate mit ausgewählten, lebenden Bakterienstämmen, die natürlicherweise im Darm vorkommen. Bestimmte Probiotika haben sich insbesondere bei Durchfallerkrankungen bewährt. Sie produzieren unter anderem Milchsäure, die schädliche Keime hemmt oder verdrängt.

 

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Das menschliche Mikrobiom ist so individuell wie ein Fingerabdruck. Es besteht aus mehreren tausend verschiedenen Bakterienarten, deren Zusammensetzung sich im Laufe des Lebens stetig verändert.

Gesundheit beginnt im Mund
Nicht nur der Darm, auch der Mundraum beherbergt ein wichtiges Mikrobiom. Die Verdauung beginnt bereits im Mund: Die Mundflora übernimmt eine zentrale Rolle in der Immunabwehr, indem sie die erste Schutzbarriere gegen Keime und Krankheitserreger bildet, Schadstoffe aus der Luft filtert und Zähne und Zahnfleisch schützt. Wie im Darm ist auch im Mund eine grosse Vielfalt an Mikroorganismen entscheidend. Einige Bakterien produzieren gezielt Abwehrstoffe, die schädliche Erreger bekämpfen. Eine schonende, gründliche Mundpflege ist daher nicht nur für die Mund- und Zahngesundheit, sondern auch für das allgemeine Wohlbefinden von grosser Bedeutung.

 

KURZ & BÜNDIG

Unsere Darmflora – auch Darmmikrobiom genannt – besteht aus Milliarden nützlicher Bakterien. Sie unterstützt die Verdauung, schützt die Darmschleimhaut und spielt eine zentrale Rolle für unser Immunsystem. Rund 70 Prozent aller Immunzellen befinden sich im Darm. Ist die Darmflora im Gleichgewicht, fühlen wir uns leistungsfähig und widerstandsfähig. Gerät sie aus dem Takt, können Beschwerden wie Blähungen, Müdigkeit oder eine erhöhte Infektanfälligkeit auftreten.

So unterstützen Sie Ihre Darmflora:

Essen Sie ballaststoffreich
Vollkornprodukte, Gemüse, Hülsenfrüchte und Beeren liefern wertvolle Nahrung für gute Darmbakterien.

Setzen Sie auf Vielfalt
Je abwechslungsreicher die Ernährung, desto vielfältiger die Darmflora.

Bevorzugen Sie Frisches
Wenig verarbeitete Lebensmittel und möglichst wenig Zucker fördern ein gesundes Darmmilieu.

Bleiben Sie in Bewegung
Regelmässige, moderate Bewegung wirkt sich positiv auf die Darmgesundheit aus.

Text: Ilona Mächler, Bilder: Beat Brechbühl

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