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Wundpflege

Im Alltag kommt es schnell zu kleinen Wunden. Eine Wunde ist immer Eingangsportal für Keime in unseren Körper. Diese können durch Bildung von Infektionen den Heilungsprozess stören und erschweren. Damit keine Infektion entsteht und die Wunde rasch abheilen kann, ist eine fachgerechte Wundversorgung nötig. Hier erfahren Sie wie es geht.

Blut zu sehen ist im ersten Moment beängstigend. Doch das Bluten ist der erste Schritt der körpereigenen Wundheilung, denn gesundheitsschädigende Keime werden dabei aus der Wunde geschwemmt. Diese erste Phase wird auch Reinigungsphase genannt. Sobald das Blut gerinnt, folgt die nächste Phase der Wundheilung – die Reparaturphase. In dieser wird Granulationsgewebe aufgebaut, um die Wunde zu verschliessen und vor Keimen zu schützen. Diese Phase startet ca. 24 Stunden nach der Verletzung. Entlang der Wundränder wird neues Gewebe gebildet. Diese werden dadurch leicht zusammengezogen und die Wunde wird Stück um Stück durch neu gebildetes Gewebe verschlossen. Schliesslich kommt die Regenerationsphase. Nach ein bis vier Wochen erfolgt der komplette Verschluss des Hautdefektes. Je nach Heilungsprozess, Grösse und Schwere der Wunde können Narben entstehen.

In der Wundversorgung geht es darum, diese einzelnen Phasen der Wundheilung optimal zu unterstützen, damit der körpereigene Reparaturprozess störungsfrei abläuft. 

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Es blutet – was tun?

Bevor eine Wunde verarztet wird, ist gründliches Händewaschen oder das Tragen von Hygienehandschuhen sehr wichtig. Danach reinigen wir die Wunde mit physiologischer Kochsalzlösung oder Wasser und tupfen sie mit einem sauberen Tuch ab. Damit eine Wunde gut heilen kann, müssen Keime und Fremdkörper entfernt werden. Steinchen und Splitter entfernen wir mit der Pinzette, tiefsitzende Fremdkörper gehören in die Obhut eines Arztes. Sollte die Blutung nach dieser Reinigung anhalten, hilft ein Druckverband bzw. das Hochlagern der betroffenen Körperstelle. Falls die Blutung weiter anhält, ist der Gang in eine Arztpraxis unabdingbar. Nach der Blutstillung wird die Wunde desinfiziert. Dies ist der wichtigste Schritt in der Wundversorgung, um Infektionen zu verhindern. Moderne Antiseptika in Form von Sprays enthalten Chlorhexidin oder Octenidin und brennen nicht in der Wunde. Eine Wundheilcreme desinfiziert die Wunde nicht ausreichend! Nach dieser Erstversorgung wird die betroffene Stelle mit passendem und atmungsaktivem Verbandmaterial oder Pflaster vor Keimen geschützt. Nun beginnt der natürliche Reparaturprozess.

Wundpflege

Die Wundheilung unterstützen

Bei der modernen Wundversorgung empfiehlt sich eine feuchte Wundbehandlung. Das heisst konkret: Die Wunden werden nicht – wie früher oft praktiziert – an der Luft ausgetrocknet, sondern feucht gehalten. Bei der feuchten Wundheilung kommen Wundheilgels oder Hydrokolloidpflaster zum Einsatz. Das feuchte Wundmilieu beschleunigt den Heilungsprozess, da die frischen Gewebezellen schneller an ihren Zielort wandern. Auf diese Weise verhindern wir die Schorfbildung und vermindern das Risiko einer Narbe. Sobald die Wunde verschlossen ist, kommt eine Wundheilcreme zum Einsatz. Diese enthält Wirkstoffe wie Dexpanthenol, Ringelblumenextrakt oder Vitamin A, die den Zellaufbau optimieren. Antiseptische Wirkstoffe wie Chlorhexidin oder Silber verringern den Keimdruck. Ihre Apotheke oder Drogerie unterstützt Sie bei der Wahl der richtigen Produkte und des passenden Verbandmaterials.

Narbenbildung vermeiden

In der letzten Phase der Wundheilung sollte das junge Wundgewebe vor Sonnenlicht geschützt werden. Das Auftragen eines mineralischen Sonnenschutzes mit SPF 50 oder das Abdecken mit einem Pflaster vermindern die Ausbildung von Narben. Tipp: Das neu entstandene Hautgewebe mit einer Narbencreme täglich sanft massieren. So kann die Hautstruktur optimal regenerieren und das Erscheinungsbild der Narbe normalisiert sich.

Wann ist medizinischer Rat gefragt?

Wenn Fieber, starke Schmerzen oder Erschöpfung eine Wunde begleiten, ist eine Ärztin oder ein Arzt zu konsultieren. Dies sind Anzeichen einer Blutvergiftung. Auch bei Wunden, die stark verunreinigt sind, wenn die letzte Tetanusschutzimpfung länger als 10 Jahre zurückliegt sowie bei Blessuren im Gesicht, sollte man einen Arzt aufsuchen. Eiter, stark gerötete Wundränder oder schwammiges Gewebe sind Anzeichen einer gestörten Wundheilung. Wenn diese nicht reibungslos verläuft, sollte immer eine medizinische Fachperson konsultiert werden.

Ein gestärktes Immunsystem durch ausgewogene Ernährung, Bewegung und genügend Schlaf hilft im Allgemeinen, den Heilungsprozess zu unterstützen. Heilpflanzen wie Arnika, Johanniskraut, Hamamelis oder Ringelblume begünstigen die Wundheilung zusätzlich. Lassen Sie sich zur Anwendung dieser Heilpflanzen von einer Fachperson beraten.

Wundpflege

Reiseapotheke zur Wundversorgung

  • Desinfektionsmittel für die Hände
  • Einweghandschuhe
  • Pinzette
  • Zeckenkarte
  • Wunddesinfektionsmittel
  • Pflaster in diversen Grössen
  • Selbsthaftende Gazebinde
  • Elastische Binde
  • Blasenpflaster
  • Sterile Wundkompressen
  • Wundverschlussstreifen
  • Achtung: Vermeiden Sie nach einer offenen Verletzung in der ersten Woche das Baden in Schwimmbädern und Gewässern. So minimieren Sie die Infektionsgefahr.

Wundversorgung nach Art der Wunde

Ist eine Schnittwunde tiefer als 5 mm, sollte sie genäht werden. Das Nähen einer Wunde muss innerhalb von sechs Stunden erfolgen. Ein sofortiger Gang in eine Arztpraxis ist also wichtig. Wenn die Wunde nicht tiefer als 5 mm ist, können Wundverschlussstreifen helfen, die Wundränder zusammenzuziehen, damit weniger neues Granulationsgewebe gebildet werden muss. Das Risiko einer Narbe wird so vermindert. Das Anbringen von Wundverschlussstreifen erfolgt nach der Wunddesinfektion im rechten Winkel zur Schnittwunde. Auf Wundverschlussstreifen wird keine Wundheilcreme aufgetragen.

 

1 Bei Riss- und Platzwunden

klaffen die Wundränder auseinander. Kleinere Wunden sollten desinfiziert und verbunden werden. Grössere Wunden sollten beim Arzt genäht oder professionell geklebt werden.

2 Bei Schürfwunden

ist die Reinigung besonders wichtig, da die Wunde oft mit Steinchen, Dreck oder Kleiderfasern verschmutzt ist. Ausserdem ist es wichtig, das richtige Verbandmaterial zu wählen. Beschichtete Gazen verkleben nicht mit der Wunde und die Wundheilung wird beim Verbandwechsel nicht gestört.

3 Stichwunden

sind heimtückische Wunden. Insektenstiche jucken oft und die betroffene Stelle wird aufgekratzt. Der Schmutz der Fingernägel gelangt dabei in die defekte Haut und die Stichwunde kann sich entzünden. Eine regelmässige Desinfektion von aufgekratzten Stichen ist daher wichtig. Auch Stichwunden durch Stacheln oder Dornen, wie sie bei der Gartenarbeit entstehen können, sind nicht zu unterschätzen. Keime aus dem Garten gelangen über die Stacheln oder Dornen in die Haut, ohne dabei die Haut sichtbar zu verletzen. Unter der Haut können grosse Entzündungen entstehen. Solche Wunden sollten von medizinischen Fachpersonen untersucht werden.

4 Bei Bisswunden

durch Tiere ist ein sofortiger Gang in die Arztpraxis wichtig. Durch den Biss werden Bakterien aus dem Rachenraum des Tieres auf unseren Körper übertragen. Diese können gefährliche Infektionen auslösen.

5 Bei Verbrennungen

gilt es, die auf dem Gewebe entstandene Hitze zu verringern. Kaltes, fliessendes Wasser verschafft hier Linderung, aber danach kommt der Schmerz oft wieder. Es gibt auch sinnvolle Ansätze aus dem Bereich der Homöopathie oder durch die Verwendung von Schüsslersalzen – Ihre Apotheke oder Drogerie weiss hier Bescheid. Als Allrounder hat sich auch ein Spray bewährt. Er hält die Wunde feucht, fördert die Zellbildung und wirkt bakterienhemmend, ohne die Körperzellen in der Heilung zu bremsen. Er besteht aus rein natürlichen Inhaltsstoffen wie Johanniskraut oder Olivenöl.

Text: Barbara Freiermuth und Manuela Tanner, Bilder: Beat Brechbühl

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